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Eltern kritisieren fehlende Lehrerreserve / Schulrätin im Bildungsausschuss Storkow

Protest gegen Schulausfall

Iris Stoff / 31.05.2013, 16:55 Uhr - Aktualisiert 31.05.2013, 18:12
Storkow (MOZ) Eltern und Lokalpolitiker wollen jetzt auch auf der politischen Schiene aktiv werden, um etwas gegen den hohen Stundenausfall an Schulen zu tun. Das war Konsens im Bildungsausschuss des Storkower Stadtparlamentes am Donnerstag. Die Frankfurter Schulrätin Ramona Schmidt stellte sich der Diskussion.

Die nüchternen Fakten sind erschreckend: Vom 5. März bis zum 26. Mai sind an der Europaschule Storkow 9,5 Prozent des Unterrichtes ausgefallen. Das hat eine Analyse ergeben, die der Vorsitzende der Schulkonferenz Lars Ziemert vorgenommen hat und im Bildungsausschuss vorstellte. "Dieser Ausfall ist zu hoch", betonte er, "Und die Zahl widerspricht auch den Aussagen der Bildungsministerin von zwei Prozent Ausfallquote im Land." Lars Ziemert forderte: "Wir müssen etwas tun. Die Maßnahmen an der Schule sind alle ausgeschöpft. Es gibt einfach zu wenig Lehrer."

Das Problem betreffe aber nicht nur die Europaschule, weiß der Storkower Vater, der auch Mitglied im Kreiselternrat ist. "Es gibt nur wenige, wo es nicht so ist. Da gibt es zum ein Beispiel eine Schule im Landkreis, wo in einer Klasse gar kein Physikunterricht erteilt wurde." Deshalb bereite der Kreiselternrat derzeit eine Petition an den Landtag vor, Eltern wollen Unterschriften sammeln.

Der Storkower Schulleiter Ingolf Knobloch bestätigte die Analyse von Lars Ziemert. "Die Zahlen sind korrekt", sagte er. "Wir haben 33 Lehrerkollegen, jeder gibt drei Prozent der Stunden. Wenn einer nicht da ist, ist unsere Vertretungsreserve aufgebraucht. Momentan gibt es zwei dauerkranke Lehrer." Der Ausfall konzentriere sich besonders auf die Oberstufe, vor allem die 7. und 8. Klassen seien betroffen, mit Abstrichen auch die 5. und 6. Klassen. Als ein Problem sieht der Schulleiter auch, dass in den letzten Jahren wenig junge Kollegen eingestellt worden seien. Das Kollegium an der Europaschule habe ein Durchschnittsalter von 52 Jahren. "Es fehlt Geld, um mehr Bildung zu organisieren", konstatierte er. "Das ist eine landespolitische Aufgabe, die da gelöst werden muss."

Der Abgeordnete Johann Kney (Fraktion Ortsteile) zeigte sich entsetzt: "Das ist nicht hinnehmbar! Wo leben wir denn eigentlich? Was hat denn die Bildung für einen Stellenwert? Da ist nicht genügend Geld da, aber zum Beispiel beim Flughafen wird es versenkt. Das kann man nicht mehr mit Schulterklopfen abtun."

Die Storkower Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig (SPD) hatte bereits im März in einem Brief an das Staatliche Schulamt auf die Problematik verstärkter Unterrichtsausfall sowie hohe Klassenfrequenzen an der Europaschule aufmerksam gemacht und um ein konstruktives Gespräch gebeten. In ihrem Antwortschreiben verwies die zuständige Schulrätin Ramona Schmidt auf den Schulleiter als kompetenten Gesprächspartner. Fast zwei Monate später war sie nun am Donnerstag aber nun doch im Bildungsausschuss zu Gast.

Dabei stellte die Schulrätin gleich zu Beginn ihrer Ausführungen klar, dass das Schulamt nur innerhalb der vom Land gesetzten Rahmenbedingungen agieren könne. "Ich bin hier als Verwaltungsmensch", sagte sie. "Die Situation ist uns bekannt. Es ist ein landesweites Problem." Das Schulamt sei nicht in der Lage gewesen, bei dem Engpass in Storkow Reserven zu mobilisieren. "Wir bekommen eine gewisse Zahl von Lehrern zugeteilt, mehr ist nicht da." Es gelinge nicht, kurzfristig Leute einzustellen, schilderte die Schulrätin. "Der Markt ist leergefegt, wir haben zu tun, auch die unbefristeten Stellen zu besetzen."

Es sei den Abgeordneten schon klar, dass das Schulamt nur einen begrenzten Spielraum habe, entgegnete die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Gabriele Baum (Fraktion Neues Storkow). "Aber es ist uns wichtig, dass Sie heute mal direkt von uns hören, wie prekär die Situation ist."

Das Problem liege schon Jahre zurück, so Gabriele Baum. Man hätte viel früher junge Lehrer ausbilden müssen. "Wir können jetzt nur politischen Druck machen. Es sind ja bald Landtagswahlen." Der Schulrätin gab sie im Namen des Ausschusses mit auf den Weg: "Nehmen Sie unseren Hilferuf mit und auch unsere Bereitschaft, zu kämpfen. Schließlich sind die Kinder unsere Zukunft."

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Ronald 02.06.2013 - 13:45:44

Nicht nur die SPD...

... ist an dem Drama Schuld, auch DIE LINKE, denn auch die ist in der Regierung und stellt siich immer so hin, als wenn sie doch alles für die Kinder tun. Aber wie habe ich gerade erst gestern in einem dieser kostenlosen Wochenblätter in einer ganzseitigen Anzeige gelesen: "Die Linke wirkt in Brandenburg" Man merkt es am Unterrichtsausfall, und zum Beispiel auch am Personalschlüssel in den Kita´s in Brandenburg mit seiner tollen sozialen Regierung ist man dort mit das schlechteste Land. Siehe hier. http://www.t-online.de/eltern/kleinkind/id_44344892/kindertageseinrichtungen-bestes-betreuungsverhaeltnis-in-bremen.html

Dirk W 01.06.2013 - 09:38:51

Regierungsverantwortung

Seit 1990 ist die SPD für die Schulpolitik in Brandenburg verantwortlich... Nun sieht man was dabei herausgekommen ist. Und das ist nicht die einzige Baustelle sozialdemokratischer Politik.

Dirk W 01.06.2013 - 09:38:34

Regierungsverantwortung

Seit 1990 ist die SPD für die Schulpolitik in Brandenburg verantwortlich... Nun sieht man was dabei herausgekommen ist. Und das ist nicht die einzige Baustelle sozialdemokratischer Politik.

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