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Restaurierte Hahnen-Skulptur inmitten des Kreisverkehrs aufgestellt / Komplizierte Ausrichtung

Letschins Wappentier steht wieder

Wieder da: der Letschiner Hahn auf dem Kreisel
Wieder da: der Letschiner Hahn auf dem Kreisel © Foto: Johann M¸ller
Heike Hahn / 06.05.2013, 20:45 Uhr
Letschin (MOZ) Mehrere Stunden haben Restauratoren und Künstlerin auf dem Letschiner Kreisel verbracht, um die richtige Position für die reparierte Hahnen-Skulptur zu finden. Nun steht sie wieder - und darf aufmüpfig in Richtung Alter Fritz krähen.

So einen Trubel um seine Federn aus Bronze hat der Letschiner Hahn schon lange nicht mehr erlebt. Gezerrt und geschoben wurde er, angehoben und abgesenkt, von allen Seiten genauestens betrachtet. Ein paar Monate hatte er sich von seiner "Krankheit" in einer Lagerhalle in Neubarnim erholen können. Am Neujahrstag im vergangenen Jahr wurde nämlich sein Gestänge gerammt - für Künstlerin Christiane Wartenberg eine Fast-Katastrophe.

Die Gemeinde hatte sich schließlich entschieden, den Hahn nicht neu gießen zu lassen. Er wurde in Berlin restauriert. 20 000 Euro hat das gekostet, was die Versicherung übernimmt. "Vor Weihnachten war ich fertig", sagt Restauratorin Beatrix Alscher. Sie hatte immer wieder Besuch von Christiane Wartenberg, damit der Skulptur auch ja nichts von ihrer bildhauerischen Qualität verloren geht. Dennoch ist die Skulptur nicht mehr das, was sie mal war - jedenfalls für die Künstlerin. "Die Frage ist doch, was ist besser. Der Zustand vor oder nach dem Unfall?", fragt sie. "Ich weiß es nicht", gibt sie zu.

Fünf Stunden brauchen Christiane Wartenberg, Beatrix Alscher und der Berliner Bronzespezialist Thorsten Knaak, um den Hahn und sein Gestell auf dem Kreisel auszutarieren. "Das ist gar nicht so einfach", sagt Wartenberg, die am Ort des Geschehens höchst konzentriert wirkt. Den vorbei rollenden Verkehr scheint sie gar nicht zu beachten. Sie hat allein nur noch Augen für ihren Hahn. Er selbst blickt zwar nicht zu ihr, aber in Richtung des Dorf-Zentrums.

Der Hahn werde laut Wartenberg ab sofort wieder dem Alten Fritz am anderen Ende der Straße Paroli bieten. Er sei ein Symbol für Aufmüpfigkeit und Cleverness. Er lasse sich als Chef auf dem Hof eben nicht alles gefallen, beschreibt es die Künstlerin.

Ein Standbein der Plastik ist strukturiert wie ein Baumstamm. Er sei eine Erinnerung an die zahlreichen Eichen, die im Oderbruch einst gestanden haben. Ein Zeichen der Hoffnung: ein einsames Eichenblatt hat sich am Stamm entwickelt. Eine Schlange bewegt sich um ihn herum, dem Hahn entgegen. Diese sei die Versinnbildlichung von Weisheit. Alles in allem ist die Skulptur dem Letschiner Wappen nachempfunden.

Der Aufbau des Hahns musste immer wieder nach hinten verschoben werden. Eigentlich sollte er schon kurz vor oder nach Ostern im Kreisel stehen. "Nun konnten wir uns endlich hier treffen - weil die Sonne scheint", freut sich Beatrix Alscher. Die Restauratorin geht genauso wie Thorsten Knaak immer mal wieder auf die Knie, um an den Skulptur-Beinen nachzujustieren. Mit Holzblöcken und Streben wird das Viereck stabil gehalten. Die Sonne, die ungehindert vom blauen Himmel brennt, leuchtet wie ein Scheinwerfer auf die Protagonisten der Szenerie.

Zu der gesellt sich auch Ortsvorsteher Günter Fetting. Er kann sich noch gut an die Einweihung des Hahns erinnern. Die war im September 2004. "Die Skulptur war ja umstritten", erzählt Fetting. 30 Künstler hatten sich zwei Jahre zuvor der Aufgabe angenommen, das Wappen als Kreisel-Figur zu entwerfen. Drei Entwürfe kamen in die engere Wahl, letztlich entschied eine Jury. Die Skulptur von Christiane Wartenberg wurde von einigen als gewöhnungsbedürftig beschrieben, andere fanden das Gestänge "eigenartig". Manche wünschten sich ein weniger unscheinbares Tor zu Letschin. "Es ist eben Kunst", fasst Fetting die Diskussion zusammen. Diskutieren kann man darüber bekanntlich sehr gut.

Schließlich dauert es fünf Stunden, bis der Hahn in seiner richtigen Position steht. Der Zement muss nun noch trocknen. Danach werden die Pflastersteine wieder über die Löcher gelegt. "Der Witz ist, dass kein Bein in der Senkrechten steht", beschreibt die Künstlerin die Schwierigkeiten des abfallenden Kreisels. Am Ende müsse aber alles standfest und verkehrssicher sein. Die richtige Position entscheide darüber, ob der Letschiner Kreisel-Hahn eine Skulptur sei - oder ein "Abklatsch" davon.

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Opa Hotte 07.05.2013 - 23:27:46

Kunst liegt im Auge des Betrachters

Nun gut. Durch mein Auge sehe ich einen Hahn aus Metall. Nur weil jemand sagt, dass es Kunst ist, ist es noch lange keine. Wie eine Gemeinde dafür nur Geld ausgeben konnte, ist mir schleierhaft. Auch wenn die Versicherung die 20000,- € bezahlt, tragen dies doch die Versicherungsnehmer.

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