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Zeugin belastet Angeklagten im Fall Maike Thiel

Roland Becker / 27.05.2013, 20:37 Uhr
Leegebruch/Neuruppin (MOZ) Im Prozess um den vermuteten Mord an der zur Tatzeit 1997 17-jährigen Maike Thiel ist am Montag am Landgericht Neuruppin die erste der beiden Hauptbelastungszeugen vernommen worden.

Mit ihren Aussagen im Gerichtssaal dürfte die heute 30-jährige Berlinerin allerdings die Erwartungen der Staatsanwaltschaft nicht erfüllt haben. Bezüglich vieler Details bleibt die einstige Freundin des wegen Mordes angeklagten Michael Sch. hinter den Aussagen zurück, die sie im vorigen Jahr gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft gemacht hatte.

Lediglich mit zwei Kernsätzen ihrer Aussage belastet sie den früheren Freund. Einer davon soll in einer Oktobernacht 2009, in der beide unter der Droge LSD standen, gefallen sein.

Aus einem ihr nicht mehr bewussten Zusammenhang heraus habe sie ihrem Freund berichtet, dass sie ein sehr schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern gehabt habe. Jemand habe ihr einmal angeboten, er könne für ein bisschen Geld dafür sorgen, dass ihre Eltern einen Unfall haben. Daraufhin habe Sch. sie unter die laufende Dusche gezogen - er habe wegen seiner Drogendelikte Angst gehabt, abgehört zu werden - und dort zu ihr gesagt: "Ich musste es selbst machen." Richter Wegner ist dieser Satz zu unbestimmt. Er hakt nach: "Gehen Sie davon aus, dass das auf Maike Thiel bezogen war?" Die Zeugin antwortet mit fester Stimme: "Ich gehe nicht nur davon aus. Es war darauf bezogen."

Später wird die junge Frau sagen, dass dieser Satz für sie der Schlüssel zu ihrem Freund war. Jetzt habe sie gewusst, weshalb sich Michael Sch. hinter einer sorgsam aufgebauten Fassade versteckt habe, weshalb er so "leer war". Dass sich die Polizei für diesen Schlüsselsatz interessieren könnte, darauf ist sie damals nicht gekommen: "Ich habe keine moralische Wertung vorgenommen. Es hat mich nicht interessiert, was er gemacht hat, sondern warum er so ist, wie er ist." Als der Richter sie danach fragt, wie sich Michael Sch. nachder Drogennacht verhalten habe, schweigt die Zeugin. Die Sekunden ziehen sich hin. Dann sagt sie: "Er war sehr, sehr unsicher und hat mich gefragt, ob ich ihn noch liebe. Er war erleichtert, als ich ihn umarmt habe."

Zu einem späteren, nicht definierten Zeitpunkt haben beide laut der Zeugin im Internet einen Fernsehbericht über die Ermittlungen im Mordfall Thiel gesehen. Als gezeigt wurde, wie bei der Suche nach der Leiche eine Straße aufgerissen wurde und an anderer Stelle Hunde nach dem vermuteten Mordopfer gesucht haben, soll Sch. Sätze gesagt haben wie "Da werden sie sie nicht finden" und "Da können sie lange suchen".

Darüber hinaus relativiert die Zeugin ihre Aussagen vom Vorjahr. Damals hatte sie zu Protokoll gegeben, dass Sch. von zwei Mittätern, darunter einem Russen, geredet habe. Jetzt sagt sie dazu: "Ich komme an diese Erinnerung nicht mehr heran. Da blockiert mein Gehirn." Auch bezüglich des Anklagevorwurfs, Christine Sch. habe ihren Sohn zu dem Mord angestiftet, kann die Zeugin nichts Konkretes sagen. Zwar bestätigt sie, dass Christine Sch. oft Druck auf ihren Sohn ausgeübt habe. Doch als es darum geht, eine Aussage vom vorigen Jahr zu verifizieren, fehlt der Zeugin die Erinnerung.

Damals sagte sie bezüglich einer Mittäterschaft der Mutter von Michael Sch.: "Es war mir klar, dass es nur eine einzige Person gibt, die diesen Druck ausübt: seine Mutter." Woher sie diese Klarheit habe, will der Richter wissen. "Irgendwann weiß man bestimmte Sachen", behauptet sie. Einmal mehr an diesem Tag muss sich die Staatsanwaltschaft mit einer Antwort begnügen, die ihr nicht dabei hilft, gegenüber der Mutter den Vorwurf der Mittäterschaft juristisch festzuzurren. Der Prozess wird am 13. Juni fortgesetzt.

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