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Behindertenverband nominiert angeblich evangelische Kita Kinderarche für Negativ-Preis

Verwirrung um "Betonkopf"

Noch eine Baustelle: Im August soll die Kira Kinderarche bezugsfertig sein. Dann ist der erste Stock auch über einen Treppenlift erreichbar.
Noch eine Baustelle: Im August soll die Kira Kinderarche bezugsfertig sein. Dann ist der erste Stock auch über einen Treppenlift erreichbar. © Foto: MOZ/Andrea Weil
Andrea Weil / 07.05.2013, 21:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Weil im ursprünglichen Bauplan der Kita Kinderarche in der Dr.-Theodor-Neubauer-Straße kein Fahrstuhl vorgesehen war, ist die evangelische Kirchengemeinde Schwedt auf der Kandidatenliste für den "Betonkopf 2013" gelandet. Diesen Negativ-Preis vergibt der Allgemeine Behindertenverband Brandenburg (ABB) jährlich an Einrichtungen oder Personen, die sich in ihren Augen in besonderer Weise über die Bedürfnisse von Behinderten hinwegsetzen. Am Freitag vermeldete die Nachrichtenagentur dpa, die Kinderarche gehöre - neben dem "Gewinner", dem Potsdamer Landtag mit einer zu steilen Rampe - zu den Nominierten. Dabei wurde mit Bauaufsicht und der Schwedter Behindertenbeauftragten längst ein Kompromiss ausgehandelt.

Die Treppe in den ersten Stock wird mit einem Lift ausgestattet, einer Plattform, auf die ein Rollstuhl passt. "Ein Fahrstuhl wäre sicherer", sagt Behindertenbeauftragte Ursula Birlem. "Auf einen Treppenlift kann man Kinder nicht allein lassen." Sie sehe jedoch ein, dass ein Fahrstuhl zu viele Änderungen nötig gemacht hätte - und versteht nicht, warum die Barrierefreiheit nicht von vorneherein mit bedacht wurde. "Die Pfarrerinnen haben uns gesagt: So etwas brauchen wir nicht, zu uns kommen keine Behinderten - das ist O-Ton."

Pfarrerin Christa Zepke weist diese Darstellung entschieden zurück. "Wir hatten schon behinderte Kinder, selbst im alten Haus, das gar nicht dafür ausgestattet ist - dann wurden sie eben getragen." Die Architektin hatte den ersten Stock im neuen Gebäude mit Werkstatt und Teamraum als nicht-öffentlichen Bereich definiert, was einen behindertengerechten Zugang nicht nötig mache. Die Nominierung für den Betonkopf sei eine "absolute Frechheit", nachdem man alle gesetzlichen Auflagen erfülle, so Zepke.

Auf MOZ-Nachfrage stellt der ABB klar, dass es sich nicht um eine "Nominierung" gehandelt habe. "Wir werten das ganze Jahr über Zeitungsberichte aus und schreiben eine Kandidatenliste", erklärt Stephan Faust von der Potsdamer Geschäftsstelle. "Im Fall der Schwedter Kita hat unsere Recherche schnell ergeben, dass der Makel behoben wurde."

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