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Deutscher Maschinenbau fürchtet Folgen der Russland-Sanktionen

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dpa / 31.07.2014, 08:33 Uhr
Berlin (dpa) Vor allem im deutschen Maschinen- und Anlagenbau wächst die Sorge vor den Folgen der neuen Sanktionen gegen Russland. Der Maschinenbauverband VDMA sieht einen weiteren Einbruch voraus. Allein bis Mai hat es für die deutsche Schlüsselbranche einen Rückgang um 19,5 Prozent auf dem viertwichtigsten Exportmarkt gegeben. "Das dicke Ende kommt erst noch", sagte der VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, warnte erneut vor gravierenden Folgen der Sanktionen gegen Russland. Allein in Deutschland seien mindestens 25 000 Jobs in Gefahr.

Vor allem die Ausfuhrbeschränkungen im Hochtechnologiebereich würden den modernisierungsbedürftigen Industriesektor in Russland empfindlich treffen. "Im Gegenzug drohen der europäischen und vor allem deutschen Exportindustrie weitere Einbußen", erklärte Cordes.

Um Moskau zum Einlenken in der Ukraine-Krise zu zwingen, hat die EU ein Paket von Strafmaßnahmen beschlossen, die erstmals ganze Wirtschaftsbereiche betrifft, auch die USA weiteten ihre Sanktionen aus. Neben einem Handelsembargo für Rüstungsgüter sieht die EU ein Exportverbot für sowohl zivil als auch militärisch nutzbare Güter und Ausfuhrbeschränkungen von Spezialtechnik zur Ölförderung vor. Die Sanktionen erschweren zudem staatlich kontrollierten Banken den Zugang zum europäischen Finanzmarkt.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sagte: "Wir wissen, dass wir auch selber wirtschaftlich darunter leiden können." Bei Fragen von Krieg und Frieden dürfe es aber nicht um Wirtschaftspolitik gehen. "Wir dürfen nicht aus Angst vor wirtschaftlichen Folgen zulassen, dass auf diesem Kontinent Krieg und Bürgerkrieg immer größer werden."

Cordes sagte: "Die jetzt beschlossenen Wirtschaftssanktionen werden den negativen Trend in Russland, aber auch in der Ukraine noch weiter verschärfen." Nach Berechnungen des Ostausschusses fielen die deutschen Exporte nach Russland in den ersten fünf Monaten 2014 bereits um 15 Prozent oder umgerechnet 2,2 Milliarden Euro. Die Exporte in die Ukraine brachen zugleich um fast ein Drittel ein. Der deutschen Wirtschaft sei hier im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Exportvolumen von über 700 Millionen Euro verlorengegangen.

Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) dürften die deutschen Exporte nach Russland in diesem Jahr um mindestens 10 Prozent sinken. "Es könnte aber auch mehr werden", sagte der Referatsleiter Ost- und Südosteuropa beim DIHK, Tobias Baumann, der Nachrichtenagentur dpa.

Der Sprecher der deutsch-russischen Außenhandelskammer in Moskau, Jens Böhlmann, sagte am Mittwoch "Deutschlandradio Kultur", ob die Krise dazu führen werde, dass sich Moskau aus politischen Gründen Richtung China oder Asien wende, bleibe abzuwarten. "Der Druck, der in China entsteht in Richtung Wettbewerb, der ist schon lange da."

Böhlmann hält die finanzpolitischen Sanktionen gegen Russland für besonders schmerzhaft. Die großen staatlichen Banken in Russland finanzierten sich bisher vor allem über den US-amerikanischen oder den europäischen Kapitalmarkt. Würden sie vom Handel mit Wertpapieren oder Anlagen abgeschnitten, sei es schwierig, sich weiter zu finanzieren. Das werde vor allem Handelsgeschäfte oder die Exploration von Erdgasfeldern treffen.

Unmittelbar betroffen von der Ukraine-Krise ist HeidelbergCement. Vorstandschef Bernd Scheifele berichtete, ein Werk des Unternehmens befinde sich in der Ostukraine rund 30 Kilometer entfernt von der Absturzstelle von Flug MH17. Die Lage dort sei kritisch, "wo die ukrainische Artillerie bei uns im Steinbruch steht".

Die wirtschaftliche Talfahrt in Russland bekommt Lastwagenbauer MAN bereits zu spüren. Der Absatz sei dort deutlich zurückgegangen. Der Lkw-Zulieferer Schmitz Cargobull berichtete, der Absatz von Trailern aus dem russischen Werk habe sich nahezu halbiert.

Auch die Hafenwirtschaft ist besorgt: "Jede Sanktion, die mit dem Verbot des Exports oder Imports bestimmter Waren oder der Einschränkung des Wirtschaftsverkehrs insgesamt verbunden wäre, würde sich auch auf den Hamburger Hafen und den Seegüterumschlag im Russlandverkehr auswirken", sagte ein Sprecher des Hafens.

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