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"Ich habe immer die Stimmen geholt"

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DKLEMENTZN / 11.01.2008, 10:14 Uhr
Neuenhagen In der Neuenhagener CDU brodelt es. Und das seit vielen Monaten. Dabei geht es ganz offensichtlich nicht um politische Meinungsverschiedenheiten. Es sind wohl mehr persönliche Rivalitäten, die Ortsverband und Fraktion lähmen. Dabei werden die innerparteilichen Reibereien vor allem über drei Personen transportiert: den früheren Gemeindeverbandsvorsitzenden Alfred Kuck, den ehemaligen Vorsitzenden der Jungen Union Neuenhagens, Billy Six, und die frühere Fraktionsvorsitzende Dr. Else Ackermann.

Nachdem Ende Oktober der Ortsverband der Jungen Union durch den Kreisverband zwangsaufgelöst und ein Parteiausschlussverfahren gegen den Vorsitzenden Billy Six eingeleitet worden ist, folgt nun ein weiterer Höhepunkt im innerparteilichen Dauerzwist. Gleichfalls wegen parteischädigenden Verhaltens droht auch Else Ackermann der Parteiausschluss. Der Kreisvorstand MOL will einen entsprechenden Antrag an diesem Montag verabschieden. Es sei denn, die 74-Jährige, die sich in der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer und bis 1994 im Bundestag engagierte und noch immer in der Gemeindevertretung aktiv ist, macht ihren Austritt aus der CDU-Fraktion Neuenhagen bis dahin rückgängig.

Doch das lehnt die streitbare CDU-Aktivistin kategorisch ab, die sich bisweilen schon fragt, warum sie bei der Kommunalwahl 2003 noch einmal angetreten war. Die Antwort gibt sie dann gleich selbst: "Weil ich immer die war, die die Stimmen für die CDU geholt hat."

Else Ackermann hatte 2007 den Fraktionsvorsitz niedergelegt und war mit der parteilosen Susanne Ahrens aus der Fraktion ausgetreten. Beide bilden eine eigene Fraktion. In einem Schreiben an die CDU-Kreisvorsitzende Beate Blechinger hatte sie ihre Fraktion "Christlich soziale Frauen" als "ein Ergebnis auch des frauenfeindlichen Verhaltens von Herrn Kuck und anderer Männer in der CDU-Fraktion" gewertet.

Else Ackermann, die für ihren Abriss der Geschichte der CDU Neuenhagen 2004 auch von der Bundesvorsitzenden Angela Merkel viel Lob erhielt, fühlt sich zu Unrecht angegriffen und spricht von Mobbing. Bevor man sie im Juni 2007 wegen Untätigkeit vom Fraktionsvorsitz entfernen wollte, habe sie selbst den Posten geräumt, sagt sie. Den Verantwortlichen für ihre politische Demontage hat sie auch ausgemacht: "Alfred Kuck hat immer gegen mich gearbeitet." Dabei gehe es nicht um inhaltliche Fragen, sondern "allein um persönliche Vorbehalte". Die sie ihrerseits Kuck gegenüber gleichfalls einräumt: "Wegen Herrn Kuck gibt es für mich kein Zurück in die CDU-Fraktion."

Else Ackermann macht zudem kein Hehl aus ihrer Sympathie für Billy Six. Diese Sympathie wird längst nicht von allen CDU-Mitgliedern geteilt, schon gar nicht von Alfred Kuck. Der hat mehrere Anzeigen gegen den 21-Jährigen laufen. Six schätzt "so zehn bis 20", darunter wegen Beleidigung, Verleumdung übler Nachrede und Nötigung. Es gibt Schreiben mit Kucks Unterschrift, die dieser gegenüber der MOZ als Fälschung bezeichnete, und für die Billy Six jegliche Verantwortung energisch ablehnt. Six spricht zudem von Klageverfahren und Einsprüchen gegen die Auflösung des Jugendverbandes.

Derweil weist Alfred Kuck Ackermanns Kritik entschieden zurück. "Wegen Führungsschwäche" habe ihr die Fraktion einstimmig den Rücktritt vom Vorsitz nahe gelegt, sagte er. Mit persönlichen Querelen habe das nichts zu tun.

Seine Nachfolgerin an der Spitze des CDU-Gemeindeverbands bedauert die Entwicklung, die sie "allein auf persönliche Befindlichkeiten" zurückführt. Corinna Fritzsche-Schnick hofft sehr, "dass bei uns bald wieder Sachthemen im Vordergrund stehen".

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