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Strausberger Eisenbahn fährt seit 120 Jahren / Solide Basis für die nächste Zeit

Tram-Ausbau-Pläne sind ad acta gelegt

Endstation Bahnhof Strausberg 2013: Ein neuer Flexity-Zug trifft am sogenannten Kleinbahnhof in der Vorstadt ein. Fahrgäste können dort heute in die Regionalbahn, die S-Bahn und Buslinien umsteigen. Ein Lokal mit Terrasse gibt es immer noch
Endstation Bahnhof Strausberg 2013: Ein neuer Flexity-Zug trifft am sogenannten Kleinbahnhof in der Vorstadt ein. Fahrgäste können dort heute in die Regionalbahn, die S-Bahn und Buslinien umsteigen. Ein Lokal mit Terrasse gibt es immer noch © Foto: MOZ Gerd Markert
Uwe Spranger / 04.05.2013, 07:11 Uhr
Strausberg (MOZ) Viele Traditionsunternehmen der Region blicken auf eine lange und wechselhafte Historie zurück. IHK Ostbrandenburg und Märkische Oderzeitung spüren gemeinsam der Geschichte der Unternehmen nach. Heute: die Strausberger Eisenbahn GmbH.

Am 17. August vor 120 Jahren rollte erstmals eine Bahn auf den Gleisen zwischen Bahnhof Strausberg und Strausberg-Stadt. Fünf Monate zuvor war die Strausberger Kleinbahn AG gegründet worden, der Vorläufer der heutigen Strausberger Eisenbahn (STE). Auf der knapp 6,2 Kilometer langen Strecke waren zunächst elf Zugpaare unterwegs, zwischen 5.15 und 21.15 Uhr. Sie benötigten 18 Minuten. Der Zuspruch wurde von Anfang an als "sehr hoch" eingestuft, zwei Jahre nach Betriebsaufnahme wurden bereits über 110 000 Fahrgäste gezählt und mehr als 10 000 Tonnen Güter befördert.

Ein Meilenstein in der Geschichte war 1919/1920 der Bau der neuen Strecke entlang der Chaussee ab Hegermühle nebst Elektrifizierung der kompletten Verbindung bis zum Bahnhof in der Vorstadt. Im März 1921 nahm das inzwischen zur Strausberger Eisenbahn gewordene Unternehmen letztlich den elektrischen Betrieb auf.

Mancher der damals neu angeschafften Wagen wurde bis in die 1970er-Jahre genutzt. Zusätzliche Fahrzeuge wurden benötigt, als die Strecke zunächst bis zum Markt und letztendlich im April 1926 bis zum Landesjugendheim (heute OSZ) verlängert wurde. Weitere Teilstrecken erschlossen später die "Märkischen Walzwerke", den Flugplatz, zu DDR-Zeiten sowjetische Versorgungslager, ein Armeeobjekt, die Molkerei, das BHG-Gelände (heute Handelscentrum) und das Heizwerk an der Garzauer Straße.

Mitarbeiterzahlen aus den Anfangsjahren finden sich im Archiv der STE bislang nicht. Ende der 1930er-Jahre wird von 50 Beschäftigten plus drei Lehrlingen berichtet, 1943 waren es 63 plus zwei und nach der Wende 1990 noch 54. "Es gab zu DDR-Zeiten einen eigenen Gleisbau, eine große Werkstatttruppe und sogar eine eigene Kantine", berichtet der heutige Betriebsleiter Uwe Kunath. Heute zählt die STE (inklusive Fähre) nur noch 14 Mitarbeiter.

Die sorgen dafür, dass jährlich mehr als eine Million Fahrgäste befördert werden können. Laut Kunath sind die Zahlen, die alle drei Jahre vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg erhoben werden, seit Längerem stabil. Nach der Wende, als die meisten aufs eigene Auto umsteigen konnten, hatte es zunächst einen rapiden Rückgang gegeben.

Andererseits waren nach der Wende auch weitreichende Pläne geschmiedet worden. Streckenverlängerungen bis nach Eggersdorf im Süden und bis zum S-Bahnhof Nord waren zeitweise im Gespräch. Sie sind inzwischen ad acta gelegt - wie die Wiederaufnahme des Verkehrs durch die Große Straße, der 1970 eingestellt wurde. Wenn voraussichtlich im nächsten Jahr der Großpflasterstreifen ausgetauscht wird, wird diese Spur aus der Vergangenheit gänzlich verschwunden sein.

Die Finanzierung steht durch Verträge auf festen Füßen. Nachdem zeitweise die Stadt Strausberg allein in der Verantwortung stand und nach "mageren Jahren" mit Fahrplanreduzierungen und Mitarbeiterabbau gibt es inzwischen langfristige Vereinbarungen mit dem Landkreis als Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr.

Die gerade Gültige läuft bis 2024, so lange wie auch die Konzession der Eisenbahn für die Strecke gilt. Die STE erhält jährlich 130 000 Euro für den Betrieb und rund 100 000 Euro für Investitionen. 125 000 Euro zahlt die Stadt. Für "Spätfahrten" nach 20 Uhr kommen 20 000 Euro von der Stadt und gut 7500 Euro vom Kreis hinzu. Außerdem bringt das Verbundgefüge mit den Stadtwerken Vorteile.

"Wir haben uns auf die Situation eingerichtet", sagt Geschäftsführer Andreas Gagel. Und das sogar sehr gut: Nach vielen Jahren mit gebrauchten Fahrzeugen hat die STE gerade zwei fabrikneue Flexity-Züge angeschafft, sämtliche Haltestellen sind neu hergerichtet, haben Blindenleitstreifen, Fahrradständer und beleuchtete Pylone mit Fahrplan, es gibt neue Pavillons an beiden Endhaltestellen. Und zum Geburtstag sollennoch die alten Fachwerk-Wartehäuser restauriert werden.

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