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Primel-Stau in Barnimer Gärtnereien

Es wird zusammengerückt: Isolde Nieseck (l.) und Annett Schmidt kümmern sich in der Biesenthaler Gärtnerei Schmidt um Primeln. In den Gewächshäusern muss für die nachrückenden Sommerblumen Platz geschaffen werden.
Es wird zusammengerückt: Isolde Nieseck (l.) und Annett Schmidt kümmern sich in der Biesenthaler Gärtnerei Schmidt um Primeln. In den Gewächshäusern muss für die nachrückenden Sommerblumen Platz geschaffen werden. © Foto: moz
Ellen Werner / 07.04.2013, 18:26 Uhr - Aktualisiert 08.04.2013, 08:11
und Olav SchröderBernau (MOZ) Das frostige Wetter in den zurückliegenden Wochen stellt Gärtnereien in der Region vor große Probleme. Frühblüher wurden kaum verkauft, verursachten dagegen Kosten für Energie. Einige Betriebe mussten Teile ihrer Bestände vernichten, da sie den Platz für die nachwachsenden Sommerpflanzen benötigen.

Ein Blick in die Augen seiner Kunden reicht Gärtnermeister Christian Schmidt aus Biesenthal: "Die Leute wollen kaufen. Sie sind begierig darauf, im Garten wieder aktiv zu werden", sagt er. Erhard Schlestein von der gleichnamigen Gärtnerei in Basdorf teilt diese Erfahrung: "Es kribbelt allen in den Fingern." Und er fügt hinzu: "Ich habe so eine Situation in mehr als 40 Jahren nicht erlebt. Spätfrost kann immer mal vorkommen, das ist überhaupt nichts Ungewöhnliches." Doch auch er muss feststellen: Der Frost der letzten Wochen machte es unmöglich, die Pflanzen in die Erde zu bringen. Frühblüher waren deshalb so gut wie unverkäuflich.

Es sind nicht nur Haus- und Gartenbesitzer, die nach den Erfahrungen der Gärtner auf die farbenfrohen Pflanzen verzichten mussten. Auch auf Friedhöfen dienen die Frühblüher als erster Blumengruß im Jahr. Doch selbst die Bepflanzung der Grabstellen musste bislang zumindest verschoben werden.

Es ist eine "Katastrophe" sagt Erhard Schlestein. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht leiden die Betriebe. Denn: "Jede Nacht kostet zusätzliches Geld für Energie." Christian Schmidt kann dies nur bestätigen. Während die Einnahmen aus dem Verkauf ausbleiben, steigen die Heizkosten. Und angesichts der geringen Sonnenstunden müsste eigentlich nicht nur bei der Wärme nachgeholfen werden. "Es fehlt auch Licht", sagt er. Technisch sei die Beleuchtung der Pflanzen kein Problem, finanziell sei das aber nicht zu machen, zumal Gärtnereibetriebe mit ihrer Produktion in Vorleistung gehen und somit zunächst nur Ausgaben haben.

Die Basdorfer Gärtnerei hat aus der Kältenot zumindest eine kleine Tugend gemacht. Sie schmückte einen Schneemann mit winterharten Fuchsien, um zu demonstrieren, dass zumindest einige Fuchsienarten Frost aushalten können.

Viele Betriebe haben in dieser Situation die Notbremse gezogen. Sie mussten ihre Primeln, Stiefmütterchen und Hyazinthen vernichten. Notgedrungen, denn sie blockieren den Platz für die Sommerpflanzen, wie zum Beispiel die Geranien, die jetzt herangezogen werden. Verluste hat so auch die Gartenbauabteilung der Bildungseinrichtung Buckow zu beklagen. "Normalerweise verkaufen wir die Primeln ab Anfang Februar", sagt Ausbilderin Gudrun Lummert. "Im vorigen Jahr haben sie gar nicht ausgereicht." In diesem Endlos-Winter dagegen sind noch 50 Prozent der Frühblüh-Klassiker da. "Aber sie sind nicht mehr verkaufsfähig", bedauert die Gartenbau-Mitarbeiterin. Die Primeln sind schlicht verwelkt. "Wir orientieren jetzt auf Stiefmütterchen und Hornveilchen", sagt Gudrun Lummert.

Doch auch um diese Frühblüher ist ihr langsam bange. "An jedem Tag ohne Frost stellen wir die Pflanzen raus, um die Kunden anzulocken. Aber es werden nur mal ein, zwei Pflanzen gekauft." Der gemeinnützige Ausbildungsbetrieb betreibt einen Hofladen. Anders sieht es dort immerhin mit Freesien und Radieschen aus. "Die gehen trotzdem. Darauf wartet der Kunde ja."

Manuel Hahn, der eine Gärtnerei in Finowfurt betreibt, trifft die Kälte nicht ganz so hart. "Primeln beziehen wir inzwischen vom Großhandel - eben weil es so oft diese Probleme mit dem Wetter gibt", sagt er. Hahn, bei dem zur Zeit etwa 8000 Stiefmütterchen im Zelt stehen, die überwiegend auf dem Friedhof gepflanzt werden, hat dennoch eine Befürchtung: "Uns rennt die Zeit davon." Kommt der Frühling, sei er kurz." Manche Kunden sparen dann vielleicht eine Grabbepflanzung und gehen gleich zum Sommer über.

Sowohl die Biesenthaler als auch die Basdorfer Gärtnerei haben dagegen alle möglichen Platzreserven mobilisiert, um die Frühblüher doch noch an Mann und Frau zu bringen. "Alle Gänge und Regale stehen voll", sagt Erhard Schlestein. Ebenso wie Christian Schmidt setzt er darauf, dass sich jetzt endlich die Plusgrade durchsetzen. "Wenn es jetzt lost geht", ist er sich sicher, "dann sind innerhalb weniger Tage die Regale leer." Die Menschen würden die Pflanzen ja schon seit langem am liebsten in ihren Gärten sehen und die Natur stecke solch eine Verzögerung "locker weg". Die Strategie, die Pflanzen zu halten, habe sich dann zumindest etwas ausgezahlt.

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