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Der Aufstand vom 17. Juni 1953 als Comic

Genau bis ins Detail: Kitty Kahane und Tim Köhler recherchierten über Monate, damit jede Einzelheit in Bild und Text der damaligen Zeit entspricht.Foto: Roland Becker
Genau bis ins Detail: Kitty Kahane und Tim Köhler recherchierten über Monate, damit jede Einzelheit in Bild und Text der damaligen Zeit entspricht.Foto: Roland Becker © Foto: MZV/rol
Roland Becker / 16.04.2013, 17:48 Uhr
Hennigsdorf (rol) Wer an Comics denkt, dem geistern Asterix und Obelix, Tim und Struppi oder auch Batman durch den Kopf - allesamt Fantasiegestalten, die auf leichte Art unterhalten. Ist es da vorstellbar, in einem Comic ein ernstes Thema aufzugreifen und diesen in Hennigsdorf spielen zu lassen? 112 Seiten beweisen, dass das nicht nur vorstellbar, sondern auch umsetzbar ist.

Mit der ab Mai als Buch und PDF-Datei im Internet erhältlichen Bildergeschichte "17. Juni - Die Geschichte von Armin und Eva" wollen das Autorentrio Tim Köhler, Alexander Lahl und Max Mönch sowie die Zeichnerin Kitty Kahane auch junge Menschen für den DDR-Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 interessieren. Dabei greifen die Autoren der Graphic Novel - so der neudeutsche Begriff für Comic - auf eine bei Fernsehfilmen erfolgreiche Masche zurück. Historisch belegte Ereignisse werden mit einer fiktiven Liebesgeschichte kombiniert. In diesem Fall bietet der Marsch der Tausenden, der sich am 17. Juni von Hennigsdorf nach Berlin zog, die geschichtliche Komponente. Nicht belegt ist hingegen die junge Liebe zwischen der Westberlinerin Eva und dem Hennigsdorfer Armin. Natürlich hätte es sie geben können. Es ist gut vorstellbar, dass sich zwei Menschen nach dem Volksaufstand aus den Augen verloren, weil einer von beiden in den Mühlen der damals stalinistisch geprägten DDR-Justiz und später in einem sowjetischen Arbeitslager verschwand. Im Comic macht sich Eva nach der Revolution von 1989 daran, nach Spuren ihrer Jugendliebe zu suchen.

Spurensuche war es auch, die die Macher der Graphic Novel über Monate beschäftigte. Wie sahen die Panzer aus? Was trugen die Menschen? Welche Werbung gab es? Sogar das Aussehen der Hennigsdorfer Telefonzellen wurde recherchiert, um ein detailgetreues Bild jener Zeit schreiben und zeichnen zu können.

Auf der Suche nach Fotos vom damaligen Stahlwerk kamen die Autoren auch ins Hennigsdorfer Stadtarchiv. Im Rathaus wurde schnell die Chance erkannt, mit diesem Projekt ein Stück Stadtgeschichte deutschlandweit publik machen zu können. Eigentlich sollte der Comic im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung nur fürs Internet produziert werden. Eine städtische Finanzspritze von 6 000 Euro sorgt nun dafür, dass die Story von Armin und Eva und damit auch ein Stück Hennigsdorfer Geschichte am 7. Mai in eine Druckerei geschickt wird und wenig später in einer Auflage von 3 000 Exemplaren in einem zur Aufbau-Gruppe gehörenden Verlag als Buch erscheint.

Tausenden Unbekannten, die am 17. Juni 1953 Mut bewiesen, wird damit ein Denkmal gesetzt. Im Comic sagt ein Arbeiter rückblickend: "Wir fühlten uns stark, weil wir viele waren." Sie waren es für wenige Stunden - bis sowjetische Panzer den Aufstand niederschlugen.

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