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Kirchentag verurteilt weltweite Christenverfolgung

Besucher des Kirchentages feiern in Hamburg auf dem Fischmarkt einen Gottesdienst.
Besucher des Kirchentages feiern in Hamburg auf dem Fischmarkt einen Gottesdienst. © Foto: dpa
02.05.2013, 16:02 Uhr
Hamburg (dpa) Der evangelische Kirchentag hat die weltweiten Christenverfolgungen verurteilt. "Wir setzen uns ein, dass das aufhört", sagte Kirchentagspräsident Gerhard Robbers am Donnerstag in Hamburg. "Die Verfolgungen bleiben ein Stachel im Fleisch." Die Möglichkeiten seien begrenzt, der Kirchentag könne sich nur immer wieder für Toleranz und Religionsfreiheit und Verfolgte einsetzen. Kirchentagssekretärin Ellen Ueberschär verwies darauf, dass verfolgte Christen etwa aus Nigeria oder Syrien auf dem Kirchentag dabei seien.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte: "Noch nie zuvor in der Geschichte wurden so viele Christen bedrängt und verfolgt wie in unseren Tagen". Der Freiburger Erzbischof forderte mehr Solidarität. Zu den Zuhörern gehörten Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, SPD-Fraktionschef Frank Walter Steinmeier - er ist auch Mitglied des Kirchentagspräsidiums - und der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider.

Bei einer Veranstaltung zur Integration behinderter Menschen ermutigte Bundespräsident Joachim Gauck alle Menschen zu mehr Eigeninitiative und Glauben an die eigene Kraft. "Es ist wichtig, an uns selbst Erwartungen zu richten, nicht nur an die Gesellschaft." Der Bundespräsident diskutierte mit dem Studenten Samuel Koch, der seit einem Unfall bei "Wetten, dass..?" querschnittsgelähmt ist, und Rainer Schmidt, Paralympics-Sieger und Pfarrer. Der Bundespräsident lobte die gute Stimmung auf dem Kirchentag: "Kirche stellt sich zu Hause nicht immer so bunt und vielgestaltig dar."

Die Veranstaltungen mit Prominenten wie Margot Käßmann oder dem Bundespräsidenten stießen am ersten Arbeitstag des Kirchentages auf großes Interesse; die größte Messehalle mit 7000 Menschen war überfüllt, nicht alle fanden Einlass. 95 Prozent der Kapazitäten seien auf dem Messegelände und dem CCH Kongresszentrum ausgelastet gewesen, teilten die Veranstalter mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück besuchen am Freitag den Kirchentag.

Käßmann rief die Christen auf, für mehr Gerechtigkeit einzutreten. "Gerechtigkeit ist und bleibt ein zentrales Thema", sagte die frühere EKD-Ratsvorsitzende. Christen sollten Nervensägen sein, "wenn es um Recht geht, um Menschenwürde, um Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung". "Uns abfinden mit der Welt, wie sie ist, das werden wir nicht", sagte Käßmann, die großen Beifall erhielt.

Im Deutschlandradio Kultur wies Schneider Forderungen von Kritikern zurück, die Kirche solle sich nicht in die politische Debatte einmischen: "Das geht gar nicht anders. Das Evangelium will die Welt verändern." Weiter sagte Schneider, in der evangelischen Kirche gebe es Überlegungen, einen europäischen Kirchentag auszurichten. Kirchentagspräsident Robbers begrüßte den Vorschlag: "Ein europäischer Kirchentag ist eine große Hoffnung des evangelischen Kirchentages."

Laut Robbers schälen sich beim Kirchentag als zwei Grundthemen die Inklusion - also die Beteiligung von Menschen mit Handicaps an gesellschaftlichen Prozessen - und ethisches Wirtschaften heraus. Robbers unterstrich die Aussage des Unternehmers Michael Otto auf dem Kirchentag, die Wirtschaft sei für die Gesellschaft da und nicht umgekehrt.

Der Kirchentag setzte auch ökumenische Akzente. Am Nachmittag feierten Protestanten, Katholiken und Orthodoxe gemeinsam einen Gottesdienst dem Hamburger Fischmarkt. Der katholische Erzbischof von Hamburg, Werner Thissen, rief die Menschen zu einem klaren Bekenntnis zu Gott auf. Auf positive Resonanz stieß der Vorschlag Zollitschs, zum 500-jährigen Reformationsjubiläum eine ökumenische Pilgerreise mit katholischen und evangelischen Bischöfen ins Heilige Land zu starten. "Wir evangelische Christen wollen nicht im eigenen Saft schmoren", sagte Steinmeier.

Am Abend stand die Uraufführung der Kirchentags-Oper "Vom Ende der Unschuld" auf dem Programm. In dem Werk geht es um das Leben und Wirken des von den Nazis ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945). Es ist das erste Mal, dass eigens für einen Kirchentag eine Oper komponiert wurde.

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