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Spatenstich für umstrittene Verlängerung der A100

Eine Demonstrantin protestiert in Berlin anlässlich des ersten Spatenstichs zur Verlängerung der A100.
Eine Demonstrantin protestiert in Berlin anlässlich des ersten Spatenstichs zur Verlängerung der A100. © Foto: dpa
08.05.2013, 16:54 Uhr
Berlin (dpa) Nach jahrelangen Protesten hat in Berlin die Verlängerung der Stadtautobahn A100 begonnen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Verkehrssenator Michael Müller (SPD) betonten am Mittwoch beim symbolischen Spatenstich, der neue Abschnitt werde die umliegenden Wohngebiete deutlich entlasten. "Zur Bündelung des Verkehrs gibt es keine Alternative", sagte Ramsauer. Der Aus- und Neubau von Verkehrsinfrastruktur müsse auch in einer Stadt wie Berlin möglich sein.

Der 3,2 Kilometer lange Abschnitt vom Dreieck Neukölln zum Treptower Park ist laut Ramsauer mit Kosten von mehr als 450 Millionen Euro das teuerste Stück Autobahn, das in Deutschland je gebaut wurde. Mit der Fertigstellung wird 2021/22 gerechnet. Der Bund wird diese Kosten zum größten Teil tragen - sie entstehen unter anderem durch aufwendige Lärmschutzmaßnahmen, einen 400 Meter langen Tunnel und die Überbrückung durchschnittener Straßen.

Jahrelang hatten Umweltschützer gegen die Autobahn-Verlängerung protestiert und auch Gerichtsverfahren eingeleitet. Auch die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Grünen scheiterten im Herbst 2011 am Streit um die A100. Im vergangenen Oktober hatte das Bundesverwaltungsgericht die letzten vier Klagen von Anwohnern und Umweltschützern abgewiesen und so den Weg frei gemacht. Die Richter verpflichteten allerdings den Berliner Senat, beim Lärmschutz nachzubessern. Außerdem wurde der Abriss zweier großer Wohnhäuser gestoppt.

Eine solche öffentliche Diskussion um die Autobahn sei gut und selbstverständlich, sagte Müller zum Spatenstich. Es müsse ein Nebeneinander geben von Straßenausbau und beispielsweise dem Ausbau von Radwegen und öffentlichem Nahverkehr für eine lebenswerte Innenstadt. Ramsauer wies dem Baustart auch symbolische Bedeutung zu: Er sei ein Zeichen, dass solche Projekte auch unter schwierigen Verhältnissen zu bewältigen seien.

Der Protest riss unterdessen auch am Mittwoch nicht ab. Mehrere Dutzend Demonstranten postierten sich lautstark in der Nähe der künftigen Baustelle. Die Grünen kritisieren den Weiterbau vor dem Spatenstich als "verkehrspolitisch falsch". Er verursache hohe Kosten und belaste deutlich mehr Menschen durch den Verkehr, als er entlaste.

Bei den Berliner Sozialdemokraten ist der Weiterbau umstritten. Parteichef Jan Stöß forderte im Vorfeld zusätzliche Maßnahmen zugunsten der Anwohner: "Wichtig ist, dass die Weiterführung nur Teil eines Gesamtkonzepts ist, das zugleich Maßnahmen zur Entlastung vom Autoverkehr in den Wohnquartieren vorsieht."

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eva 16.05.2013 - 23:39:11

Lärmschutz Fehlanzeige!

Von "aufwändigen Lärmschutzmaßnbahmen" kann bei der Stummelautobahn in den Dauerstau nicht die Rede sein. Unser Haus liegt ca. 80m von der 6spurigen Trasse entfernt. Wir bekommen nicht mal eine Lärmschutzwand! Der Grund -? Zu teuer. Bei der Anhörung im November 2009 sagte man uns: Da die Autobahn hier ebenerdig und höher geführt wird, müsste eine Lärmschutzwand, um auch nur irgendeinen Effekt zu haben, mindestens 12m hoch sein. Das aber würde leider, leider zuviel Geld kosten, das müßten wir doch verstehen. Man leistet sich die teuerste Autobahn Deutschlands, aber für Lärmschutz der bescheidensten Art ist kein Geld da. Das verstehe wer will.

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