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Nachbarland verurteilt Jäger aus Belgien zu empfindlichen Strafen

Zwei Wölfe in Polen erschossen

Dietrich Schröder / 10.05.2013, 19:50 Uhr - Aktualisiert 10.05.2013, 20:31
Miedzychod/Birnbaum (MOZ) In Polen hat erstmals ein Gericht zwei Ausländer verurteilt, weil diese bei einer Jagd in der Wojewodschaft Westpommern zwei junge Wölfe erschossen hatten. Der Vorfall hatte sich bereits im Dezember 2011 bei einer sogenannten "Devisen-Jagd" ereignet, bei denen Ausländer gegen Geldzahlungen das Recht erwerben, eine bestimmte Zahl ungeschützter Tiere zu erlegen.

Zwei Männer aus Belgien wurden jetzt zu jeweils drei Monaten Haft auf Bewährung sowie je 28000 Zloty (rund 7000 Euro) Geldstrafen verurteilt, weil sie die Wölfe getötet hatten, obwohl diese in Polen unter strengem Schutz stehen. Ihre Behauptung, dass sie die Tiere mit Marderhunden verwechselt hätten, erkannte das zuständige Regionalgericht im 90 Kilometer östlich von Küstrin gelegenen Miedzychod (Birnbaum) nicht an.

Polnische Medien verwiesen nach dem vor wenigen Tagen verkündeten Urteil darauf, dass damit erstmals der seit 1998 im Nachbarland geltende absolute Schutz von Wölfen auf so strenge Weise exekutiert werde. Da dieser Schutz auch in Tschechien gilt (im Gegensatz zur Slowakei oder Weißrussland, wo es hohe Abschusszahlen gibt), sei gerade in den an Deutschland grenzenden westpolnischen Gebieten die Zahl der Tiere stark gestiegen. Allein in der Wojewodschaft Westpommern sollen derzeit um die 40 Exemplare leben, in ganz Polen rund 900.

Beim sächsisch-brandenburgischen Kontaktbüro "Wolfsregion Lausitz" hat man das polnische Gerichtsurteil aufmerksam registriert. Der dort tätige Stephan Kaasche ist mehr oder weniger erfreut, "dass ein Gericht die Unterschutzstellung der Tiere durchsetzt". Da die Wolfsvorkommen beiderseits der Oder genetisch noch sehr instabil seien, könne es sein, dass es sich bei den getöteten Tieren um für die Fortpflanzung wichtige Exemplare gehandelt habe.

In der Lausitz sind seit 2006 - seither wird darüber Statistik geführt - rund zwei Dutzend Wölfe von Autos oder der Bahn überfahren worden. Bei drei Abschüssen konnten dagegen nie die Schützen ermittelt werden.

Haftstrafen für das Erlegen von Wölfen, die rein theoretisch bis zu fünf Jahren möglich wären, sind laut Stephan Kaasche in Deutschland bisher nicht verhängt worden. Meist ließen sich Gerichte von Aussagen wie "Ich dachte, es wäre ein Hund" beeinflussen, sagt er. Ein Gericht in Rheinland-Pfalz hatte im Januar einen 72-jährigen Jäger zu 3500 Euro Strafe verurteilt. Er hatte im Westerwald ausgerechnet den ersten dort seit 1879 gesichteten Wolf erschossen.

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