Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Neuorganisation im Jugendamt der Kreisverwaltung trifft auf Protest bei Betroffenen / Landrat soll helfen

Aufstand der Pflegeeltern

Oliver Schwers / 11.04.2013, 07:34 Uhr
Prenzlau (os) Pflegeeltern aus der gesamten Uckermark sind in Aufregung. Sie befürchten eine schlechtere Betreuung durch das Jugendamt. Ursache ist eine Umstrukturierung in der Behörde. Der Jugendhilfeausschuss des Kreistages ist ratlos und wendet sich nun an den Landrat.

Einen offenen Brief haben Pflegeeltern des Landkreises an den Landrat und den Kreistagsvorsitzenden geschickt. Darin äußern sie ihre Sorge über die Auflösung des Pflegekinderdienstes im Jugendamt. Ihre größte Befürchtung: Ein Qualitätsverlust, fehlende Ansprechpartner im Krisenfall, Fehlentscheidungen.

Tatsächlich wird das Jugendamt gerade umstrukturiert. Die sogenannten Spezialdienste entfallen künftig. Dafür wird die Arbeit auf eine größere Zahl von Mitarbeitern verteilt. Die Neuorganisation ist nach Angaben von Behördenchef Matthias Genschow durch Überlastung der betroffenen Kollegen notwendig geworden. So hätte sich die Zahl der gemeldeten Kindswohlgefährdungen fast verdoppelt. Mehr als 400 liegen auf dem Tisch des Jugendamtes. Genschow spricht von "unangemessenen Bearbeitungszeiten" und von "Belastungsanzeigen" der Mitarbeiter. "Brandstellenbekämpfung" sei an der Tagesordnung gewesen.

Um eine Entlastung herbeizuführen und die Gesundheit der Mitarbeiter sowie deren psychische Stabilität zu schonen, sei mit der Neuorganisation im Jugendamt begonnen worden. Statt der bisher über 40 Fälle pro Person würden nun nur noch knapp 32 auftreten. Eine Steuerungsgruppe wurde eingerichtet. Die neue Struktur soll nach einer Übergangsphase bis zum 31. August aufgebaut sein.

Doch die betroffenen Pflegeeltern sind da ganz anderer Meinung. Sie nehmen im Auftrag des Jugendamtes Kinder auf, wenn die aus verschiedensten Gründen nicht mehr in der eigenen Familie leben können. Bei ersatzloser Auflösung des Pflegekinderdienstes würden Pflegefamilien im eventuellen Krisenfall keinen zuständigen Ansprechpartner im Jugendamt finden, der mit der spezifischen Geschichte des Einzelfalles vertraut ist. Eine Entspezialisierung würde einen Qualitätsverlust nach sich ziehen, so die Befürchtung der Pflegefamilien. Sie fordern die Beibehaltung des Fachdienstes.

Auch die Mitglieder im Jugendhilfeausschuss sind angesichts der anhaltenden Diskussion und des zahlreichen Erscheinens von Pflegeeltern im Kreistag verunsichert. Die Uckermark sei der einzige Landkreis in Brandenburg mit einer solchen Regelung, informiert die CDU-Kreistagsabgeordnete Sylvia Steinhauser. Dass damit eine Qualitätsverbesserung eintrete, könne sie nicht erkennen.

Inzwischen haben Pflegeeltern sogar angedroht, ihre Tätigkeit angesichts der Situation aufgeben zu wollen. Und das bei wachsendem Bedarf an solchen Stellen.

"Mit nur zwei Mitarbeitern im Spezialdienst konnten wir aber so nicht weitermachen", verteidigt der Landratsbeigeordnete Frank Fillbrunn (FDP) die Neuregelung. Außerdem würde Fachkompetenz ja nicht verloren gehen, sondern weiter im Amt bleiben.

Allerdings bleibt das Jugendamt die Frage schuldig, wie die Fallzahlen pro Person sinken, wenn gar keine neuen Mitarbeiter eingestellt werden. Denn auch die bisher damit nicht beschäftigten Kollegen hatten immerhin andere Aufgaben zu erledigen.

"Enttäuscht von der Verwaltung" stellte nun der Abgeordnete Gernot Schwill den Antrag, den Landrat mit der Sache zu beauftragen und eine Lösung herbeizuführen. Schließlich einigte sich der Jugendhilfeausschuss darauf, mit einer kleinen Abordnung unter Leitung von Henryk Wichmann (CDU) und dem Landrat nach einem Ausweg aus der Situation zu suchen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
CourageGegenRechts 12.04.2013 - 14:21:22

kritische Kommentare unerwünscht - Zensur wie in "historischen" Zeiten

Dass Sie meinen Kommentar, der sachlich belegt und nachweisbar ist, hier gelöscht haben, lässt zum einen den Verdacht medialer Propagada aufkommen und zum Anderen, dass Sie nicht kritikfähig sind. Damit ist ihr Artikel durch Sie selbst hinreichend diskreditiert. Bürger mit Herz und Verstand begeben sich sicher nicht auf so ein Niveau.

pusteblume 12.04.2013 - 09:38:15

naja, es wird wohl solche und solche geben...

manch ein kind wird auch heil froh sein, aus dem desaströsen familiären umfeld raus zu sein, in das es geboren wurde. das kann man so nicht generell verteufeln. das da auch schindluder getrieben wird kann ich mir gut vorstellen, es wird aber wohl die ausnahme sein. das sie (pusbatzkis) in ihrem konkreten fall andere erfahrungen gemacht haben ist bedauerlich, aber ich kenne ihre geschichte ja nicht und kann mir von daher auch kein urteil anmaßen. ich finde ihre art der pauschalisierung und unterstellung zumindest etwas unangemessen. was die struktuveränderungen im jugendamt angeht, naja. der herr genschow hätte sich mal stark machen und für mehr mitarbeiter kämpfen sollen. was vermutlich jedoch nicht zu seinen vordersten talenten zählt, sonst wäre er wohl auch nicht in diese position geraten. da waren vermutlich andere qualitäten erforderlich. wer will schon einen jugendamtsleiter in seinen reihen wissen, der sich gegen massive sparzwänge konsequent zur wehr setzt...

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG