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Brandenburg hat als einziges Bundesland Förderung für Ökolandbau gestrichen / Protestbrief an Platzeck

Unmut der Biobauern

Verärgert über Brandenburger Politik: Biobauer Stefan Palme auf dem dem mühevoll sanierten Gutshof in Wilmersdorf.
Verärgert über Brandenburger Politik: Biobauer Stefan Palme auf dem dem mühevoll sanierten Gutshof in Wilmersdorf. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolff / 15.05.2013, 04:52 Uhr
Wilmersdorf (MOZ) Brandenburger Biobauern fühlen sich von der Landesregierung im Regen stehen gelassen. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Matthias Platzeck fordern sie ein Bekenntnis zum Ökolandbau. Während andere Bundesländer gerade die Ökoförderung anheben, hat sie Brandenburg als einziges Land abgeschafft.

Als "einzigartige Erfolgsgeschichte" und als "nachhaltigste Form der Landwirtschaft" pries Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck auf dem Bio-Bauerntag auf Gut Kerkow den ökologischen Landbau. Schönen Worten der Politik traut Stefan Palme jedoch schon lange nicht mehr. Der Biobauer vom Gut Wilmersdorf in der Uckermark hat schon drei Minister erlebt, als "Vorzeigebetrieb" Delegationen politischer Prominenz empfangen und viele Lobpreisungen des Brandenburger Ökolandbaus gehört, der gerade am boomenden Berliner Bio-Markt beste Erfolgschancen habe.

Doch den Worten fehlen Taten. Statt diese Erfolgsgeschichte zu unterstützen, hat Brandenburg als einziges Bundesland die Ökoprämie gestrichen. Dagegen protestieren Brandenburger Ökoverbände. Stefan Palme gehört wie Ludolf von Maltzan vom Ökodorf Brodowin zu den zehn Unterzeichnern eines offenen Briefes, den der Arbeitskreis Ökologischer Landbau Brandenburg an Matthias Platzeck schickte, um ihn beim Wort zu nehmen, die "Erfolgsgeschichte Ökolandbau in Brandenburg fortzusetzen".

Das sei jedoch ohne die Wiedereinstellung der Umstellungsprämie und Planungssicherheit für bestehende Betriebe nicht möglich. Seit 2011 erhalten Betriebe, die von konventionellen auf ökologischen Anbau umstellen wollen, keine Förderung mehr. 150 Euro je Hektar wurde gezahlt. Zum Vergleich: in Sachsen und Bayern 300, in Nordrhein-Westfalen sogar 400 Euro. Das Gros sind EU-Mittel, acht Prozent stellte das Land als Eigenanteil dar. Doch im vergangenen Jahr habe Brandenburg 17 Millionen Euro EU-Fördermittelverfallen lassen, um den Eigenanteil zu sparen, kritisieren die Ökobauverbände. Die Prämie sichert in der zweijährigen Umstellungsphase die Existenz, weil die Betriebe zwar bereits ökologisch wirtschaften müssen und dadurch geringere Erträge haben, aber ihre Produkte noch nicht teurer als Bio vermarkten dürfen.

"Diese Differenz können die Bauern nicht allein kompensieren, wenn sie auf dem Markt bestehen wollen, sie soll durch die Förderung ausgeglichen werden. Wenn jedoch nur Brandenburger Öko-Bauern diese Förderung nicht erhalten, ist das eine unfaire Wettbewerbsverzerrung, die Brandenburg aufs Abstellgleis führt", so Stefan Palme.

Noch gehört Brandenburg mit einem Bio-Flächenanteil von 10,5 Prozent zu den Vorreitern in Deutschland. Platzeck selbst hatte dies als eine strukturelle Stärke gepriesen. Der Markt liegt direkt vor der Haustür. In Berlin öffnet alle fünf bis sechs Wochen ein neuer Biosupermarkt. Auch Potsdam ruft nach Bio. Gleichzeitig verweist Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg, auf eine aktuelle Studie der Uni Bonn, die den Widerspruch zwischen Bio-Boom und unzureichender Versorgung mit einheimischen Bio-Produkten darstellt.

"Der Bedarf ist da. Wir können ihn noch gar nicht decken. Und es gibt viele Betriebe, die auf Öko umstellen wollen. Doch das Risiko ist ohne Förderung zu groß. Im Gegenteil gibt es sogar Biobauern, die angesichts der fehlenden Unterstützung aufgeben und wieder zurück zum konventionellen Anbau rudern. Das Fatale daran ist, dass der Biomarkt, der ein- bis zweistellige Wachstumsraten verzeichnet, auch ohne Brandenburg auskommt. Er wird dann eben von anderen Regionen oder aus dem Ausland bedient", beschreibt Stefan Palme das Dilemma.

Er selbst ist bereits 1995 mit Ökolandbau gestartet, als diese Branche in der Region noch in den Kinderschuhen steckte. Heute gehört die südliche Uckermark mit 12 000 Hektar zusammenhängender Ökofläche zu den größten in Brandenburg.

Für Stefan Palme ist die Missachtung des Ökolandbaus in Brandenburg jedoch nicht nur aus Wettbewerbs- und Marktaspekten ein Widerspruch. "Dass gerade die Bauern im Stich gelassen werden, die sich ökologisch umorientieren und damit auch ganz aktiv Artenvielfalt in Brandenburg sichern, dass gerade die bestraft werden, die für Nachhaltigkeit und regionale Kreisläufe sorgen, ist nicht zu verstehen. Dass ein Landwirt, der 70 Prozent seiner Fläche mit konventionellen Maismonokulturen bestellt, besser unterstützt wird, als wir, die zehn Kulturen anbauen, ist dem Steuerzahler erklärungsbedürftig", ärgert sich Palme.

Als Unterzeichner des offenen Briefes erwartet er wie alle Biobauern des Landes ein klares Wort von Platzeck. Der Unmut wächst. "Wir sind keine Nische mehr. Wir brauchen Planungssicherheit, auch um investieren zu können. In Wilmersdorf wollen wir zum Beispiel den Heil- und Gewürzpflanzenanbau erweitern", sagt Stefan Palme.

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Dorfbewohner 16.05.2013 - 09:20:59

Jaja die Bauern

Sie jammern immer egal wie das Wetter gerade ist. Biobauern haben doch eigentlich gar keinen Grund zum Jammern, sie kaufen kein Chemie keine Geräte für das einsetzen derselben Und verlangen für den geringeren Aufwand dann auch noch erheblich mehr Geld für ihr Produkt.

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