Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jugend an die Macht

Nachwuchspolitiker simulieren bei Jugend und Parlament die Gesetzgebung.
Nachwuchspolitiker simulieren bei Jugend und Parlament die Gesetzgebung. © Foto: Bundestag
André Bochow / 05.06.2013, 12:00 Uhr
Berlin (MOZ) Einmal im Jahr dürfen auch Nichtparlamentarier im Bundestag sprechen. Immer dann, wenn für vier Tage die Aktion "Jugend und Parlament" läuft. Für erfundene Parteien bilden Jugendliche Fraktionen und streiten wie echte Abgeordnete.

"Ist ja nicht besonders bunt hier", sagt ein ARD-Volontär beim Anblick der geschniegelten Jungparlamentarier. Er hat recht. Es sind mehr feine Anzüge zu sehen als in manchen Bundestagsdebatten. Und wenn man die Augen schließt, kann man den Eindruck gewinnen, die aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten Jugendlichen vertreten ihre jeweiligen Parteien so professionell, dass sie sofort in den jeweiligen Fraktionen anfangen könnten.

Dabei haben sie nur vier Tage, um das Geschäft zu erlernen. Bundestagsvizepräsident Eduard Oswald (CSU) eröffnet die Sitzung. Beim Thema "Anonymisierte Bewerbungen" bleibt kein Auge trocken. Raymundo Kullermann von der Christlichen Volkspartei (CVP) spricht von der "Diversifizierung des deutschen Volkes", Eva-Maria Eschenburg von der oppositionellen Arbeitnehmer-Partei (APD) hält die Bewerbungsfrage für so wichtig, dass sie ein "to be, or not to be" ("Sein oder Nichtsein") in den Plenarsaal ruft. Und Christian Burckhardt, der Redner der mitregierenden Liberalen Reformpartei (LRP) will erst einmal wissen, ob das Glas auf dem Rednerpult tatsächlich vor seinem Auftritt gewechselt wurde.

Auch die Abgeordneten der PSG (Partei der sozialen Gerechtigkeit) und der ÖSP (Ökologisch-Soziale Partei) verhalten sich nicht anders als die Profis aus den leicht erkennbaren Vorbildparteien. Es wird nur für die Redner der eigenen Fraktion geklatscht und der politische Gegner wird verhöhnt. Eine APD-Abgeordnete weist einen Kollegen von der CVP mit den Worten zurecht: "Ich lade Sie gern zum Kaffee ein, um Ihnen zu erklären, was Sie für einen Unsinn verzapft haben!" Nur: Welchen Sinn hat dieses Imitieren?

Das wird deutlich, wenn man weiß, dass die politikinteressierten jungen Menschen erstens Fantasienamen tragen, zweitens nur teilweise einer parteinahen Jugendorganisation angehören und drittens den imaginären Fraktionen zugelost wurden.

Die Debatte ist Bestandteil eines Planspiels. Allerdings verblüffen die meisten Spielteilnehmer mit erstaunlichem Einfühlungsvermögen. Nach mehrfach bekundeter Auffassung der den Fraktionen Zugelosten sei der Lerneffekt enorm, wenn man sich in die Gedankenwelt der Anderen begibt. Denn, so erklärt es Bundestagspräsident Norbert Lammert, "es geht immer um Interessen". Die werden im Politikbetrieb vor allem von Parteien vertreten. "Eine funktionierende Demokratie ist ohne Parteien nicht zu haben", sagt Lammert. Am Ende bekommt er Beifall.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG