Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Stolpersteine für verfolgte und ermordete Juden verlegt / Initiator Erwin Donner nennt Aktion Anfang weiterer Recherchen

Gedenken an Grünheider Opfer des Nazi-Regimes

Erinnerung: Gunter Demnig verlegt in Grünheide Stolpersteine für Opfer des Nazi-Regimes. In der Löcknitzstraße 38 berichtete Initiator Erwin Donner (r.) von Max und Luise Jellinek
Erinnerung: Gunter Demnig verlegt in Grünheide Stolpersteine für Opfer des Nazi-Regimes. In der Löcknitzstraße 38 berichtete Initiator Erwin Donner (r.) von Max und Luise Jellinek © Foto: MOZ
Anke Beißer / 03.04.2013, 07:43 Uhr
Grünheide (MOZ) Frostige Temperaturen haben den Kölner Künstler Gunter Demnig am Dienstagnachmittag nicht davon abgehalten, in Grünheide an vier Stellen Stolpersteine zu verlegen. Zwei Dutzend Bürger verfolgten seine Aktion, mit der an von den Nazis vertriebene und getötete Grünheider erinnert wurde. Dass es dazu kommen konnte, ist eng mit zwei bei dem Thema außerordentlich engagierten Fangschleusern verbunden: das Rentnerehepaar Heidi (72) und Erwin Donner (75). Sie haben über Jahre unermüdlich Dokumente und Informationen gesammelt, um Licht in das auch für Grünheide dunkle Kapitel zu bringen. Während der Aktion, die er für sich als einen Anfang wertet, erinnerte Donner an die Schicksale, wobei er mit Rücksicht auf noch lebende Nachfahren auf Namen beteiligter Drangsalierer verzichtete.

Mit seiner Frau hat der Hobby-Historiker mehr als zehn Jahre die Gräber von nach 1945 in den Ort zurückgekehrten Juden - Familie Phillippson und Luise Jellinek - gepflegt. Damit nicht in Vergessenheit gerät, was jüdischen Mitbürgern Schlimmes widerfahren ist, haben die Zwei Archive durchforstet, Bücher gelesen, Nachbarn befragt. Im Vorjahr war die Recherche so weit gediehen, dass Donner die Verlegung der Stolpersteine anregte. Mit Pfarrer Steffen Madloch hat er die Vorarbeit dann weiter vorangetrieben, und Ordnungsamtsleiter Nico Bauermeister hat die Organisation seitens der Verwaltung übernommen.

Nun sind - dank Spenden in Höhe von gut 900 Euro - an vier Grünheider Adressen Messing-Steine verlegt. Sie erinnern an: Luise und Max Jellinek, die in der Löcknitzstraße 38 ihr Zuhause hatten. Das kinderlose Ehepaar war fast zu Tode geprügelt worden, floh in der Nacht zum 11. November 1938 durch den Wald zum Bahnhof Fangschleuse und weiter nach Berlin. Max starb 1943, Luise überlebte die Nazi-Zeit, kehrte nach Grünheide zurück und ist hier, auf dem Waldfriedhof, begraben.

Siegfried Phillippson - Arzt für Fußgelenk- und Beinleiden - wohnte mit seiner Frau Charlotte in der Altbuchhorster Straße 14. Die Familie wurde laut der Recherchen in der Reichspogromnacht in ihrem Haus überfallen. Das Paar floh daraufhin am 11. November 1938 aus Grünheide nach Berlin und von dort aus 1939 nach Schanghai. Dort wurden sie 1943 in ein Ghetto eingewiesen. Im August 1945 kamen die Phillippsons über ein Flüchtlingslager in Reinickendorf zurück nach Altbuchhorst. Auch sie sind in Grünheide begraben.

Weniger bekannt ist von den anderen vier Opfern, derer in Grünheide seit Dienstag mit Stolpersteinen gedacht wird. Gertrud Dymak wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, Cäcilie Becker nach Theresienstadt deportiert und am 26. September 1942 in Treblinka ermordet. Beide waren an der Luisenstraße 5 zu Hause. Im Waldeck 1 lebten Max und Minna Baude. Während er 1942 nach Theresienstadt deportiert und im Ghetto am 3. Februar 1943 gestorben ist, wurde sie aus Grünheide vertrieben und verstarb am 25. Juni 1942 in einem jüdischen Krankenhaus in Berlin - Todesursache unklar.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Buchhalter 27.05.2013 - 14:37:57

Stolpersteine

Ja, Arbeit gibt 's allerorts genug, Geschäftsideen zur Ortsverschönerung auch. Doch, wer soll das alles bezahlen, wenn das inflationäre Geld immer knapper wird ? Es reicht ja nicht mal mehr für mehr Bänke. Zum Ausruhen und verweilen müder Wanderer oder alter Leute.

Krankenschwester 27.05.2013 - 14:23:41

Stolpergefahr

Hallo "Brockenhexe", Blumenschalen auf dem Bürgersteig wären eine Stolpergefahr. Die Gemeinde sollte dann aber auch darüber nachdenken, ob nicht noch ein Schildermaler oder Schildergraveur auf diese Stolpergefahr hinweisen sollte; wenn die Schilder dann auch aus Messing sein sollten. :-)

? 04.04.2013 - 14:32:19

@Mamfred Rein

man kann auch übertreiben, mit industrie hat das nämlich absolut nichts zu tun!

Mamfred Rein 04.04.2013 - 13:28:22

Stolpersteinindustrie

Laut seiner Website beträgt die Wartezeit mittlerweile ein halbes Jahr, 120€ pro Stein plus Spesen, dazu noch 200€ Vortragshonorar. Scheint mittlerweile auch ein ganz einträgliches Geschäftsmodell geworden zu sein.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG