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Regioforum will Kräfte bündeln, um bessere Auslastung der Züge aus dem und ins Oderbruch zu erreichen

Kampf um Erhalt der Bahnstrecke

Der Falkenberger Bahnhof bietet Fremden im Moment wenig Anlass, sich auf eine Entdeckungstour zu begeben.
Der Falkenberger Bahnhof bietet Fremden im Moment wenig Anlass, sich auf eine Entdeckungstour zu begeben. © Foto: Andreas Karpe-Gora
Christina Schmidt / 20.05.2013, 08:00 Uhr
Wriezen (MOZ) Eine Handvoll Interessierter will sich für den Erhalt der Bahnanbindung vom Oderbruch in Richtung Berlin stark machen. Am Mittwochabend traf sich der aus dem Regioforum hervorgegangene Kreis. Das Fazit: Alle Verantwortlichen müssen an einen Tisch, um die Bahn als Alternative zum Auto zu stärken.

Eine Direktverbindung von Wriezen nach Berlin - dieser Zug ist abgefahren. Umso vehementer keimt der Wunsch ein paar Vorausschauender auf, wenigstens die Bahnstrecke Frankfurt (Oder) - Eberswalde dauerhaft zu erhalten. Denn obwohl die Strecke bis 2017 sicher scheint - die Angst, als Region abgehängt zu werden, bleibt. Gerade dann, wenn immer weniger Menschen den Zug als alternatives Verkehrsmittel zum Auto nutzen. Diesem Trend will der aus dem Regioforum um Denny Amstutz entstandene Kreis von Bürgern entgegentreten, der sich am Mittwochabend in Wriezen versammelte.

Die Linie RB 60 wird derzeit von der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft ODEG angeboten. Bahnreisende können von Frankfurt (Oder) bis Berlin-Lichtenberg über Zwischenstationen zum Beispiel in Letschin, Wriezen, Bad Freienwalde und Falkenberg sowie weiter über Eberswalde und Biesenthal zu ihrem Wunschziel gelangen. Ein erster Einschnitt steht im Dezember 2014 bevor: Dann übernimmt die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) die Beförderung auf der Strecke. Die reicht dann allerdings nur noch bis Eberswalde. Dort müsste man dann in Richtung Hauptstadt umsteigen. Voraussetzung dafür, dass dieses Angebot auch in Zukunft aufrechterhalten bleibt: Die Anzahl der Fahrgäste muss stimmen. Das wiederum hänge aber maßgeblich davon ab, dass lange Übergangszeiten vermieden, die Geschwindigkeit der Züge erhöht, Abfahrzeiten auf Gäste abgestimmt und das Bahnhofsumfeld attraktiv ist. Nur dann, da ist sich die Handvoll Diskutanten am Mittwoch einig, könne die Bahn eine wirkliche Alternative zum Auto darstellen.

Für alle diese Ziele könnte sich eine ÖPNV-Kontaktgruppe stark machen. Doch die Gründung dieser erst einmal lockeren Gemeinschaft kam am Mittwochabend nicht zustande. Es gibt Vorbehalte, sich eine Struktur zu geben, "nur um einige Schnarchnasen wachzurütteln, die das auf sie zurollende Problem einer abgekoppelten Region nicht angehen wollen", äußerte Matthias Düntzsch. Die Struktur aber, "einen Mann, der den Hut aufhat", brauche es, um seine Ziele durchzusetzen, mahnte Karl-Heinz Boßan von der Interessengemeinschaft Ostbahn, der einst stillgelegte Bahntrassen auf deutscher und polnischer Seite wiederbelebt hat. Er sagte seine Unterstützung zu, schränkte aber gleichzeitig auch ein: "Für einen Debattierklub ist mir meine Zeit zu schade. Nicht nur quatschen, sondern sich realistische Ziele setzen und loslegen, das ist der Weg."

Holger Horneffer, Amtsdirektor vom Amt Falkenberg-Höhe, führt die konkreten Probleme an, die die Attraktivität der Bahn für die Bürger schwinden lassen. Dabei nimmt er in seinem Wortbeitrag kein Blatt vor dem Mund: "Falkenberg hat den hässlichsten Bahnhof, den man sich nur vorstellen kann." Wolle man Menschen mobilisieren auf die Bahn umzusteigen, sei das Umfeld entscheidend. Doch von einem Eingangstor in die Region könne insbesondere in Falkenberg nicht die Rede sein: Das ramponierte Äußere, dazu fehlende Parkplätze für Autos und Unterstellmöglichkeiten für Räder machten alles andere als einen guten Eindruck - weder für Einwohner noch für Touristen. Der Eigentümer habe kein Geld für die Sanierung des Gebäudes, und das Amt musste überhaupt erst einmal darum kämpfen, dass beim Verkauf der Flächen vor dem Bahnhofsgelände überhaupt ein öffentlicher Zugang zum Bahnhof bleibt.

Potenziale für die Bahnstrecke sieht der Amtsdirektor allemal. Nicht nur für die Pendler und Touristen. Insbesondere beim Schülerverkehr orientierten sich die jungen Fahrgäste nicht mehr nur nach Freienwalde, sondern auch in Richtung Eberswalde. "Alle Bürgermeister und Amtsdirektoren entlang der Strecke müssten Feuer und Flamme sein, sich für den Erhalt auch über 2017 hinweg einzusetzen. Dieser Punkt ist wieder etwas, wo wir zwingend auch kreisübergreifend zusammenarbeiten müssen", so der Verwaltungschef.

Eine Diskussionsrunde mit allen haupt- und ehrenamtlichen Bürgermeistern und Amtsdirektoren entlang der Strecke soll nun organisiert werden. Um deren konkrete Ziele und Wünsche geht es dann, und vielleicht auch um die Gründung einer Kontaktgruppe.

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laus Hilpert 21.11.2013 - 15:06:55

Bahnstrecke Eberswade - Frankfurt(Oder)

Durch einen Artikel am 19.11. in ihrer Zeitung habe ich weitere Hinweise zu dieem Thema gesucht. Ich bin gerne bereit aktive Unterstützung zur Erhaltung der Báhnstrecke zu geben. Erste Fragen an den Minister habe ich bereits formuliert in meiner Antwort. Mit freundlichen Grüßen

Veikko Jungbluth 21.05.2013 - 15:05:16

historischer Reiseatlas Oderland

Eine Alternative für mehr Touristen währe die Zentralisierung aller historischen Punkte im Oderland. Die Punkte sollten mit den schönsten Fahrrad- und Wanderrouten von Bahnhof zu Bahnhof verbunden werden. Alle Daten erscheinen zur Auswahl im Internet (inkl. GPS-Daten) und ein kleines Video der jeweiligen Tour zur Animation für die Touristen. Den historischen Reiseführer kann man dann Vorort mit einer App abrufen. Wir arbeiten gerade im Bereich Dahme-Seen-Gebiet an diesem Atlas und haben die ersten Touren im Internet, sowie ca. 2000 historische Punkte vom Land Brandenburg. Adresse: www.veikkos-archiv.com

gwbau 20.05.2013 - 23:24:37

Bahn ist wichtiger als Straße

Um die Bahn effektiv nutzen zu können muss sie auch attraktiver werden (höhere Geschwindigkeit, dichtere Zugfolge). Hätte es vielleicht schon geben können, wenn nicht ein gern autofahrender (kurzsichtiger) Minister die Bahn einfach ignoriert und sogar wegen einer neuen Strasse (LOT) die Eisenbahn Wriezen-Werneuchen-Berlin sogar gekappt hat. Das muss rückgebaut werden zugunsten des Nahverkehrs.

Tom 20.05.2013 - 22:14:53

Optimal wäre...

ein Stundentakt zwischen 5-10 Uhr und 14-18 Uhr.Dafür müsste im Bahnhof Seelow die Zweite Bahnsteigkante erneuert werden damit die Züge dort kreuzen können. Und da dieser nicht ausreichend hergerichtet ist, kann man auf dem Abschnitt Frankfurt/Oder - Wriezen nur alle 2h fahren. Aber auch selbst wenn der zweite Bahnsteig da wäre, würde der VBB trotzdem sagen, kein Stundentakt, weil es sich aus deren sicht nicht lohnt. Ich bin da aber anderer Meinung, denn die Strecke würde viele neue Fahrgäste dazu bekommen, wenn man zwischen 5-10 Uhr und Zwischen 14-18 uhr einen Stundentakt einrichtet. Und was noch fehlt ist natürlich das Streckentempo! Optimal wären 80-90 km/h.

SeroEna 20.05.2013 - 13:29:50

Ganz einfach.

Wie ich schon dem VBB 2011 schrieb, wäre eine Erhöhung der eingesetzten Züge zu den "Stoßzeiten" sowie eine damit verbundene Verdichtung der Fahrtzeiten die effektivste Lösung ein attraktives Angebot zu schaffen. Wer gegen 7 Uhr in Seelow sein will, kommt aus Richtung Frankfurt nicht mit dem ÖPNV hin. Entweder zu 6 Uhr oder zu 8 Uhr wäre man da, und auch der Bus als Alternative fährt weder zu der Uhrzeit - noch stellt er eine hinreichende Lösung bei einer verdreifachung der Wegezeit dar. So wird es wohl weiterhin auch den Strom der Fahrzeuge zur Kreisstadt geben, da es keine annehmbare ÖPNV Verbindung aus Richtung FFo. gibt.

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