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Straßenbahn-Fan Ken Wegener wird Verkehrsingenieur und will zurück nach Frankfurt

Vom Kindertraum zum Beruf

Straßenbahnfahrer und Student: Inzwischen steuert Ken Wegener Bahnen im Liniendienst durch Frankfurt. Die Wagennummern sämtlicher Bahnen kennt er sowieso.
Straßenbahnfahrer und Student: Inzwischen steuert Ken Wegener Bahnen im Liniendienst durch Frankfurt. Die Wagennummern sämtlicher Bahnen kennt er sowieso. © Foto: RenÈ Matschkowiak
Annette Herold / 04.05.2013, 07:55 Uhr - Aktualisiert 06.05.2013, 11:56
Frankfurt (MOZ) In einer Serie stellt der Stadtbote jede Woche einen Frankfurter des Jahres vor. Das können Menschen sein, die ehrenamtlich aktiv oder auf andere Weise etwas Besonderes vollbracht haben. Fürs Foto posieren sie auf einem roten Sessel.

 

Lange Zeit hatte Ken Wegeners Straßenbahn genau zwei Räder. Und eine Klingel, was dem Original dann doch schon recht nahe kam. Wenn er damit unterwegs war, befestigte der Halbwüchsige ein Pappschild mit der Liniennummer am Lenker seines Kinderfahrrads - und sagte selbstverständlich unterwegs die Haltestellen an, weil seine Fahrgäste immer bestens informiert sein sollten.

Fährt Ken Wegener heute mit einer echten Straßenbahn echte Menschen durch Frankfurt, kommen die Haltestellendurchsagen vom Band. Die von den Bahnen ausgehende Faszination aber, die er schon als Junge verspürte, ist dem 24-Jährigen geblieben. Seit Ende April darf er nun im Frankfurter Liniendienst fahren.

Wenn sein Studienplan es zulässt. Denn auch wenn es seinerzeit zu vermuten gewesen wäre, Straßenbahnfahrer ist nie sein Berufswunsch gewesen. Dass er einmal beruflich mit Straßenbahnen zu tun haben wollte, steht dagegen seit Jahren fest. Nur interessierte den jungen Frankfurter eher eine Arbeit hinter den Kulissen. Neugier auf große Zusammenhänge ließ ihn sich nach dem Abitur am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium an der Technischen Universität Dresden einschreiben. "Mich interessieren vor allem die Betriebsabläufe", sagt er. Inzwischen hat er das Studium zum Verkehrsingenieur so gut wie beendet.

Dass er gern wiederkommen würde nach Frankfurt, sagt Ken Wegener. In der Oderstadt hat er sich mit dem Straßenbahnvirus infiziert und er ist bis heute stolz darauf, dass sich Frankfurt nach wie vor ein eigenes Netz leistet. Dass er es als angehender Verkehrsingenieur genau kennen will, weiß auch Michael Ebermann. "Das ist ein Straßenbahnverrückter", sagt der Geschäftsführer der Stadtverkehrsbetriebe (SVF) über Ken Wegener.

Für den ist es selbstverständlich, regelmäßig auf dem Betriebshof der SVF vorbeizuschauen. "Manchmal denke ich schon, ich störe da", sagt Ken Wegener und grient, als könne er sich das nun wieder doch nicht vorstellen. Es hilft sowieso alles nichts: Einmal Straßenbahnfan, immer Straßenbahnfan.

Dass sein künftiger Beruf für ihn gleich noch Hobby ist, zeigt sich am ehesten an seiner nun gut zehn Jahre währenden Mitarbeit im Frankfurter Verein Museumswerkstatt für Technik und Verkehr. Jeden zweiten Sonnabend im Monat ist er dabei, wenn dort an historischen Straßenbahnen gearbeitet wird - und ist selbstverständlich bei Sonderfahrten dieser Bahnen durch Frankfurt mit von der Partie.

Meistens ist der 24-Jährige mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, auch wenn er den Führerschein der Klasse B hat - schon, weil dieser Voraussetzung für den Erwerb des Straßenbahnführerscheins ist. Er komme ganz gut ohne eigenes Auto zurecht, erzählt er und findet ohnehin, dass der öffentliche Nahverkehr in Zeiten knapper Rohstoffe ein Modell der Zukunft ist. Auch grenzüberschreitend wie in seiner Heimatstadt, auch wenn Ken Wegener einschränkend sagt: "Eine Straßenbahn über die Oder wäre mir lieber gewesen. Aus wirtschaftlichen und aus historischen Gründen."

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Micha 10.05.2013 - 19:47:27

Ohje

Unglaublich das es echt Leute gibt die bei so einem Artikel ernsthaft hier etwas politisches herauslesen wollen, wer Basketball mag geht lieber zu Alba als zu Hertha und wer Straßenbahnen mag wird diese wohl besser finde als andere Verkehrsmittel. Nebenbei sehe ich für meinen Teil in einer Straßenbahn jedenfalls ein größeres Zeichen für eine Länderverbindung und ein gemeinsames Europa als in einem Bus, Gleise sind irgendwie (in der Regel) etwas immer sichtbares und dauerhaftes - vom einzigartigen Flair einer Straßenbahn mal ganz zu schweigen.

abc 07.05.2013 - 12:44:29

Tragisch

sind allenfalls Ihre Scheuklappen, Gerda Holzer. Herr W. beschreibt lediglich die Faszination, die von der Strassenbahn für ihn ausgeht. Dass er demzufolge eher eine Strassenbahn denn einen Bus oder ein Pferdefuhrwerk über die Oder fahren sehen würde, ist doch überhaupt nicht verwunderlich. Dass Sie daraus gleich wieder ein Lamentieren über Stadtpolitik machen müssen, zeigt eigentlich nur wie eng ihr Gedankenkorsett ist. Herr W. ist soweit ich weiss nicht OB dieser Stadt. Also warum greifen Sie ihn persönlich an?

Ken Wegener 06.05.2013 - 17:51:58

Unnütz

Außerdem habe ich NIEMALS die Ereignisse aus dem 2. Weltkrieg relativiert! Es war schlicht und einfach historisch einmal so, dass dort eine Bahn rübergefahren ist. Was anderes habe ich niemals gesagt oder gemeint! Und wenn man das nicht versteht, dann tuts mir einfach nur Leid!

Ken Wegener 06.05.2013 - 17:49:15

Übertrieben

Der Kommentar wäre geblieben, wenn er nicht so persönlich gegen mich gegangen wäre und unnütze Anschuldigungen enthalten hätte. Das ist doch einfach nur meine Meinung. Wenn man diese nicht versteht, sollte man doch liebend gern persönlich mit mir Kontakt aufnehmen und diese mit mir zu diskutieren. Das hat nichts mit "nicht verkraften" oder "Hobby Lobyisten-Sein" zutun. Am Besten man wendet sich doch selbst persönlich mal an die Zeitung, um seine Meinung kund zu tun, anstatt sich an einem Satz so aufzuhängen... Mal sehen, wer dann wieder was dagegen hat.

Gerda Holzer 06.05.2013 - 11:16:40

Tragisch

Tragisch ist, dass hier mal wieder ein Kommentar gelöscht wurde. Ebenfalls tragisch ist, dass der Straßenbahn-Lobbyist Ken Wegener die Entscheidung der souveränen polnischen Stadt Slubice für eine grenzüberschreitenden Buslinie und gegen eine teure Straßenbahn noch immer nicht verkraftet hat! Wer bei seiner Pro-Bahn-Argumentation "historische Gründe" anführt, relativiert die Ergebnisse des 2. Weltkrieges und provoziert Mißtrauen bei der Slubicer Bevölkerung und in Polen allgemein.

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