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Privatschulen auf dem Vormarsch

Unterricht in der Rahnschule Oberschule Neuzelle
Unterricht in der Rahnschule Oberschule Neuzelle © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Marie-Luise Klose / 25.05.2013, 16:23 Uhr
Potsdam (DPA) Kleine Klassen, Reitunterricht, Seeblick: Immer mehr Eltern schicken in Brandenburg ihre Kinder auf kostenpflichtige Privatschulen. Um Elitenbildung macht man sich in der Mark trotzdem wenig Sorgen.

ei es aus Unzufriedenheit mit öffentlichen Einrichtungen oder aus Zuneigung zu einem bestimmten Lehrkonzept: Privatschulen sind in Brandenburg zunehmend beliebt. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

"Das wachsende Interesse an privaten Schulen ist ein bundesweiter Trend", sagt der Sprecher des Bildungsministeriums, Stephan Breiding. Besuchten im Schuljahr 2002/2003 gerade einmal gut 10 000 Schüler private Einrichtungen, waren es im Schuljahr 2012/13 bereits mehr als 27 000. Auch die Zahl der Bildungsstätten hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Das Ministerium sieht in den freien Schulen einen wichtigen Partner für eine "bunte Schullandschaft", die Eltern Alternativen biete. Um die Abwanderung von Eltern, die mit den öffentlichen Schulen unzufrieden sind, sorge man sich hingegen nicht. Anders sieht das der Landeselternrat. "Eltern, die unzufrieden sind mit zu großen Klassen und massivem Stundenausfall, setzen häufiger auf private Einrichtungen", stellt die stellvertretende Sprecherin des Gremiums, Sigrid Bartolomé, fest. Ihrer Erfahrung nach kommt es jedoch auf das Engagement jeder einzelnen Schule an, ob der Unterricht qualitativ hochwertig ist.

Das Angebot der freien Schulen ist bunt gefächert: Montessori, Waldorf, Naturschule. Die Seeschule Rangsdorf bietet sowohl Unterricht am Gymnasium als auch eine Oberschule an. Besonders die Oberschule sei gefragt. "Wir sind proppenvoll und könnten glatt eine zweite aufmachen", sagt Schulleiter Michael Kriegs. Ein Teil der Schüler besucht zudem das Wocheninternat der Einrichtung.

An einem idyllischen Seegrundstück mitten im Wald gelegen verfügt die Schule über kleine Klassen sowie Arbeitsgemeinschaften für Reiter oder auch "Autoschrauber". Zudem kümmern sich Sozialarbeiter über den Unterricht hinaus um die Schüler. "Eine Eliteeinrichtung sind wir nicht", betont Kriegs - trotz des maximalen Schulgelds von 420 Euro monatlich für das Gymnasium oder gar 1390 Euro mit Unterbringung im Internat.

"In Brandenburg gibt es keine Obergrenze für Schulgeld", erläutert Ministeriumssprecher Breiding. Stattdessen muss der Durchschnitt der Kosten für eine Privatschule auf alle Schüler verteilt unter 135 Euro monatlich liegen. "Einkommensstarke Familien tragen so mehr bei als einkommensschwächere." Jede Schule müsse in ihrem Konzept nachweisen, dass keine soziale Auslese stattfindet.

Die Seeschule in Rangsdorf vergibt daher zehn bis zwölf Prozent ihrer Plätze an Stipendiaten. Für einen Teil der Schüler trägt hier wie etwa an der Aktiven Naturschule Prenzlau (Uckermark) das Jugendamt die Kosten. "Auch wir haben Problemfälle bei uns, nicht alle Eltern fahren im großen schwarzen Auto vor", sagt Kriegs.

Günther Fuchs, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, warnt hingegen: "Wir müssen aufpassen, dass wir unsere öffentlichen Schulen attraktiv halten." Gerade in ländlichen Regionen gebe es zu wenig Angebote. "Wir brauchen flächendeckend kleinere Klassen und individuelle Förderung."

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lebenundlebenlassen 26.05.2013 - 22:24:29

Naja ...

Ich denke, dass der größte Teil der Scharlatane, die uns alle nerven, nie eine Privatschule von innen gesehen hat. ... und Dummheit hat kein Zuhause. Sie ist überall daheim, wie uns leider regelmäßig vergegenwärtigt wird. Ob privat oder staatlich ist da ganz egal. Deppen gibt's hier wie da. Übrigens umsonst sind Privatschulen nicht zu besuchen. Aber die meisten sind durchaus bezahlbar, weil wer wenig verdient eben weniger zahlen muss. Und dass bei den Waldis (Waldorfschule) das große schwarze Auto vorfährt ist wirklich ein dolles Gerücht :-) Da ist man wohl mit dem Fahrrad bestens aufgehoben.

Nurmut 26.05.2013 - 21:14:49

Privatschulden?

„Auch wir haben Problemfälle bei uns, nicht alle Eltern fahren mit einem großem schwarzen Auto vor“ sagt Schulleiter Michael Kriegs. Dass bedeutet im Umkehrschluss, alle anderen, die keine schwarzen großen Autos fahren, sind Problemfälle. Hr. Kriegs, ich bin ein riesengroßer, bildungsferner, prekärer Problemfall. Meine Kinder fahren mit ihren Fahrrädern oder laufen zur Schule- wie abartig. Was ist erst mit den asozialen Buskindern? Die Privatschulen mit ihren unterschiedlichen Lernansätzen schrecken mich eher ab, als sie mich interessieren. „Wehe sie geben meinem Kind nicht die entsprechenden Zensuren und Abschlüsse die ich erwarte, schließlich bezahle ich sie!“ Wie Unabhängig ist der Lehrkörper einer privaten Schule?- hängt er doch am Tropf der zahlenden Klientel- Ist in diesem Abhängigkeitsverhältnis eine objektive Leistungsbewertung der Schüler überhaupt möglich und realistisch? Wenn jede Schule ihr eigenes Süppchen kocht, kann sich so überhaupt eine leistungsstarke, Allgemeingebildete Basis- welche die Gesellschaft trägt und prägt, entwickeln? Grotesk wird es, wenn sich die Kader der Privatschulden als Bildungselite begreifen. Die Inkarnation der eigenen Dummheit wird dann den Pöbel vorgesetzt. Typen, die am Schönsten ihren Namen tanzen können und mit einer gehörigen Portion Narzissmus ausgestattet sind, bestimmen dann die Geschicke der Gesellschaft. Von denen haben wir bereits schon viel zu viele.

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