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Potsdamer Ausstellung zu einem Reizthema

Von Kuhkreuzungen und Brötchenkäfern

Rainer Ehrts „Rinderkreuzung“ist (noch) der Fantasie des Künstlers entsprungen.
Rainer Ehrts „Rinderkreuzung“ist (noch) der Fantasie des Künstlers entsprungen. © Foto: Potsdamer a|e GALERIE
Andreas Hergeth / 21.04.2013, 19:11 Uhr
Potsdam. Noch schwirren sie nicht um uns herum, die Fruchtfliegen. Mehr als 19000 Gene sind von ihnen erforscht. Viele davon ähneln unseren - so die Liebe zum Alkohol. Bernd A. Chmura hat diesen Umstand für einen Comic trefflich ausgenutzt, in dem er die Insekten vermenschlicht: Weil die Fruchtfliegen-Frau keine Lust auf Sex hat, ergibt sich der Fruchtfliegen-Mann dem Suff. Die Bildergeschichte des Eulenspiegel-Zeichners ist umwerfend komisch. Gegenwärtig ist sie Teil der Ausstellung "Genmais und anderes Geflügel" in der Potsdamer a|e Galerie.

An gentechnisch veränderten Pflanzen, Tieren und damit Lebensmitteln scheiden sich die Geister. Dementsprechend wird das Thema zum in der Tat reiz-vollen Sujet für Künstler.

Frauke Danzers "Chicken Design" ist eine Vision aus dem Horrorkabinett. Die Mischwesen der Berlinerin bestehen aus dem Rumpf toter Hähnchen. Kopf, Arme und Beine sind aus Kautschuk gegossen und sehen wie Puppenteile aus. Frankenstein lässt grüßen! Wobei: Schaut man länger, verlieren die Zwitterwesen ihren Schrecken. Das erschreckt.

Die Installation des Berliner Fotografen Hitch lehrt die Biertrinker das Grausen. Fotos aus einer Brauerei, wenn es denn eine ist, und Laborgefäße mit Biergranulat und Algenkonzentrat hinterlassen einen schalen Geschmack. Soll Bier nicht ein Naturprodukt sein? Mit Reinheitsgebot? Ach, hier geht's um Instantbier für den asiatischen Markt. Klingt wie erfunden, ist aber wahr. Hitch gelang es, in einer Firma eben diesen Forschungsprozess zu dokumentieren. Das ist kraftvolle Kunst, die ganz der Aufklärung verpflichtet ist.

Das lässt sich auch von den sinnfälligen Arbeiten Rainer Ehrts sagen. So eine "Rinderkreuzung/Turbokühe" gibt es zwar noch nicht, aber vorstellbar ist alles, denn vier Kuhhälften mit vier Eutern bilden ein lukratives Milch-Kreuz.

Um absurde Zuchtversuche geht es auch Ilka Raupach aus Caputh. Ihre "Schattenfrüchte" aus Porzellan sollen zwar Kartoffeln sein - warum aber wachsen ihnen kleine menschliche Ärmchen und Beinchen aus dem Leib? Die Auswüchse der Gen-Mafia sind ebenfalls Thema bei Renate Wiedemann. Die Berlinerin hat Pelzbirnen erfunden und neonfarbene Käfer, die nach einem angeblich für Menschen völlig "unbedenklichen Unfall" in einer Chemiefabrik munter mutierten - wie auch die "Brötchenkäfer" von Jan Beumelburg aus Brandenburg. Da kann einem der morgentliche Biss ins Brötchen schon mal im Halse stecken bleiben.

Bis 5. Mai, a|e Galerie, Potsdam, Hermann-Elflein-Str. 18, Luisenforum, Mi.-Fr. 15-19, Sa. 12-16 Uhr,

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