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Viele Ostdeutsche leben mit Doppelidentität

Dokumentationszentrum für DDR-Alltagskultur in Eisenhüttenstadt zeigt, wie DDR-Bürger lebten.
Dokumentationszentrum für DDR-Alltagskultur in Eisenhüttenstadt zeigt, wie DDR-Bürger lebten. © Foto: dapd
André Bochow / 17.04.2013, 22:53 Uhr - Aktualisiert 17.04.2013, 19:59
Potsdam (MOZ) Die meisten Ostdeutschen fühlen sich auch 23 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung noch halb als DDR-Bürger und halb als Bundesbürger. Das geht aus den aktuellen Erhebungen der 1987 begonnenen Sächsischen Längsschnittstudie hervor.

Mit ihrer Doppelidentität leben die Befragten seit Beginn der 90er-Jahre, heißt es in der Untersuchung. Die Nachwirkungen der DDR-Sozialisation seien erheblich. Gleichzeitig zeigen sich unter den 300 bis 400 Studienteilnehmern des Jahrgangs 1973 hohe Zustimmungswerte zur deutschen Einheit. Sie liegen bei fast 90 Prozent. Große Kritik gibt es am politischen System und an der Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik. Seit dem Ende der DDR liegen hier die Zustimmungswerte unter 50 Prozent. Allerdings wächst die Zufriedenheit seit dem Jahr 2005.

Das sind einige der Ergebnisse der gerade veröffentlichten 26. Erhebung der Sächsischen Längsschnittstudie. Die vom damaligen Zentralinstitut für Jugendforschung in Leipzig gestartete Befragung Jugendlicher fand nach 1990 seine Fortsetzung und wird unter der Leitung von Peter Förster durch die Universitäten Dresden und Leipzig gefördert.

Unterstützt wurde das Projekt unter anderem von der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Hans-Böckler-Stiftung und seit 2001 von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Mit deren Unterstützung wurden auch die gesammelten Forschungsergebnisse aus 25 Jahren unter dem Titel "Innenansichten der Transformation" veröffentlicht.

Neben den politischen Einstellungen gehören zu den Forschungsschwerpunkten der Langzeitstudie die Themen Gesundheit, Partnerschaft und Familiengründung. Unter anderem stellte sich heraus, dass die befragten ostdeutschen Frauen mehr Kinder zur Welt brachten als westdeutsche Frauen des Jahrgangs 1973. Gleichzeitig beharrten die Befragungsteilnehmerinnen auf der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Für die Leiterin der Luxemburg-Stiftung Dagmar Enkelmann (Linke) ist diese Erkenntnis ein Beweis dafür, wie bestimmte Familienkonstellationen bis heute nachwirken. "Diese Frauen", sagt Enkelmann, "haben erlebt, dass ihre Mütter und Großmütter ganz selbstverständlich berufstätig waren." Diese Selbstverständlichkeit forderten die in der DDR sozialisierten Frauen weiterhin ein.

Der Leiter der Langzeitstudie, Peter Förster, verweist darauf, dass das Thema Arbeitslosigkeit inzwischen zentral für die Wissenschaftler geworden ist. 72 Prozent der Teilnehmer waren mindestens einmal seit 1989 arbeitslos. Als politisch "links" stuften sich weniger als ein Viertel der Befragten ein. Etwa zwei Drittel sind mit ihrer Lebenssituation zufrieden.

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Karl Sasse 18.04.2013 - 13:21:43

Sparen

Diese komische Hobbyforschung kann man sich und uns wirklich ersparen. Was sagt schon die Meinung von 400 Personen aus, die noch nicht mal eine statistisch relevante Stichprobe darstellen? Oder gar nicht in der Lage sind, das Leben in der DDR mit heute zu vergleichen? Übrigens: " Mit Arbeitslosigkeit und Hartz IV macht Demokratie nicht soviel Spaß“ sagte der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière und hatte wenigstens einmal im Leben Recht. Ansonsten fällt mir zu den blöden Sprüchen der Wessis - wie letztens zur Rentenerhöhung - schon lange nichts mehr ein. Ich meide diese ewig Gestrigen, wo ich kann.

Radfahrer 18.04.2013 - 13:08:07

Studie

Die Studie ist für mich weder Fisch noch Fleisch. Sicherlich konnten die Forscher 1987 nicht absehen, dass es 1990 zur Wiedervereinigung kommt. Da muss man sich aber die Frage stellen, welchen Sinn die Studie beim vergleichen der Lebensumstände und der Gesellschaftsformen macht, wenn man die Antworten 16jähriger von 1989 im Vergleich mit späteren Befragungen stellt. Wie verwurzelt waren die damals Befragten in und mit der DDR? Sie haben ihre Erfahrungen der Kindheit und frühen Jugend. Sie haben keine Erfahrungen im Arbeitsprozess in der DDR und auch keine eigenen familiären Erfahrungen in diesem Staat machen können. Sicherlich kann man seine Meinung kundtun, aber vergleichen kann man nur Erfahrungswerte.

Tja ... 18.04.2013 - 10:31:12

Ostgermanen

Deutsch ist nicht gleich deutsch, das wurde mir letztes Jahr so richtig bewußt, als ich mich für eine Haustür der Firma REKORD Fenster & Türen GmbH aus dem schleswig-holsteinischen Dägeling interessierte. Die Firma teilte mir unumwunden mit, daß man Ostdeutsche grundsätzlich nicht beliefere. Auf meine Frage nach dem Warum kam nur, daß das die Geschäftsleitung eben so entschieden habe.

Wolfgang 18.04.2013 - 10:04:11

Telefix1

Ich würde sie bitten meinen Kommentar zu lesen. Da habe ich das Wort Wertschätzung verwandt. Ansonsten gehe ich 100 Protzentig ihrer Meinung mit. Ich bin kein Fan der DDR gewesen aber langsam sollten wir uns daran gewöhnen das es ein Teil der Geschichte Deutschlands war. Aber eins ist mir Wichtig, der Mensch war Mensch gewesen. Die Gier nach Macht und Geld war nich so Stark ausgeprägt wie jetzt. Ein bischen mehr Wertscätzenden Umgangs miteinander würde auch unseren Gierigen Politikern gut stehen.

telefix1 18.04.2013 - 09:54:11

Häää?

Was interpretieren die Herren Vorkommentatoren denn aus dem Geschriebenen??? Aus dem Artikel geht doch nur hervor, dass es eine gewisse Identität der Ossies und eine gelebte Vergangenheit gibt, die zu allgemeiner Zufriedenheit unter Ausschluss der Arbeitslosigkeit führt. Kein Wort von Dummheit, mit Füßen getretener Heimatnähe, geringer Wertschätzung, Bilanzen oder Hierarchien. Dass es vereinzelt zu gewissen Irritationen ala Deichkinds Begegnung mit der dritten Art kommt, kann man doch verschmerzen, oder?

Querkopf 18.04.2013 - 00:07:53

Dschungelzuschlag

Ja für einige in den "alten Bundesländern" sind Ossis dumm. Weil sie sich diese Hierarchie haben überstülpen lassen und das auch noch freiwillig. Das in der BRD das Geld regiert war uns doch schon früher klar, Leib und Leben ist nur wichtig wenn man prominent oder Politiker ist.

Deichkind 17.04.2013 - 21:00:03

Das ist wohl wahr :)

... jedes Jahr während einer Wartung in der VolksRaiffeisenbank Din****** /Bayern erklärt mir die Angestellte im gepanzertem Schalterraum wie "dumm doch die Ostdeutschen" sind, grins - hab der eigentlich nur erzählt aus Berlin zu kommen (mein Dorf in Brandenburg nahe der Berliner Stadtgrenze kennt doch kein Mensch :) ... nun gut, so siehts sie also aus, die gelebte Einheit ...

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