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Protest gegen Löcknitz-Pläne

Malerische Löcknitz: Der 30 Kilometer lange Fluss speist sich aus Stöbberbach und Mühlenfließ. Er mündet in Erkner in den Flakensee
Malerische Löcknitz: Der 30 Kilometer lange Fluss speist sich aus Stöbberbach und Mühlenfließ. Er mündet in Erkner in den Flakensee © Foto: MOZ
Michael Gabel / 20.04.2013, 07:44 Uhr - Aktualisiert 20.04.2013, 15:15
Kagel (MOZ) Die Emotionen kochten hoch bei der Informationsveranstaltung zum Gewässerkonzept Löcknitz am Donnerstagabend im Bürgerhaus Kagel. Hauptstreitpunkt waren die nassen Landwirtschaftsflächen, von denen es nach Meinung vieler Besucher bei einer Verwirklichung der Pläne noch mehr geben würde.

Bei dieser zweiten Informationsveranstaltung zu dem Thema stellten das Landesumweltamt und die beauftragten Planungsbüros zunächst die Maßnahmen vor, mit denen die Löcknitz renaturiert werden soll. Genauer gesagt, geht es nur um den Oberlauf des 30 Kilometer langen Gewässers, also die Strecke südwestlich des Maxsees, und um die Zuflüsse Stöbberbach und Mühlenfließ. Denn der Mittelteil der Löcknitz ist laut Planer Matthias Pallasch in Ordnung, und ihr Unterlauf dient ohnehin vor allem als Wasserstraße.

Zugrunde liegen den Entwürfen die Vorgaben der EU-Wasserrichtlinie, die in den Mitgliedsstaaten Stück für Stück umgesetzt werden sollen. Allein in Brandenburg gibt es nach Angaben von Norbert Herrn vom Landesumweltamt 161 solcher Gewässer, für die derzeit Entwicklungskonzepte erarbeitet werden.

Um die Löcknitz und ihre Zuflüsse zu renaturieren, müssen nach Auffassung der Planungsbüros unter anderem die Flussbreiten vergrößert und die durch Aushub in den vergangenen Jahrzehnten vertiefte Bachbetten wieder erhöht werden. Durch in die Bäche gelegte Baumstämme könne zudem die Fließgeschwindigkeit verringert werden. Die gesamten Maßnahmen haben nach Darstellung der Planer die ökologisch erwünschte Folge, dass die Auen reaktiviert und sich auch in den Gewässern wieder mehr Kleinlebewesen ansiedeln würden.

Eine weitere Folge wäre, dass etliche Landwirtschaftsflächen der Verbreiterung zum Opfer fallen würden; Uli Christmann vom Büro "Landschaft planen und bauen" sprach von zusätzlich benötigten Uferstreifen von fünf Metern Breite. Außerdem - und das verschwieg er nicht - würden die bisher schon recht feuchten Agrarflächen an der Löcknitz und ihren Zuflüssen eher noch feuchter werden.

Vor allem an letzterem Punkt entzündete sich die Kritik eines Großteils der rund 50 Besucher. Die Interessen der Menschen, die in dem Gebiet leben, würden überhaupt nicht berücksichtigt, sagte ein verärgerter Zuhörer. Die "nasse Enteignung" werde mit solchen Konzepten fortgesetzt, hieß es in einem weiteren Kommentar. Fazit: Die von den Planern angestrebte Akzeptanz der Bevölkerung wurde bei der Veranstaltung in Kagel nicht erreicht.

Konkrete Maßnahmen können nach Angaben von Evelyn Wollmann vom Landesumweltministerium im Wesentlichen nur nach einem Genehmigungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Dies gilt jedoch nicht für Verwilderung, wenn etwa im Rahmen der Gewässerunterhaltung Pflegemaßnahmen unterbleiben.

Wie Planer Christmann auf MOZ-Nachfrage sagte, würde die Renaturierung der Löcknitz mit ihren Zuflüssen 17,5 Millionen Euro kosten. Geld, das nach Angaben von Christmann aber überhaupt nicht in Aussicht ist.

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L. H. 23.04.2013 - 13:58:20

Wiederholung der Dezemberveranstaltung ohne Konkretes

Es wurde nach der Information am 03. Dez. 2012 in der MOZ berichtet: „Dann könnten sie (das Ingenieurbüro) auch konkrete Maßnahmen für einzelne Seen und Flüsse vorstellen.“ (MOZ, 06.12.2012). Leider wurden, genau wie schon am 03. Dezember 2012, die möglichen Maßnahmen nur in ihrer Gesamtheit - einschließlich der billigsten, die Unterhaltung einfach zu unterlassen – benannt. Der örtliche Bezug, der Umfang, mögliche Konsequenzen für Besiedlung, Landwirtschaft, Tourismus, etc. fehlten fast vollständig. Es fehlten leider auch Maßnahmen, die gegen die überwiegend von den Landwirten angeprangerte vorherrschende Vernässung in den Flussniederungen und gegen die von mehreren Gemeindevertretern hinterfragte Gefährdung der Siedlungsfähigkeit anzuwenden wären. Das vorgestellte Konzept ist einseitig auf die Wiederherstellung von Moor- und Auenflächen (Vernässung) ausgerichtet. Es müsste doch möglich sein, bei normalen, jahreszeitlich bedingt unterschiedlichen Wasserständen der Fließgewässer eine zwischen dem LUGV, dem Landwirtschaftsamt, der Unteren Naturschutzbehörde, den Landwirten und Anwohnern koordinierte Bewirtschaftung und Pflege zur Erreichung der ökologischen und chemischen Ziele lt. WRRL hinzubekommen. Dies auch unter Beibehaltung der bisherigen historisch gewachsenen Nutzung und dem Schutz der Siedlungsgebiete. Jedenfalls erklärte der Präsident des LUGV, Prof. Freude, am 03. Mai 2011 einigen Mitstreitern der BI Müggelspree dies sei Aufgabe der Gewässerbewirtschaftung und -unterhaltung und wollte sich für Verbesserungen einsetzen. Man hatte leider den Eindruck nach einer solchen, trockenen und nassen Zuständen gerecht werdende Lösung, wurde in diesem GEK überhaupt nicht gesucht. Ziel des Auftrags scheint Vernässung der Flächen, egal was passiert. Abschließend ergibt sich für mich noch die Frage: Warum derart umfangreiche Vorarbeiten, die Steuergelder verschlingen und 161 – fach durchgeführt werden? Nach Aussage des Planers stehen die 17,5 Mio. zur Umsetzung an der Löcknitz ohnehin nicht zur Verfügung. Vielleicht wäre ja das Problem mit der den guten Zustand am Flakenfliess/-see beeinflussenden Industrieruine (Hinweis eines Besuchers) mit dem Honorar das für das GEK gezahlt wurde schon lösbar gewesen.

D. L. 21.04.2013 - 08:49:42

Vernässung ohne Ende

Auf dieser Veranstaltung hat sich wieder einmal gezeigt wie das LUGV versucht die Bürger hinters Licht zu führen. Am 06.12.12 hieß es noch von Herrn Nowack: Vielseitige Antworten wollen das Landesumweltamt und die beauftragten Ingenieurbüros jetzt in einer "Fein-Diskussion" finden und im Februar zum nächsten Gewässerforum einladen. Dann könnten sie auch konkrete Maßnahmen für einzelne Seen und Flüsse vorstellen. Die Löcknitz bleibt davon übrigens in jedem Fall ausgenommen. Dort ist alles okay . Heute heißt es: Konkrete Maßnahmen können nach Angaben von Evelyn Wollmann vom Landesumweltministerium im Wesentlichen nur nach einem Genehmigungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Dies gilt jedoch nicht für Verwilderung, wenn etwa im Rahmen der Gewässerunterhaltung Pflegemaßnahmen unterbleiben. Sieht man sich jedoch an was an Maßnahmen geplant ist, so betreffen diese in erster Linie Maßnahmen der Unterhaltung und Pflege der Gewässer (Flüsse und Grabensysteme) Man will diese anpassen und optimieren, keine Krautung , keine Grundräumung Fortschreitende Sohl u. Uferstrukturierung belassen und schützen, Böschungsmad optimieren. Legen wir die Erfahrungen der letzten 15 Jahre zugrunde, so sind das positive Umschreibungen für die Einstellung der Unterhaltung der Gewässer. Im Gegenteil, die Beiträge der Bürger für die Pflege und Unterhaltung sollen weiter zweckentfremdet für den Umbau der Gewässer eingesetzt werden.Planfeststellungsverfahren wird es nicht geben, das hat man an der Müggelspree gesehen, man wird weiter die Gesetze umgehen und beugen und alles im Rahmen der Unterhaltung durchführen, wobei die Beiträge der Bürger rechtswidrig als Cofinanzierung für Fördermittel eingesetzt werden. Eine andere Variante siehe Rigolen Spreewerder ist die der Wasser und Landschaftspflegeverband vergisst einfach die Prüfung und das Planfeststellungsverfahren zu beantragen, dann kann das LUGV und MUGV ja von nichts wissen, obwohl die dafür benötigten Mittel vom LUGV an den WBV gezahlt werden. Die Erfahrungen mit dem MUGV und LUGV haben uns gezeigt, das das LUGV die Wasserrahmenrichtlinie nur für eigene Zwecke der Vernässung missbraucht und die Bürger entweder überhaupt keine Informationen erhalten oder diese so versteckt sind dass man Spezialwissen braucht um Infos zu finden oder bewusste Verschleierung der Fakten oder irreführende Infos , die zu falschen Schlussfolgerungen führen müssen eingesetzt werden, damit man sich das Einverständnis der Bürger erschleicht und diese nichts gegen die Zerstörung ihres Eigentums und der Umwelt unternehmen könne. Da es jetzt konkrete Überlegungen gibt die Aufgaben des LUGV auf die Kommunen abzuwälzen, ist später auch keiner mehr da, der die Verantwortung übernehmen muss.

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