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Streit um Wasser für Schutzgebiet

Auf dem Bild ist der Laich von geschützten Fröschen zu erkennen, der momentan austrocknet.
Auf dem Bild ist der Laich von geschützten Fröschen zu erkennen, der momentan austrocknet. © Foto: Nabu
Henning Kraudzun / 26.04.2013, 20:24 Uhr
Rathenow (MOZ) Nicht nur im Oderbruch klagen Bürger über hohe Grundwasserstände, auch in Rathenow (Havelland) waren viele Keller überflutet. Auch hier wird der schlechte Zustand der Entwässerungsgräben im Umland kritisiert. Über die richtige Strategie streiten Bürger, Behörden und Naturschützer.

Der Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg wählt in einem Bericht drastische Worte. Von einem "Massensterben im Naturschutzgebiet" ist dort zu lesen und von Tausenden verendeten Amphibien, denen durch eine Entwässerungsmaßnahme der Lebensraum entzogen wurde. Mehreren streng geschützten Arten, darunter dem Moorfrosch, würden "irreversible Schäden" zugefügt.

Immo Tetzlaff klingt noch immer betrübt, wenn er die Beobachtungen einer Exkursion ins Naturschutzgebiet "Riesenbruch" bei Rathenow schildert. Dort habe er ausgetrocknete Laichgebiete entdeckt, die befürchten ließen, dass die Moorfrösche in diesem Jahr fast keinen Nachwuchs haben werden. Ebenso seien Erdkröten betroffen.

Der Experte des Nabu spricht von einem "Drama", das womöglich Auswirkungen auf die Ruhestätten anderer Amphibien habe. Und wenn der Bestand der Frösche zurückgehe, seien auch Störche und Kraniche betroffen, die diese Lurche gerne verspeisen. "Ihnen wird eine wichtige Nahrungsgrundlage entzogen", so Tetzlaff.

Ursache ist aus Sicht der Naturschützer ein gravierender Eingriff in den Gewässerhaushalt, für den der Landkreis die Verantwortung trage. Ein Stau im Riesenbruchgraben sei von der Umweltbehörde beseitigt worden, wodurch viel Wasser abgeflossen sei. Der Nabu-Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch beklagt einen Verstoß gegen den Naturschutz. "Wir prüfen, inwieweit wir rechtlich dagegen vorgehen werden."

Hintergrund der Probleme ist ein seit Jahren währender Streit zwischen Bürgern, Behörden und Naturschützern - etwa über die Bewirtschaftung des Riesenbruchgrabens. Vor zwei Jahren hatte sich eine Bürgerinitiative in Rathenow gegründet, nachdem über 200 Keller vollgelaufen waren. Die Anwohner beklagten, dass jenes vom Nabu genutzte Stauwerk für die Missstände verantwortlich ist. Für das Stauwerk gebe es keine Rechtsgrundlage, heißt es auch im Landratsamt. Die Stadt wiederum steht in der Kritik, weil sie bislang keinen Masterplan zu den Entwässerungsproblemen beauftragt hat.

Nach Ansicht von Rolf Ursinius, Vorstand der Bürgerinitiative, sind "verwahrloste Gräben" der wesentliche Grund für die Grundwasser-Probleme in der Kreisstadt. Bis zu 40 Zentimeter habe das Wasser vor zwei Jahren in den Kellern gestanden, viele Anwohner mussten viel Geld investieren. "Wir wollen, dass sich dieses Drama nicht wiederholt."

Rathenow sei von Naturschutzgebieten umgeben, die für den Schutz der Tierwelt lange Zeit möglichst feucht gehalten wurden. Es sei widerrechtlich Wasser gestaut worden, beklagt er. Naturschützer hätten nach "Gutsherrenart" gehandelt. "Wir fordern, dass das System wieder ins Gleichgewicht kommt und unser Eigentum geschützt wird."

Der Nabu-Landesverband weist diese Vorwürfe zurück. "Nach einem Gutachten nimmt das Wasser eine völlig andere Fließrichtung, die Bürger können von dem Stau gar nicht betroffen sein", so Schmitz-Jersch. Allerdings gibt es selbst aus den eigenen Reihen Kritik. "Ich kann die Bürgerinitiative verstehen. Es kann nicht jeder machen, was er will", sagt Rocco Buchta, Leiter des Nabu-Projekts "Untere Havelniederung". Aus seiner Sicht wird das Dilemma nur beseitigt, wenn es ein Gesamtkonzept gibt.

Das Landratsamt erklärt, dass der Nabu das Stauwerk nicht beantragt habe. Wenn es diesen Antrag gebe, werde man darüber entscheiden - in Abwägung der Interessen der Hausbesitzer und des Naturschutzes, sagt Umweltdezernent Henning Kellner. Er weist vorsorglich drauf hin, dass es in dem Schutzgebiet noch genügend Wasser für die Amphibien gebe. Im Rathaus von Rathenow heißt es, dass der Schutz der Bürger an erster Stelle stehe.

Auch das Umweltministerium betont die Notwendigkeit einer Grundwasser-Analyse, da sich die hydrologischen Verhältnisse wesentlich geändert hätten - etwa durch die verringerte Trinkwassergewinnung. In der Region habe das Land nach dem Hochwasser den Bau mehrerer Wehre und Deiche gefördert, sagt Sprecherin Alrun Kaune-Nüßlein.

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Ein Anwohner 29.04.2013 - 08:59:51

Wie sich doch alles sehr ähnelt.....

........in Rathenow und an der Müggelspree. Man kann nur noch den Kopf schütteln wie sich das Land Brandenburg in Sachen Vernässungen/Überflutungen und Renaturierungen verhält. Es werden einfach mal Tatsachen geschaffen ohne jegliche notwendigen und vorgeschriebenen Planungen und Genehmigungen. Und wenn dann doch mal dies dann "auffliegt" werden die Planungen und Genehmigungen einfach mal nachgeholt. Kann ja schließlich mal passieren das man vergisst ddie notwendigen Genehmigungen zu beantragen! Das Land Brandenburg darf sowas ja schließlich machen; nur der "gemeine" Bürger muss mit erheblichen Konsequenzen rechnen wenn er mal eine Genehmigung "vergisst". Vor allem ist auch zu Beobachten mit welcher Arroganz den Betroffenen gegenüber argumentiert wird. Da sind Aussagen wie: "Selbst schuld wenn ihr hier gebaut habt." noch mit das harmloseste.

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