Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

René Cantagrels aktuelle Bilder suchen Eingänge zum Paradies / Franzose lebt in Schluft und stellt in Groß Schönebeck aus

Blaue Periode auf den Dachboden verbannt

Erste Ausstellung in der neuen Heimat: René Cantagrel zeigt seine Bilder in Groß Schönebeck. Seine Frau Patricia hilft ihm beim Hängen der Gemälde.
Erste Ausstellung in der neuen Heimat: René Cantagrel zeigt seine Bilder in Groß Schönebeck. Seine Frau Patricia hilft ihm beim Hängen der Gemälde. © Foto: MOZ/Ellen Werner
Ellen Werner / 15.05.2013, 23:15 Uhr
Groß Schönebeck (MOZ) So vielseitig wie der Barnim sind auch seine Menschen. In unserer Serie stellen wir Gesichter des Barnim vor. Bekannte und unbekannte - alle haben eine interessante Geschichte zu erzählen. Heute: René Cantagrel, Künstlerin in Schluft

Geboren wurde er in München. Aufgewachsen aber ist René Cantagrel (56) in Frankreich. Kunst studierte er in Bordeaux und Paris, wo ihm auch seine Frau Patricia begegnete. 2010 zog das Paar von Berlin nach Schluft. Hier haben die rund 500 Gemälde Cantagrels Platz.

Durch den Torbogen hinter dem Kreuzgewölbe wirft das Tageslicht einen blau-weiß schimmernden Teppich auf den nackten, glattgebohnerten Boden. Die schmiedeeisernen Flügeltüren schneiden den Weg ins Freie ab. Was sich dahinter verbirgt? "Sie wissen es", sagt René Cantagrel: "das Paradies".

Cantagrel hat das Motiv aus Südfrankreich, Narbonne, vom Kloster Fontfroide mitgebracht und nur wenig, mit dieser Frage hauptsächlich, verfremdet. Ist das ins Weiß gehende Licht, das aus dem Paradies durchsickert, rosa, gelb, blau getönt?

Eindeutig, dass ihm das Bild in den Räumen der Winterkirche Groß Schönebeck besonders nah ist. Knapp zwei Stunden braucht der 56-Jährige, um seine Bilder dort zu hängen. Das Abteigewölbe hat seinen Platz über dem Altartisch gefunden.

Patricia Cantagrel befestigt noch kleine Zettel mit der Titelangabe an den Bildern. "Meine Managerin", scherzt ihr Mann, bevor das Paar zurück nach Schluft fährt. Vor drei Jahren haben sich Cantagrels in dem Schorfheide-Dorf mit knapp 120 Einwohnern ein Haus gekauft und dafür eines in Frankreich aufgegeben. Die Berliner 75-Quadratmeter-Wohnung war ohnehin längst zu klein für die rund 500 Gemälde und "den ganzen G'raffel", wie Cantagrel, der am Institut Francais Berlin Sprachkurse gibt, in schönem Bayrisch sagt.

Die ersten fünf Lebensjahre wuchs der Sohn einer Münchnerin und eines Franzosen, den der Dienst beim Militär nach Deutschland verschlagen hatte, in München auf. Der Vater kam aus Narbonne. Beide Sprachen spricht er mit Akzent und Dialekt, in beiden Ländern habe er sich nie ganz zuhause gefühlt, sagt Cantagrel. "Wenn man so aufwächst, ist es schwer, herauszufinden, wer man ist."

Für ihn war das Gefühl, im Dazwischen zu leben, wohl auch der Weg, der zur Malerei führte. "Ich brauchte etwas, um nicht immer an meine Probleme zu denken", sagt er. Angefangen hat er mit 14. "Ich habe die großen Meister kopiert: Tiziano, Renoir, Fragonard, Macke." Studiert hat René Cantagrel in Frankreich schließlich Germanistik. Und er widmete sich an der Akademie der Schönen Künste in Bordeaux der Malerei. Kopien habe er über mehr als zehn Jahre hinweg angefertigt, urteilt Cantagrel über den Kunsteleven. "Erst später habe ich meine Malerei entwickelt." Vor allem, seit der Halbfranzose erneut in München lebte. Vom französischen Kulturministerium sei ihm damals ein Stipendium zugesprochen worden. Zwei Jahre arbeitete er im Maleratelier Lydia Künzler-Hochgesang.

Zurück in Frankreich, vermittelte er 15 Jahre als Sprachlehrer die deutsche Sprache. Er lernte 1985 Patricia, die Pariserin, kennen. Und er begann, seine Bilder, stets Öl auf Leinwand, zu verkaufen. Jahre des Pendelns zwischen Bordeaux und Paris folgten. Sieben Jahre später heirateten Cantagrels. Der inzwischen 20-jährige Sohn lebte mit ihnen seit 2002 in Berlin und nun auch in Schluft.

Die Arbeit für den Lebensunterhalt würde René Cantagrel nicht aufgeben. "Der Maler ist allein zu Hause", er jedoch brauche die Kontakte. Die Malerei hat einen weiteren Nachteil: Bilder aus der Hand zu geben, fällt Cantagrel schwer. "Vielleicht habe ich deshalb auch angefangen zu schreiben", sagt er. Die Manuskripte bleiben im Haus. Drei Romane, im Fantastischen angesiedelt, hat der Neu-Schlufter in Frankreich veröffentlicht. Zur Zeit arbeitet er an biographischen Kurzgeschichten - auf Deutsch.

Vieles, was er in den zurückliegenden Jahren gemalt und in verschiedenen Galerien in Bordeaux und Paris ausgestellt hat, gefällt ihm heute nicht mehr. Viele Werke sind in seinem Haus archiviert - die expressionistischen aus der "Blauen Periode" unter dem Dach, auch jene aus der "Periode der Profile" sind verstaut. Er gehe heute disziplinierter mit der Farbe um, malt gern auf großen Leinwänden, die über 1,40 Meter in die Breite reichen. Bilder aus der Berliner Zeit, die kleineren Formate, häufig Landschaften, häufig Katzen, haben vor René Cantagrels Urteil weiterhin Bestand.

Bis Anfang Juni sind die Arbeiten der "kleinen Berliner Zeit" im Gemeindehaus an der Kirche in Groß Schönebeck zu sehen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG