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Feier zum 100. Jahrestag des Goldfundes am Donnerstag / Auch Eberswalder Schaustücke von großem Wert

"Goldtag" gilt Original und Fälschung

Auch als Imitat beeindruckend: Museumsleiterin Ramona Schönfelder präsentiert die galvanoplastische Nachbildung einer reich verzierten Schale aus dem Eberswalder Goldschatz-Fund.
Auch als Imitat beeindruckend: Museumsleiterin Ramona Schönfelder präsentiert die galvanoplastische Nachbildung einer reich verzierten Schale aus dem Eberswalder Goldschatz-Fund. © Foto: MOZ
Boris Kruse / 14.05.2013, 07:40 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Originalstücke des Goldschatzes werden im Juni in St. Petersburg gezeigt. Doch auch Eberswalde verführt mit originalgetreuen Imitaten zu einem Ausflug in die Spätbronzezeit. Die aufwendigen Nachbildungen der Firma WMF und des Künstlers Wilfried Schwuchow stehen im Fokus der Feier am Donnerstag.

Auf den Tag genau 100 Jahre ist es am Donnerstag dieser Woche her, seit bei Bauarbeiten in der Messingwerksiedlung ein Tontopf mit 81 verschiedenen Goldgegenständen gefunden wurde. Dieses Jubiläum feiern die Stadt, das Museum in der Adler-Apotheke, der Verein für Heimatkunde und der Förderverein Finower Wasserturm mit einem großen Festakt. Das Geschehen beginnt zunächst um 15 Uhr am Fundort des Schatzes, am Gustav-Hirsch-Platz in Finow. Ab 18 Uhr verlagert sich das Programm dann in den Familiengarten.

Der runde Geburtstag muss ohne die Jubilare stattfinden. Denn die originalen Goldobjekte, 1945 als Beutekunst in die Sowjetunion abtransportiert, schlummern bis zum heutigen Tage im Moskauer Puschkin-Museum. Als Meilenstein darf da schon die geplante Ausstellung in der St. Petersburger Eremitage gelten. Zu diesem Anlass wird der Original-Tonkrug, in dem die Goldobjekte aufgefunden wurden, von Berlin nach Russland geflogen. Der komplette Schatz - erstmalig wieder vereint.

Doch auch die "Fälschungen" im Eberswalder Museum haben mittlerweile bereits musealen Wert, insbesondere die der acht Trinkschalen aus dünnem Goldblech. Sie sind noch im Fundjahr 1913 hergestellt worden, und zwar von der renommierten Württembergischen Metallwarenfabrik WMF mit Sitz in Geißlingen. Die Metallwaren-Spezialisten haben diese Gefäße als Galvanoplastiken aus vergoldetem Kupfer angefertigt, berichtet Birgit Klitzke vom Museum in der Adler-Apotheke. Erst kürzlich gingen alle acht Schalen für eine Weile zurück in das Werk nach Geißlingen, wo die Vergoldung erneuert wurde.

Wenn eines Tages tatsächlich die Originale wieder an ihren Fundort überführt werden sollten, bestünde dennoch nicht die Gefahr der Verwechslung. An einer Kleinigkeit, verrät Birgit Klitzke, lassen sich Original und Fälschung sicher unterscheiden: "WMF hat bei der Anfertigung seinen Firmenstempel auf alle acht Schalen aufgebracht. Wenn auch ganz klein." Einen exakten Wert kann Klitzke nicht beziffern; sie betont jedoch, wie wichtig sie für das Eberswalder Museum sind: "Mittlerweile sind sie selbst 100 Jahre alt, und sie haben eine lange Ausstellungsgeschichte hinter sich."

Auch von den restlichen 73 Einzelstücken des Goldschatzes gibt es Duplikate, die ebenfalls im Stadtmuseum liegen. Sie entstanden jedoch erst 1997 zur Einweihung des Museums in der Adler-Apotheke. Der Angermünder Kunstschmied Wilfried Schwuchow fertigte sie nach Fotografien aus dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte an. Dabei war auch Schwuchows Augenmaß gefragt, es sind also keine 100-prozentigen Nachbildungen.

Birgit Klitzke wird den kompletten nachgebildeten Goldschatz am Donnerstag um 19 Uhr im Familiengarten präsentieren und in einem Vortrag Wissenswertes dazu erzählen.

Weitere Fachvorträge sind den gesamten Tag über geplant. Der Archäologe Joachim Schween referiert über das bronzezeitliche Instrument Lure. Der Hamelner ist auch mit einer musikalischen Darbietung auf diesem historischen Blasinstrument zu erleben. Dr. Hans Mai vom Verein für Heimatkunde steuert einen Vortrag über die Stele von Eckhard Herrmann bei, die in der Messingsiedlung an den Goldfund erinnert. Um 16 Uhr führt der Finower Ortsvorsteher Arnold Kuchenbecker, Vorsitzender des Fördervereins Wasserturm, durch die Messingwerksiedlung.

Ingrid Fischer, die Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde, schildert den Goldschatz-Fund in ihrem Vortrag im Familiengarten als "regionale Sensation". Dr. Dirk Mahsarski vom Focke-Museum Bremen referiert über einen Wissenschaftlerstreit zum Goldschatz, der sich in der Zeit nach dem Goldfund zwischen Carl Schuchhardt und Gustav Kossinna entspann.

Vollständiges Programm im Internet unter www.heimatkundeverein-eberswalde.de

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