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Die Matthes GbR baut neben der Hackfrucht auch Getreide und Raps an

Kartoffelzeit in Blumberg

An der Maschine: Lars Seidel nimmt den Kartoffelsack vom Band, Chef Herbert Matthes kontrolliert die Anlage.
An der Maschine: Lars Seidel nimmt den Kartoffelsack vom Band, Chef Herbert Matthes kontrolliert die Anlage. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Kai-Uwe Krakau / 25.09.2014, 03:45 Uhr
Blumberg (MOZ) Etwa 1800 Hektar bewirtschaftet die Matthes GbR rund um Blumberg. In diesen Herbstwochen dreht sich vor allem viel um die Kartoffel.

In der großen Halle rollen die Erdäpfel über das Band, am Ende stehen die automatische Waage und die Absackmaschine. Lars Seidel muss nur noch den Sack nehmen und ihn auf eine Palette legen. "Die Technik erleichtert schon die Arbeit", sagt Herbert Matthes, der Chef.

Die Kartoffel ist dabei nicht die Hauptfrucht des landwirtschaftlichen Betriebes. "Vor einigen Jahren hatten wir die Hackfrucht noch auf mehr als 50 Hektar angebaut", berichtet Matthes. Inzwischen seien es nur noch zehn bis zwölf Hektar. Die Nachfrage sei rückläufig, so der Landwirt. Die Verbraucher kellerten, anders als früher, kaum noch Kartoffeln ein. "Dafür sind dunkle Räume und eine Temperatur von sechs Grad erforderlich", so Matthes. Entsprechende Möglichkeiten seien heute nicht immer vorhanden.

Als weiteren Grund nennt der Unternehmer den großen Arbeitsaufwand, den die Kartoffel erfordert. "In unserer Region gibt es auf den Ackerflächen viele Steine", so Matthes. Mit Maschinen könne man da nur wenig ausrichten, viel Handarbeit sei nötig. In den traditionellen Anbaugebieten wie Rheinland-Pfalz und der Lüneburger Heide hätten es die Landwirte einfacher. "Es ist viel preiswerter, die Kartoffeln von dort zu transportieren als sie hier anzubauen", so die Erfahrung von Matthes.

Trotzdem schwören auch weiterhin viele Kunden auf die einheimischen Erdäpfel. "Die haben ein ganz eigenes Aroma, schmecken einfach besser", weiß der Landwirt. Das bestätigt auch Franz Berger, der im Hofladen ein paar Kilogramm kauft. "Ich komme öfter her, die Qualität ist gut", so der Ahrensfelder.

Früher war die Sorte "Adretta" besonders gefragt. Sie ist zwar noch auf dem Markt, bringt inzwischen aber nicht mehr die Erträge. Ihr "Nachfolger" ist die "Afra". Sie ist mehlig kochend, hat einen kräftigen Geschmack und eignet sich besonders für Püree und Kartoffelknödel. Zwischen Bernau und Blumberg baut der Landwirtschaftsbetrieb aber auch die Karlena an (ebenfalls mehlig kochend) und die rotschalige Laura (festkochend).

Damit die Früchte gut wachsen und einen ordentlichen Ertrag bringen, haben Herbert Matthes und sein Bruder Reiner auch in moderne Technik investiert. Eine Beregnungsanlage sorgt seit einigen Jahren, falls Petrus nicht willig ist, für das notwendige Wasser.

Den Landwirtschaftsbetrieb gibt es in Blumberg übrigens schon seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals wurde er von Adolf Ebel, dem Großvater von Herbert Matthes, gegründet. In der DDR gehörten die Flächen dann zu einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG).

Herbert Matthes wurde in Berlin geboren. Im Jahr 1953 zog er mit den Eltern nach Westdeutschland. Dort lernte und arbeitete er in der Landwirtschaft. Die politische Wende eröffnete schließlich neue Möglichkeiten. Der Betrieb in dem heutigen Ahrensfelder Ortsteil wurde an die Mutter von Reiner und Herbert Matthes rückübertragen.

1991 erfolgte schließlich die Gründung der GbR, ein Jahr später konnte die erste Ernte eingefahren werden. "Wir hatten damals auf 100 Hektar Getreide angebaut", erinnert sich Matthes. In den folgenden Jahren konnten immer mehr Flächen zugekauft beziehungsweise gepachtet werden. Der elterliche Hof erwies sich bald als zu klein. Vor 14 Jahren ergab sich dann die Möglichkeit, ein Kartoffellagerhaus aus der Liquidation heraus zu kaufen. Seitdem ist das Unternehmen am heutigen Standort an der Freienwalder Chaussee 16 ansässig.

"In den Hallen lagern wir heute vor allem Getreide und Raps", erzählt Matthes. Dadurch versuche man, unternehmerisch durchaus sinnvoll, den Preisschwankungen zu begegnen. "Ist die Ernte gut, gehen die Erlöse runter", beschreibt der Landwirt das Dilemma. Getreide werde inzwischen auf rund 1200 Hektar angebaut, die Hauptarten sind Weizen, Gerste und Roggen. Raps, er dient zur Ölgewinnung und als Energiepflanze, wächst auf etwa 600 Hektar.

Acht Mitarbeiter hat der Betrieb, ein Auszubildender erlernt den Beruf einer Fachkraft für Agrarservice. Während sich Herbert Matthes um die Produktionsabläufe kümmert, ist sein Bruder Reiner vor allem für die kaufmännischen Arbeiten verantwortlich. "Eine gute Aufteilung", findet Matthes.

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