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Oberhavel demonstriert Zivilcourage bei der "Langen Nacht für Toleranz"

Werben für Toleranz: Die Flagge "Wir für Demokratie" wurde Dienstagmittag vor dem Landratsamt gehisst.
Werben für Toleranz: Die Flagge "Wir für Demokratie" wurde Dienstagmittag vor dem Landratsamt gehisst. © Foto: MZV
Anja Hamm / 16.04.2013, 20:26 Uhr
Oranienburg (MZV) Mit offenen Augen durch die Welt gehen, nicht weggucken und die eigene Meinung sagen - so funktioniert Zivilcourage, erklären Jugendliche bei der "Langen Nacht für Toleranz" am Dienstag in Oranienburg.

Dicht an dicht sitzt die Aktivgruppe gegen Rassismus und Diskriminierung hinter ihrem Stand in der Nicolaikirche. Die Jugendlichen treten an ihrer Schule, dem Runge-Gymnasium, gegen Homophobie und Intoleranz ein. "Nur wenn man sich engagiert, kann man Veränderungen schaffen", sagt Clara Pioch, eines der fünf Mitglieder. Sie wollen ihre Mitschüler sensibilisieren, zum Beispiel darin, dass das in der Schule meistgenutzte Schimpfwort "schwul" diskriminierend ist. "Das ist vielen gar nicht bewusst", erklärt Justus Henze.

Zuletzt aber rief die Schulhof-CD-Aktion der NPD vor den Schultoren die Gruppe auf den Plan. Um ihren Sorgen um die zunehmenden Aktionen von Neonazis in Oberhavel zu begegnen, engagieren sie sich in der Gruppe, berichtet Josephine Bär.

Die Entwicklungen in der rechtsextremen Partei NDP beobachtet die Organisation Antifa mit Sorge. 400 Neonazis zählt die Antifa in Oberhavel, bis zu 50 Personen sollen der NPD und deren Umfeld angehören. Nach Antifa-Angaben ist kürzlich die Jugendorganisation Junge Nationale (JN) in die NDP übergegangen. Ehemalige Oberhaveler Vorstandsmitglieder seien nun auf Landesebene aktiv. Die NDP nutze Oberhavel als Operationsraum.

Gleichzeitig sieht die Antifa aber "die zivilgesellschaftliche Seite gut und dicht aufgestellt". Allerdings müssten Bündnisse stärker kooperieren, denn die Neonazis sind nicht über Gemeindegrenzen hinweg und auch "überregional aktiv".

Viele langjährige, aber auch weniger bekannte zivilgesellschaftliche Initiativen präsentieren sich bei der Langen Nacht für Toleranz, um sich einander vorzustellen und die Öffentlichkeit zu informieren. Die Veltener Initiativgruppe und das Oranienburger Forum gegen Gewalt und Rassismus sind gekommen, der Kreisjugendring, H.A.L.T. Hennigsdorf, die Jüdische Gemeinde, der Jugendmigrationsdienst, Schul-AGs und viele mehr. In den vergangenen drei Jahren haben sie alle Projekte für Toleranz organisiert, die durch das Bundesprogramm Lokaler Aktionsplan (LAP) unterstützt wurden. 2013 endet es. Kämpften die Koordinatoren einst mit Anlaufschwierigkeiten, sind im laufenden letzten Jahr bereits jetzt die vorhandenen 80000 Euro an Projekte vergeben. 40000 Euro kann künftig der Kreis allein stemmen, versichert Karsten Peter Schröder (SPD), der im LAP-Begleitausschuss sitzt. Projekte, die langfristige Strukturen schaffen, sollen so weiter gefördert werden.

Wie bedeutsam Stetigkeit im Kampf gegen Rechts ist, betont Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) bei der Langen Nacht. "Es ist wichtig, dass wir am Thema dranbleiben. Das ist keine Aufgabe, die man mit einem Mal erledigt", sagt er. Ziehe man sich zurück, entstehe ein Vakuum, das andere auffüllen. "Nie im Leben", glaubt er, reiche der derzeitige Einsatz aus. Vielmehr müssten neue Formen des Engagements gefunden werden, um noch mehr Menschen dafür zu begeistern.

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