Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Stadtwerke bleiben nach Versteigerung der BWG-Blöcke auf offenen Fernwärmerechnungen sitzen

Monopoly mit Wohnungen

Daniela Windolff / 27.05.2013, 21:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Die Mieter der ehemaligen BWG Angermünde kommen nicht zur Ruhe. Nach der Pleite des privatisierten kommunalen Wohnungsunternehmens, Zwangsverwaltung, Zwangsversteigerung und hoffnungsvollen Versprechen des neuen Eigentümers ziehen wieder dunkle Wolken auf, weil Rechnungen unbezahlt bleiben.

So oft auch schon der Eigentümer wechselte, hinter den Kulissen gestritten und gerichtlich geklagt wurde, auf eines konnten sich die Mieter der ehemaligen BWG-Blöcke in der Angermünder Weststadt immer verlassen: Drehten sie die Heizung oder die Dusche auf, wurde es warm.

Das könnte sich nach dem 15. Juni ändern und Wasser und Heizungen kalt bleiben. Die Städtischen Werke Angermünde, die die 170 Wohnungen mit Fernwärme versorgen, drohen damit, die Versorgung einzustellen. Grund sind offene Rechnungen des neuen Eigentümers "Günstiger Wohnen GmbH", das zur Haas Unternehmensgruppe gehört. Das bayerische Immobilienunternehmen mit Sitz in Neuhaus am Inn hatte 170 Wohnungen in Angermünde aus dem ehemaligen Besitz der insolventen BWG Ende Februar 2013 im Zwangsversteigerungsverfahren für ein Gebot von rund 700 000 Euro erworben. Den Mietern stellte sich der neue Eigentümer als erfahrenes Familienunternehmen vor und kündigte Modernisierungen an.

Nur wenige Wochen später finden sich die betroffenen Wohnblöcke in der Gustav-Bruhn-Straße 1-7 und Georg-Wolf-Straße 1-10 im aktuellen Verkaufskatalog des großen Berliner Auktionshauses Karhausen wieder. Am 22. Juni sollen die Häuser im Rahmen einer privaten Grundstücksauktion im Auftrag des Eigentümers erneut unter den Hammer kommen. Mindestgebot: 1,11 Millionen Euro für die modernisierungsbedürftigen Plattenbauten mit mehr als 60 Prozent Leerstand.

Die Gasversorgung Angermünde GmbH der Städtischen Werke wartet unterdessen auf die Zahlungen des Eigentümers für ihre Fernwärmelieferungen. "Wir haben bisher nur eine teilweise Abschlagszahlung erhalten. Seit April sind die Rechnungen nicht bezahlt. Die Außenstände bewegen sich bereits im oberen fünfstelligen Bereich", beklagt Geschäftsführerin Sybille Holzäpfel. Bemühungen, mit dem Eigentümer in Kontakt zu treten, blieben bisher erfolglos. Stattdessen teilte die "Günstiger Wohnen GmbH" den Stadtwerken schriftlich mit, dass sie mit der Gasversorgung GmbH Angermünde keinen Fernwärmeversorgungsvertrag abschließen werde, sondern beabsichtige, zur neuen Heizperiode voraussichtlich ab September 2013 eine eigene Wärmeversorgung in Betrieb zu nehmen. Seit die Fernwärmesatzung in Angermünde gefallen ist, gibt es keine Abnahmeverpflichtung mehr. Doch bisher liefern die Stadtwerke Warmwasser und Wärme. Wer bezahlt?

Die Stadtwerke befürchten, erneut leer auszugehen. "Wir haben schon durch die BWG-Insolvenz eine halbe Million Euro Außenstände durch unbezahlte Rechnungen. Trotz Klage haben wir kaum mehr Hoffnung, dieses Geld je wieder zu sehen", bestätigt Aufsichtsratsvorsitzender Heiko Poppe. Neue Verluste in Größenordnungen durch unseriöse Zahlungsmoral könne die Gesellschaft nicht schultern. Deshalb informierte sie jetzt alle betroffenen Mieter per Brief vorsorglich über die Situation und die letzte Konsequenz einer Versorgungseinstellung. Bis zum 15. Juni haben die Stadtwerke dem Eigentümer eine Frist gestellt. Danach wird die Versorgung eingestellt. Dann bleibt das Duschwasser kalt. Heiko Poppe befürchtet erneut Wohnungs-Monopoly auf Kosten der größtenteils sozial schwachen und älteren Mieter. "Sie bezahlen pünktlich mit der Miete auch ihre Betriebskosten. Bei den Stadtwerken kommt dieses Geld aber nicht an."

Heiko Poppe (Linke) gehörte in der Stadtverordnetenversammlung zu den vehementen Gegnern der BWG-Privatisierung. "Die Stadt hat damit nicht nur ihren Wohnungsbestand, sondern auch ihre soziale Verantwortung verkauft. Die Folgen waren vorhersehbar, aber in dieser Brisanz selbst für die größten Kritiker kaum vorstellbar."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Nurmut 30.06.2013 - 17:06:50

@Moz-Leser, Monopoly mit Wohnungen

Ja, ich surfe gerade durch die Weiten des Internets. Mobiltelefon habe ich keines. Mein Trabant steht nach einem schönen Sonntags- Nachmittags- Ausflug wieder in der Scheune. Robotron ist auch heute noch aktiv. Das der Kapitalismus durch die Auszehrung der eroberten Märkte sich auch lästiger Konkurrenz entledigt liegt in seinem Wesen. Betriebe werden per Joint Venture geschluckt. Anschließend abgewickelt und Produkte und Entwicklungen des ehemaligen Konkurrenzbetriebes unter dem eigenen Firmenlogo auf den Markt gebracht. Zu der unrühmlichen Rolle der Treuhand, bezüglich der Abwicklung der DDR, gibt es genügend Lektüre und Doku- Material. (z. b. Beutezug Ost, der deutsche Goldrausch…) Nach diesem Motto schreitet der deutsche Kapitalismus im Rest Europas weiterhin voran. Ihr Kommentar- @Moz- Leser, hat mich deshalb nicht überzeugt. In Absatz 5 stimme ich ihnen uneingeschränkt zu.

moz-leser 30.06.2013 - 10:53:48

@Nurmut

Bestimmt surfen Sie gerade mit Ihrem Weltmarkt-Robotron im nicht kapitalistisch gewachsenen Internet und vor Ihrer Tür steht der gute Trabant oder Wartburg. Wenn Sie alle 3 Annahmen mit "JA" beantworten können dann glaube ich Ihnen das Märchen vom Branchen-Weltmarktführer DDR. Und bestimmt sind Sie auch im Besitz eines Handys, welches nur durch den Bösen Kapitalismus und sein Wachstum entstand. Aus vielen Systemen kann man etwas machen nur muss man sich fragen, ob es sich bei einem zum Scheitern verurteilten System lohnt dieses dauerhaft am Leben zu erhalten.

Nurmut 30.06.2013 - 05:53:12

@EIN- LIBERALER

@EIN_LIBERALER, da die Liste der Markenprodukte der DDR sehr umfangreich ist, überlasse ich es ihnen, sie selbst im Internet zu recherchieren. Viele Erzeugnisse waren an Know- how, Qualität und Langlebigkeit, den oftmals auf Obsoleszenz konstruierten Westprodukte überlegen und sind heute noch rund um den Globus präsent. Ärgerlich ist, dass man aus dem vorhanden Möglichkeiten, die dem sozialistischem System inne sind, noch mehr hätte machen können. Dass der Kapitalismus mit seinem gefräßigen Wesen sich nur durch Wachstum und Eroberung neuer Absatzmärkte am Leben halten kann und bereits an seine Grenzen stößt, ist unbestritten. Es sei denn, es gelingt durch einen großen Schwindel z. b. auf dem Mond Lebewesen zu entdecken, welche man mit Waren, die auf der Erde produziert werden, zuzumüllen. Im Vorfeld müssen die neu entdeckten Lebewesen mit billigem Kreditgeld versorgt und abhängig gemachten werden. Ich bin mir sicher, dass sie-@EIN- LIBERALER, Feuer und Flamme für diese Herausforderung wären und den restlichen Erdenbewohnern die Notwendigkeit in dieser Sache erklären. Hr. Theodore Portmonee ist kein liberal denkender Mensch im Sinne der FDP (Fanatiker des Profits), vielmehr verfolgt er die Maxime -Freiheit statt Kapitalismus. „Der Sozialismus verspricht: Ihr werdet alle satt! Der Kapitalismus sagt: Ihr werdet niemals satt!“ Thomas Städtler Die Brandenburger sind übrigens ein sehr unternehmungslustiges Völkchen.

ein_Liberaler 29.06.2013 - 07:33:44

Brandenburg, wo sind deine Unternehmer ?

Weder Erdgas noch Kuckucksuhren gibt es auf Bezugsschein. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Druschba-Trasse Die sogenannte „Autokarte“ (.) war ein Sonderbezugsschein für einen Pkw nach Wahl, der nach 3 Jahren ununterbrochener Trassentätigkeit übergeben wurde und mit dem nach einer weiteren Wartezeit von ca. 2 Jahren ein Pkw bezogen werden konnte (die „normale“ Wartezeit für Pkw-Bestellungen in der DDR betrug ca. 12 Jahre für einen Trabant-Pkw bzw. 15–18 Jahre für einen Wartburg-Pkw). Das halten ich und Theodore Portmonee, der selbstverständlich ein überzeugter Liberaler ist, der sich heftig dagegen wehrt, sozialistisch vereinnahmt und falsch zitiert zu werden, nicht für einen Qualitätsausweis sozialistischen Wirtschaftens. Hamburg war nach WK II zu etwa 80 bis 90 Prozent zerstört, Bremen und Köln auch heftig zerbombt. Da blieb kein Stein auf dem anderen. Ob Marshallplan oder nicht : es ist ein funktionierendes Industrieland entstanden, dass seit 1990 für Brandenburg mit Wohlstand und Transferleistungen schafft. Eine Vereinigung mit Griechenland oder Portugal mal zum Vergleich hätte derartigen dauerhaften Nutzen nicht geschaffen. Die DDR war u.a. ein umweltpolitisches Desaster. Soviel Schwefelgeruch in Berlin war nie. Weltmarktfähige Produkte zu weltmarktfähigen Preisen und unsubventioniert waren dort denkbar wenig zu finden. Mir fallen spontan Rotkäppchensekt und Halorenkugeln ein, dann ist aber ziemlich schnell Schluss. Wartburg und Trabant waren schon zu Ostzeiten keine Exportschlager. Der Mythos "wunder was die DDR dem Westen alles eingespielt hat" ist ein Lebenslüge, mit der viele nur zu gerne leben wollen. Aber es ist genauso eine Lebenslüge wie ein Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Das Antlitz des Sozialismus ist Stalin und Gulag und Planwirtschaft und Staatswirt-schaft und Ausbleiben des wirtschaftlichen Erfolgs. Die Fortschreibung der Druschba-Mentalität ist eine der Hauptursachen für den Mißerfolg Brandenburgs in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zukunftsgestaltung in Brandenburg setzt voraus, die Druschba-Mentalität hinter sich zu lassen, und im hier und jetzt anzukommen. Brandenburg, wo sind Deine Unternehmer? Wann erobern sie die Märkte mit weltmarktfähigen Produkten zu weltmarktfähigen Preisen?

Nurmut 28.06.2013 - 14:36:32

Druschba

Strophe 5 vom Liberalen mit seiner Kuckucksuhr- Mentalität ist an Einseitigkeit unübertroffen. Welcher Teil Deutschlands hat nach dem 2. Weltkrieg den mit Abstand größten Teil der Reparationsleistungen gestemmt und welcher Teil hat einen Marshallplan erhalten? Wo sind die noch halbwegs intakten Industrieanlagen hingegangen? Trotz aller Widrigkeiten, hat es die Bevölkerung des ostdeutschen Teils geschafft, sich etwas aufzubauen. Jeder hatte sein Auskommen, Existenzängste gab es nicht. Es gab einen öffentlichen Reichtum den ich heute vermisse. Jeder hatte seine gesellschaftliche Stellung und das Gefühl gebraucht zu werden. Die DDR hatte viele junge, gut ausgebildete Menschen. Wer hat diese ernährt, geschult, umsorgt und qualifiziert? Wo sind sie? Wer verdient nun an sie? Wieso gibt es in diesem Gesellschaftssystem so wenige Kinder, die doch die Zukunft sind? @EIN_LIBERALER was orakeln sie hier überhaupt von geflossenen Transferleistungen seit 1990. Es dürfte sich um einen Bruchteil von dessen handeln, was die ehemalige DDR dem westdeutschen Teil einbrachte und immer noch einbringt. Haben sie schon mal Transferleistungen arbeiten sehen? Es bleibt dabei, „Wenn mir ein Liberaler, mit seiner profanen betriebswirtschaftlichen Denke die Philosophie eines Gemeinwesen erklären will, ist dass in etwa so, als wenn mir ein Messie Ordnung beibringen möchte.“ Theodore Portmonee Apropos: Wer hat eigentlich die Erdöltrasse Druschba gebaut? Wem gehört sie nun und verdient daran?

borkenhagen 28.06.2013 - 13:55:15

@ liberaler

zu 1. es ist leider so, dass die staatlich gemachten schulden des kommunalen wohnungsbaus mit der wende auf die gesellschaften vorort umgelegt wurden. sie kennen sich mit der materie nicht aus, kein grund für sie hier nicht ihr omnipotentes liberales gemautsche loszuwerden. 2. die bwg wurde nach der wiedervereinigung eine kommunale gesellschaft und als gesellschafter hat die stadt gebürgt. 3. zwischen opfermentalität und opfer sein ist immer noch ein kleiner unterschied. ihre belehrende art ist hier ganz sicher zielführender. 4. ist ein gemeinwesen nunmal kein betrieb, eine gesellschaft ist zu unrentablen investitionen verpflichtet, will sie alle menschen, nicht nur die leistungsfähigen. ihre art der denke produziert doch erst den menschlichen "ausschuss". 5. ihr ausgedienter kapital-egoismus ist gerade dabei in seinen letzten wachtumswahn-zuckungen diesen planeten zu zerstören. großes liberales meisterstück. und richtig ich muß nicht dabei zusehen, ich kann auch mitmachen. 6. ist ihnen eigentlich klar an wen diese transferleistungen geflossen sind, wer hat denn die zum teil sogar überflüssigen straßen gebaut? sicher kein ostdeutsches unternehmen, jedenfalls dem sitz nach. 7. wenn sie all diese glorreichen prinzipien so verinnerlicht haben, was schreiben sie her noch rum? scheffeln und wälzen sie die millionen die sie bei ihrem großen können doch längst verdient haben müssten. sie sitzen da in ihrem liberalen leuchtturm und sehen die großen zusammenhänge? wer träumt hier?

ein_Liberaler 28.06.2013 - 13:16:55

Profane betriebswirtschaftliche Denke ...

... täte Ostbrandenburg mehr als gut. @borkenhagen 1. Schulden entstehen durch "die Wiedervereinigung". Interessante Sichtweise. Vorher waren alle schuldenfrei. Das glauben Sie? Das können nicht mal Sie glauben. 2. Wann und warum hat sich die Stadt denn für die BWG verbürgt? Waren die Linken etwa dagegen, die Stadt durch diese Bürgschaft zu über- schulden? Die Bürgschaft nach der Wende ist die Ursache für die Schieflage. Also eine falsche wirtschaftliche Entscheidung aus dem gemeindlichen Raum. 3. Nur die Brandenburger können in Brandenburg eine nicht autarke , aber eigenständige wirtschaftliche leistungsfähige Region entwickeln. Die Schwarzwälder haben das schon verstanden. Solange Sie nicht aus Ihrer Opfermentalität herausfinden, und gestalten, statt zu jammern, kann es Brandenburg nicht gutgehen und kann Brandenburg nicht erfolgreich sein. 4. Ja, Kapitalismus und Egoismus gehen regelmäßig ein enges Bündnis ein. D.h. aber nicht, dass irgendjemand dabei zuschauen müsste, wie er ausgeplündert wird. 5. Ist Ihnen eigentlich klar, wieviel Milliarden an Transferleistungen seit 1990 an Brandenburg und seine Bürger geflossen sind? Für Straßen, Brücken, Autobahnen, Züge, Fabriken, Hartz IV, Renten etc. Träumen Sie etwa davon, dass all dieses hier erwirtschaftet worden ist? Dann stoßen Sie hier auf harten liberalen Granit. @ Nurmut Es ist für den Erfolg Brandenburgs nicht irgendeine wolkige gesamtge-sellschaftliche wohlfühlige Philosophie eines Gemeinwesens gefragt. Brandenburg muss sich der harten wirtschaftlichen Realität stellen. Die wolkige gesamtgesellschaftliche wohlfühlige Philosophie eines Gemein-wesens ist die H A U P T U R S A C H E dafür, dass Brandenburg nicht in die Lage versetzt ist, selbst zu leisten und wirtschaftlich zu arbeiten. @ Borkenhagen Genau diese Subventionen sind ein Ärgernis für jeden Liberalen. Subventionen bringen es nicht. Nur ein bodenständige Wirtschaft, die Brandenburg verpflichtet ist, kann hier für Wohlstand sorgen, nicht globalisierte Beliebigkeit. Dauersubventionen sind das Gegenteil von liberaler Politik.

borkenhagen 28.06.2013 - 12:19:38

wer kommt denn hier her investiert ein wenig und fässt die großen subventionen ab?

beispiel solarbranche: aleosolar in prenzlau meldete kürzlich insolvenz an. wer verbirgt sich hinter diesem schnellgewachsenen und schnellgestorbenen unternehmen. bosch. aber stimmt, was rege ich mich auf, auch ich hätte ja an onkel boschs stelle in die brandenburger solarbranche investieren und zum "weltmarktfähigen" millionensubventionsabfasser mutieren können. ich müder und risikoscheuer brandenburger wollte ja nur nicht.

Nurmut 28.06.2013 - 11:39:46

Monopoly mit Wohnungen

„Unternehmer sind nicht Leute, die Staatsgelder verbrezeln.“ Ich schäme mich als Arbeitnehmer, Subventionsgelder- in Form von Aufstockung, in Anspruch nehmen zu müssen, damit ich meine Lebenshaltungskosten bestreiten kann. Ich bin Mitte 40, habe einen abgeschlossenen Berufsabschluss und sämtliche Qualifikationen im Bereich Zerspannungsmechanik, Fachrichtung Drehtechnik. Dass mein Chef mich befristet eingestellt hat und einen Vermittlungsgutschein erhalten hat, dafür tut er mir leid. Seit dem der neue Controller im Betrieb ist, müssen drei Mitarbeiter zum Jahresende den Betrieb verlassen. Ich fragte: Ist die Auftragslage so schlecht? Nein, aber man beabsichtigt- so der Grundtenor, die Gewinnmarge zu steigern, indem man die Lohnstückkosten senken möchte. Also soll mit weniger Beschäftigten mindestens das Gleiche geleistet werden. Ein anderer fragte: Was kostet der Controller und was leistet dieser? Diese Frage stand nicht zur Debatte. Mein Kollege und ich sind nun auch zum 31.12.2013 gekündigt worden. Inoffiziell heißt es, nun können fünf neue Arbeitsplätze geschaffen werden mit entsprechenden Förderungen. „Wenn mir ein Liberaler, mit seiner profanen betriebswirtschaftlichen Denke die Philosophie eines Gemeinwesen erklären will, ist dass in etwa so, als wenn mir ein Messie Ordnung beibringen möchte.“ Theodore Portmonee

borkenhagen 28.06.2013 - 11:13:20

irrtum!

1. die staatlichen schulden dieser kommunalen wohnungsgesellschaften wurden denen mit der wiedervereinigung übergeholfen, sozusagen im chaos der wende ganz geschickt privatisiert. 2. die stadt ang. hat beim verkauf geglaubt einen dummen gefunden zu haben, der sich die schulden und die marode substanz überhelfen lässt, nur das der dumme am ende der clevere war und sich nicht an die abmachung gehalten hat. 3. die schulden der stadt als bürge der bwg haben sich durch dieses desaster weit mehr als verdoppelt. 4. es waren u.a. die linken die dagegen waren. 5. und das ist der hammer: "Vergleichen Sie einfach mal die Leistung, die in den hintersten Tälern im Schwarzwald erbracht wird mit der Leistung, die 23 Jahre nach der Wende in Brandenburg erbracht wird und sie wissen, wieviel Arbeit und Mühe Brandenburg noch vor sich hat." na sie sind mir ja ein schlaumeier, welche chancen wurden brandenburg denn eingeräumt, auf das niveau des hinteren schwarzwald zu kommen, welche halbwegs gewinnträchtige branche wurde denn nicht von westlichen (auch hinterschwarzwaldlichen) investoren aufgekauft/in den konkurs geführt? es bestand doch nie die absicht brandenburg zu einem autarken bundesland zu entwickeln. der osten sollte die kaufkraft des westens befördern, aber um gottes willen nicht zur konkurrenz werden. das zumindest ist gelungen. 6. sebst heute wird hier noch u.a. von hinterschwarzwäldern geplündert und abgeschöpft was das zeug hält, wie der beitrag sehr anschaulich darstelllt. ihre oberschlaue polemik können sie sich an ihr liberales höschen heften!

ein_Liberaler 28.06.2013 - 10:00:50

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit stellt sich für alle Städte und Gemeinden

Liberale Wirtschaftspolitik, wohlverstanden und vernünftig angewendet führt zu folgendem: 1) Städte und Gemeinden müssen nicht Insolvenz anmelden, weil sie sich auf ihre Kernaufgaben beschränken und nur das leisten, was sie sich leisten können. 2) Liberale Wirtschaftspolitik führt dazu, dass eine vernünftige Qualitäts-kontrolle und Wirtschaftlichkeitskontrolle gemeindlicher Beteiligungen erfolgt. Ein engmaschiges Controlling gemeindlicher Beteiligungen ist für den Erfolg der gemeindlichen Beteiligungen unverzichtbar. Zu dem über Jahre und Jahrzehnte fehlenden Controlling der BWG nehmen Sie leider überhaupt nicht Stellung noch es zur Kenntnis. 3) Die mittelständische Wirtschaft vor Ort erhält genügende Wachstumsimpulse. Brandenburg braucht Einzahler. Brandenburg braucht mehr Unternehmer. Unternehmer sind nicht Leute, die Staatsgelder verbrezeln. Unternehmer sind Leute, die ohne Subventionen weltmarktfähige Produkte zu weltmarktfähigen Preisen herstellen. Vergleichen Sie einfach mal die Leistung, die in den hintersten Tälern im Schwarzwald erbracht wird mit der Leistung, die 23 Jahre nach der Wende in Brandenburg erbracht wird und sie wissen, wieviel Arbeit und Mühe Brandenburg noch vor sich hat. Bodenständige Brandenburg verbundene Unternehmer, das ist die liberale Vision auch für dieses Land. Ich wünsche mir mehr Unternehmer, die diese Vision umsetzen. Warum sind Google, Facebook, Microsoft etc. keine Brandenburger Unternehmen? Weil es hier die idealen Unternehmer und die idealen Standortbedingunen gibt? Warum gibt es hier 23 Jahre nach der Wende keine weltweit tätigen Banken und Versicherungen? Weil Brandenburg den wirtschaftlichen Erfolg erfunden hat? Wo sind denn die Unternehmen jenseits der Staatswirtschaft, die in den nächsten Jahrzehnten den Wohlstand dieses Landes erwirtschaften werden?

Isenhagen 28.06.2013 - 08:06:33

@ein_liberaler

ich kann den Aufschrei eines Liberalen bei diesen Ergebnissen städtischer Wohnungswirtschaft in Kombination mit ungebremster Spekulation gut verstehen. Liegt doch genau das Gegenteil von dem als Ergebnis auf dem Tisch was liberale Wirtschaftspolitik den Menschen verspricht. Das tut weh, sehr weh. Da kommt die alte Keule des Antkommunismus als Strohhalm gerade recht. Was soll man auch sagen als Liberaler in einer solchen Situation?

ein_Liberaler 28.06.2013 - 07:35:56

Lernt wirtschaften statt Nebel zu werfen !

Hatte die Stadt denn das Geld, um selber mit zu ersteigern? Dann hätte sie es ja durchaus tun können.Und die Wohnungen besser verwerten. Das ökonomische Denken der Stadt ist durchaus noch deutlich verbesserungs-würdig. "Die Stadt hat ihre soziale Verantwortung verkauft" ist billigster Wahlkampf. Die Stadt ist endlich einen Dauerverlustbringer losgeworden ist die richtige Feststellung. Die Fehlbewirtschaftung bei der BWG mit Dauerverlusten hat doch an- scheinend über Jahre und Jahrzehnte niemand in den Griff bekommen. Sonst wäre die BWG nicht Pleite. Wer hat denn die Jahrzehnte zuvor der BWG den Weg aus der Pleite gewiesen und dafür gesorgt, dass dort solide gewirtschaftet wird? Die SED-PDS-Linkspartei doch mit Sicherheit nicht. Dieses langjährige Versagen jetzt privaten Investoren überhelfen zu wollen, ist eine mehr als dickfellige Vernebelungstaktik für eigenes langjähriges politisches und wirtschaftliches Versagen. Ländlich geprägte Gemeinden wie Angermünde ohne genügende Gewer-besteuerzahler können es sich schlichtweg nicht leisten, jedes Jahr sechs-stellige Verluste einzufahren. Sonst bluten sie wirtschaftlich völlig aus. Die Linkspartei hatte die Chance, selbst eine (gemeinnützige) GmbH zu gründen und die Blöcke aufzukaufen. Warum hat sie es nicht getan? Wer Mieter "schützen" will, muss eigenes Geld in die Hand nehmen und zeigen, dass er organisieren kann. Mit beidem hapert es anscheinend bei der Linkspartei. Diese will nur Luft befeuchten, erwärme und Schallwellen produzieren. Mit der praktischen konkreten Hilfe hapert es aber ganz gewaltig. Wusste die Linkspartei etwa, dass sie das Problem auch mit eigenem Geld nicht in den Griff kriegt, sondern sich selbst sechsstellige Jahresverluste aufhalst, welche die Stadt nach und nach mit in den Konkurs getrieben hätten? Und ergänzend: wer Monopoly will, kann es sich bei den Westge-werkschaften in den 1960er bis 1980er Jahren zwanglos ansehen. Gewoba, Coop, Neue Heimat und ein IG Metall Vorsitzender Großspekulant lassen grüßen. Auch wer link(s) wirtschaftet, wirtschaftet in die eigene Tasche.

Isenhagen 28.06.2013 - 04:59:24

die MOZ ist offensichtlich sprachlos

nicht einmal eine Notiz zu diesem klassischen Ergebnis perverser Marktwirtschaft. Dabei sollten das die Bürger wissen, unbedingt weil sie nur so einschätzen konnen wo sie leben..

Gotthardt 26.06.2013 - 14:00:23

MONOPOLY und vorgeführt

Das in Angermünde etwas falsch läuft, dürfte mittlerweile jeder begriffen haben. Fakt ist, dass ein Investor Haas für 700.000 Euro ersteigert hat, und innerhalb von wenigen Wochen für 1.700.000 über das Berliner Auktionshaus verkauft hat. Es bedarf keiner großen Untersuchung, dass der gleiche Investor in Prora am KDF-Bad aktiv war. Auch dort hat man für wenige Hundertausend Euro gekauft und für 2.750.000 über das gleiche Auktionshaus verkauft. Man sollte überlegen, ob man diesen Investor als Bürgermeister bei der nächsten Wahl aufstellen sollte. Vielleicht passieren dann solche gravierenden Fehler nicht mehr.

Isenhagen 28.05.2013 - 07:53:24

Monopoly ist doch die Grundlage

des ganzen Gesellschaftssystems. Da muss man sich doch nicht wundern, dass das auch mit Wohnungen passiert. Es soll doch keiner glauben, dass Wohnungen gebaut oder gekauft werden um Lieschen Müller vor dem Wetter oder den Wölfen zu schützen. Man will damit Geld verdienen und zwar soviel wie möglich. Diese Rahmenbedingungen haben einen Geruch den anständige Menschen eigentlich gar nicht aushalten können. Aber unsere "politische Klasse" hat damit kein Problem. Soll doch die Stadt Angermünde alle Steuern, Gebühren, Umlagen und Kosten erhöhen und dann die Wohnungen zurückkaufen. Die Berliner machen das mit ihren Wasserwerken ja wohl auch so.

Herbert Sonne 28.05.2013 - 06:06:20

Das ist noch lange nicht das Ende!!!

Sofortiges Heranziehen des Privatvermögens von den "Bürgervertretern", die das verbockt haben!!!!! Und wenn die das nicht zahlen wollen oder können, gibts dreimal Mahnung, Vollstreckung, Pfändung - so, wie die das mit den Menschen auch machen.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG