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Beweise auf dem Silbertablett

Aufpoliertes Diebesgut: Autohändler Daniel Henning hat die Bilder ausgedruckt, die zeigen, wie seine gestohlenen Radsätze im Internet zum Verkauf angeboten werden. Seit drei Wochen hofft er, dass die Polizei handelt.
Aufpoliertes Diebesgut: Autohändler Daniel Henning hat die Bilder ausgedruckt, die zeigen, wie seine gestohlenen Radsätze im Internet zum Verkauf angeboten werden. Seit drei Wochen hofft er, dass die Polizei handelt. © Foto: MZV
Markus Kluge / 02.04.2013, 20:51 Uhr
Neuruppin (RA) "Verfahren eingestellt" - Autohändler Daniel Henning befürchtet schon das Schlimmste. Vor drei Wochen sind ihm Räder und Reifen im Wert von 15000 Euro gestohlen worden, die nun in Polen zum Verkauf angeboten werden. Obwohl der Anbieter bekannt ist, dauern die Ermittlungen an.

Dass Henning jemals ein Rad, das aus seinem Lager stammt, wiedersieht, daran glaubt er fast nicht mehr. "Dabei habe ich der Polizei die Beweise auf dem Silbertablett serviert. Was soll ich denn noch machen?", fragt sich der 42-Jährige, der am Neuruppiner Babimost-Ring Fahrzeuge verkauft.

In der Nacht zum 12. März haben die Täter zugeschlagen. Sie kletterten offenbar auf der Rückseite seines Grundstücks über den Zaun und brachen einen Container auf, in dem der 42-Jährige Reifen und Räder lagerte. Gestohlen wurden nicht irgendwelche Räder. Unter anderem nahmen die Täter Radsätze für hochwertige Fahrzeuge mit. Darunter welche für einen 7er BMW und einen BMW X5. Diese Radsätze schlagen locker mit mehreren tausend Euro zu Buche und werden auch nicht häufig verkauft.

Umso überraschter war Daniel Henning, als die ersten Radsätze nur drei Tage nach dem Einbruch im Internet auf der polnischen Auktionsplattform allegro.pl zum Verkauf angeboten wurden. Obwohl Räder und Reifen keine Seriennummer wie ein Auto haben, hat Henning sie sofort wieder erkannt. "Die Reifen lassen sich eindeutig identifizieren. Diese Felgen mit den speziellen Decken und die Profiltiefe - das ist wie ein Fingerabdruck", sagt der Autohändler. Zu manchen Radsätzen hat Henning noch das passende Ersatzrad. Andere können von ihren Eigentümern, die ihre Räder nur bei ihm eingelagert waren, identifiziert werden.

Nach der Anzeige wegen Einbruchs bei der Polizei konnte Henning den Anbieter und damit den mutmaßlichen Dieb oder Hehler mit Name, Anschrift und Telefonnummer frei Haus liefern. Nicht nur in Neuruppin, sondern auch gleich in Frankfurt/Oder meldete er am 15.März, dass das Diebesgut nun zum Verkauf angeboten wird - in der Hoffnung, dass die Polizei schnell reagiert. Doch die Räder vom Babimost-Ring werden bis heute online angeboten und Henning kann nur am Bildschirm verfolgen, wie die Räder offenbar nach und nach verkauft werden und aus dem Netz verschwinden.

Mit der für ihn scheinbar langsamen Arbeit der Ermittler in diesem Fall ist Henning überhaupt nicht zufrieden. Schon bei der Spurensicherung hat es nach der Meinung des Autohändlers gehapert. Die Spuren im Schnee, in dem Reifen- und Fußabdrücke zu sehen gewesen sein sollen, hätten die Beamten nicht interessiert. Stattdessen sollen nur zwei abgebrochene Schraubenzieher sichergestellt worden sein. Zudem habe er am 21. März sieben Mal versucht, die Polizei in Neuruppin und in Frankfurt zu erreichen, um mitzuteilen, dass er weitere Eigentumsnachweise hat. Sieben Mal sei niemand ans Telefon gegangen. "Das ist schon sehr abenteuerlich", findet Henning, der seit dem 22.März nichts mehr von der Polizei gehört hat.

Weil er die Räder gerne zurück haben möchte, hat der Autohändler der Polizei vorgeschlagen, dass er die Räder über einen Mittelsmann zurückkauft. Denn günstiger bekomme er sie in Deutschland auf keinen Fall. Die Beamten hätten ihm das aber untersagt, mit dem Hinweis, dass er sich nicht in die Ermittlungen einmischen solle. Ihm sind damit die Hände gebunden.

Ob er unter diesen Vorzeichen bei einem erneuten Diebstahl wieder eine Anzeige erstatten würde, weiß Henning nicht. Von der Versicherung bekommt er in diesem Fall kein Geld zurück. "Wenn einem so etwas öfter passiert, sind die Policen nicht mehr bezahlbar", sagt der Autohändler, dem trotz Sicherheitsvorkehrungen von der Radkappe über die Standheizungen bis hin zum kompletten Auto so einiges gestohlen wurde. Außerdem kann jede Versicherung nach einem Schadensfall den Vertrag kündigen, sagte am Dienstag ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDW). Und wie bei der Kriminalpolizei ist auch den Versicherungen bekannt, dass es in Osteuropa einen wachsenden Markt für Autoteile gibt.

Dörte Röhrs, Sprecherin der Polizeidirektion Nord, sagte am Dienstag, dass die Polizei den Diebstahl der Radsätze bearbeitet und bereits das deutsch-polnisches Verbindungszentrum im Grenzort Swiecko darüber informiert hat. Dort arbeiten Bundespolizei, Landespolizei und Zoll sowie polnische Sicherheitsbehörden zusammen, um grenzüberschreitende Verbrechen aufzuklären. Zudem habe die Staatsanwaltschaft jetzt bei ihren Kollegen um Amtshilfe gebeten, um den Fall nun aufklären zu können.

Dass Daniel Henning als Opfer der Straftat selbst die Beamten auf die Internetplattform und den Verkauf aufmerksam machen musste, liege schlichtweg daran, dass die Polizei nicht über so viel Personal verfüge, dass sie jedes Internetportal überwachen können, so Röhrs. Und ob nach einem Einbruch, wie bei dem bei Daniel Henning, auch Spezialisten von der Kriminaltechnik zur Spurensicherung kommen müssen, darüber würden jeweils die Kollegen vor Ort entscheiden, die auch darüber zu befinden haben, was dokumentiert und sichergestellt wird.

Über die Zusammenarbeit mit der Polizei kann sich Alfred Kelch nicht beklagen. Kelch ist selbst Autohändler in der Nachbarschaft von Daniel Henning und gleichzeitig Obermeister der Kfz-Innung im Kreis. Aus seinem Autohaus seien im vorigen Jahr ebenfalls Räder gestohlen worden und im Herbst kamen Spiegel weg. "Das war schon ein doller Stress. Aber auf die Polizei konnten wir uns immer verlassen", so Alfred Kelch, dem auch keine anderen Fälle bisher bekannt sind. Der Diebstahl von Fahrzeugteilen sei aber spürbar gestiegen und jeder Autohändler sei gut beraten, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen, meint Kelch. Er habe für sein Unternehmen mittlerweile einen Wachschutz verpflichtet, der die Augen nach Langfingern offen hält und notfalls Alarm schlägt. Laut der Statistik der Polizei gab es 2012 im Bereich der Direktion Nord 1630Diebstähle aus Fahrzeugen und von Autoteilen, im Jahr zuvor waren es noch 1565. 380 Mal wurden Autos gestohlen oder es wurde zumindest versucht.

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