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Imkerei Westerhoff lockt junge Weltreisende nach Worin und zeigt ihnen, wie man Honig macht

Internationale WG mit Bienen

Summ, summ, summ: Simon aus Frankreich, Callia aus Kanada und Joana aus Spanien (v. l.) haben sich vorsichtshalber in Schutzanzüge geworfen, bevor sie sich den Waben nähern. Die 34-jährige Nicki (r.) hat schon in den USA eine Imkerei betrieben.
Summ, summ, summ: Simon aus Frankreich, Callia aus Kanada und Joana aus Spanien (v. l.) haben sich vorsichtshalber in Schutzanzüge geworfen, bevor sie sich den Waben nähern. Die 34-jährige Nicki (r.) hat schon in den USA eine Imkerei betrieben. © Foto: MOZ
Marco Marschall / 17.05.2013, 20:21 Uhr - Aktualisiert 21.05.2013, 12:17
Worin (MOZ) Neben Australien, Asien oder Südamerika ist auch das Höhendorf eine beliebte Adresse fürs sogenanntes "Work and Travel". Auf dem Imkerhof von Ansgar Westerhoff gehen junge Reisende zur Hand und bekommen dafür Unterkunft und Bienenstiche gratis.

Ob sie schon einmal von einer Biene gestochen wurde? "Nein, noch nie", sagt die 34-jährige Nicki aus Kalifornien und lacht. "Klar, wenn du mit Bienen arbeitest, wirst du gestochen", erklärt sie. In den USA habe sie eine eigene kleine Imkerei. In Worin will sie lernen, was es heißt, das Geschäft mit dem Honig in großem Stil zu betreiben, zu expandieren. Bis zum Ende der Saison will sie dafür auf dem Hof von Ansgar Westerhoff bleiben. Hier ist die Imkerin auf Bildungsreise an der richtigen Adresse. Denn der Betrieb brummt. "Die Nachfrage nach Honig ist gut. Viele Leute setzen auf Regionalität", sagt Ansgar Westerhoff (50). Seinen Honig gibt es ausschließlich im Dorfkonsum zu kaufen. Der Großteil, über 100 Tonnen pro Jahr, geht nicht ins Glas sondern wird durch Großabnehmer gekauft und landet wie Honig von anderen Imkerei-Betrieben unter der Marke Deutscher Bio-Blütenhonig auf dem Markt.

Seit neun Jahren wächst der Hof von Ansgar Westermann daher stetig. Er selbst hat schon im Alter von 17 Jahren als Imker angefangen, studierte Biologie in Göttingen und forschte in dieser Zeit auch über Bienen. 2000 Bienenvölker gehören zum Betrieb. Diese sind im Umkreis von etwa 30 Kilometern - bis an die Oder - rund um den Hof verteilt. Vier Mitarbeiter sind im Unternehmen beschäftigt. Auf dem Hof nutzen aber auch selbstständige Imker und solche die es werden wollen Wissen und Material, um den eigenen Betrieb aufzubauen. Schon in der Anfangszeit habe der Unternehmer gute Verbindungen zur Hochschule in Eberswalde gepflegt. Viele Studenten der ökologischen Landwirtschaft hätten auf dem Hof in die praktische Arbeit hineingeschnuppert.

Wie sich an Nicki aus Kalifornien zeigt, ist der Betrieb aber auch im Ausland bekannt. Auch die 32-jährige Joana aus Spanien, der 26-jährige Simon aus Frankreich, die 21-jährige Callia aus Kanada und die 30-jährige Cameron aus Texas gehen derzeit auf dem Hof zur Hand. Neben Summen ist die vorherrschende Sprache auf dem Gelände daher Englisch. Die Übernachtung im Haus oder einem der Wohnwagen ist für die jungen Reisenden kostenlos.

Das Prinzip nennt sich "wwoof" - worldwide working on organic farms, sprich "weltweit arbeiten auf dem Bauernhof". Ansgar Westerhoff selbst reiste vor Jahren durch Neuseeland und sammelte Erfahrungen in dortigen Betrieben. Die Kontaktaufnahme läuft unkompliziert übers Internet. Über die Seite www.wwoof.de stießen auch die derzeitigen Gäste der Imkerei auf die Imkerei in Worin. Andere hatten durch Mundpropaganda davon erfahren. Für einige ist das Höhendorf nur eine kürzere Station auf einer längeren Reise. Joana war zuvor durch Irland gereist. Callia zieht es nach ihrer Zeit im Oderland nach Brasilien. Während die einen möglichst viel lernen wollen, steigen andere aufs Rad und erkunden die Natur. "Ich bin häufig am See zu finden und war auch schon zwei Mal im Wasser", sagt Callia. Die Reisenden treffen sich zum gemeinsamen Essen, abends sitzen einige noch lange zusammen ums Feuer. - Ein großes internationales Ferienlager oder eine Wohngemeinschaft mit Bienen, in der man etwas zwanglos miteinander teilt.

Die Nachfrage ist groß. "Eigentlich wäre schon ein Mitarbeiter allein damit beschäftigt, die vielen E-Mails aus aller Welt zu beantworten", sagt Ansgar Westerhoff. Die Beliebtheit des Betriebes führt er auch auf die relative Nähe zu Berlin zurück. Das meint auch Cameron aus Texas, die zwei Monate auf dem Hof bleiben möchte. Klar, habe sie auch die Hauptstadt besucht. Aber die Atmosphäre auf dem Hof und das friedvolle Leben in der Natur würden den größten Reiz ausmachen. Wie oft die mittlerweile von einer Biene gestochen wurde. "Ich habe aufgehört zu zählen", sagt sie.

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Hummel 19.05.2013 - 08:52:57

Wo sind die Bienen nur geblieben?

Bei mir im Garten gibt es einen guten Fruchtansatz, aber keine Bienen. Nur Hummeln sind unterwegs. Was ist da los???

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