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Rüstungsbranche will mehr Exporte

Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU)  bei seiner Ankunft in Celle (Niedersachsen).
Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) bei seiner Ankunft in Celle (Niedersachsen). © Foto: dpa
Joachim Göres / 23.05.2013, 18:14 Uhr
Celle (MOZ) Exporte von Wehrtechnik müssen erleichtert werden - so lautet eine Forderung der deutschen Rüstungsindustrie. Beim Celler Trialog trafen mehr als 100 Vertreter von Industrie, Bundeswehr und Politik in der niedersächsischen Stadt zusammen.

"Wir investieren pro Jahr 450 Millionen Euro in die Entwicklung. Um die Technologiezentren in Deutschland zu halten, sind wir auf die internationalen Märkte angewiesen", sagt Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG. Der größte Rüstungshersteller mit Stammsitz in Deutschland, der gerade Investitionen bis zu 25 Millionen Euro in sein Werk Unterlüß bei Celle zur Produktion von Schützenpanzern angekündigt hat, wünscht sich Regelungen wie in der Schweiz - dort sind nach seinen Angaben Rüstungsexporte immer dann zulässig, wenn weniger als die Hälfte der Wertschöpfung im eigenen Land erzielt wird. Papperger plädiert in Celle wie alle anderen Redner für eine engere Zusammenarbeit von Rüstungsfirmen und Bundeswehr: "Der Austausch des Personals muss erleichtert werden."

Stéphane Beemelmans, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, unterstützt die Forderung nach einer dynamischen deutschen Rüstungsindustrie, ohne den Unternehmen aber Zusagen für Exporterleichterungen zu machen. "Deutsche Firmen exportieren doch schon heute mehr Wehrtechnik als andere Länder."

Tatsächlich ist Deutschland weltweit die Nummer Drei bei Rüstungsexporten und hat seinen Anteil am internationalen Waffenhandel in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht. Laut dem gerade erschienenen "Schwarzbuch Waffenhandel" wurden 2011 Waffenausfuhren im Wert von 10,8 Milliarden Euro durch die Bundesregierung genehmigt und geplante Exporte in Höhe von nur 24,8 Millionen Euro in Krisengebiete verhindert.Nach Berechnungen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri sind unter den größten 100 Rüstungsunternehmen fünf Konzerne mit deutschen Wurzeln vertreten.

Jürgen Bühl, bei der IG Metall zuständiger Sekretär für den Bereich Wehrtechnik, sieht derzeit die rund 100 000 Arbeitsplätze in der deutschen Rüstungsindustrie nicht gefährdet. "Das ist eine sehr stabile Branche. Die Drohungen von Rheinmetall sind nicht neu, doch eine Verlegung von Arbeitsplätzen ins Ausland ist nicht so einfach." Trotz der Senkung der Zahl der Soldaten von 250 000 auf 185 000 in den nächsten vier Jahren bleibe die Bundeswehr als Kunde unverzichtbar. "Die meisten deutschen Rüstungskonzerne erzielen ihren Hauptumsatz im Export. Doch erst wenn die Bundeswehr ihre Produkte kauft, haben sie eine Chance, auch im Ausland Käufer für ihre Wehrtechnik zu finden", erläutert Bühl.

"Ex-Soldaten verstehen unsere Kunden am besten, deswegen sind wir sehr an ihnen interessiert", sagt Bernhard Gerwert, Chef bei der EADS-Tochterfirma Cassidian. Sie beschäftigt in Deutschland 12 000 Menschen, davon ein Viertel ehemalige Soldaten. Gerwert fordert das verstärkte Outsourcing von Aufgaben bei der Bundeswehr.Auch andere Unternehmen hoffen, dass sie ihre Umsätze durch neue Aufgaben steigern können. "Die Bundeswehr sollte sich auf ihre Kernkompetenz beschränken. Die Logistik und die Entwicklung von IT kann die Industrie übernehmen", sagt Gerhard Schempp, Geschäftsführer der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, einem Hersteller von Elektronik für das Militär.

Tatsächlich sind schon heute etwa in Afghanistan viele deutsche Firmen mit Unterstützungsleistungen für die Bundeswehr tätig. Laut Generalinspekteur Volker Wieker gab die Bundeswehr 2012 rund 300 Millionen Euro unter anderem für die Instandsetzung von Fahrzeugen, die Wasser- und Kraftstoffversorgung sowie den Transport aus.

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