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Bevölkerungszählung korrigiert amtliche Einwohnerzahl der Stadt auf 31785

Schwupps, zweitausend Leute weniger

Auszug aus Abrisshäusern: Das Schwedter Umzugsunternehmen TPS räumt die Wohnung eines der letzten Mieter in der Grambauerstraße 8. Das Gebäude der Wobag ist 2014 zum Abriss vorgesehen. 20 000 Einwohner hat die Stadt seit 1990 eingebüßt. Heute leben 31 785
Auszug aus Abrisshäusern: Das Schwedter Umzugsunternehmen TPS räumt die Wohnung eines der letzten Mieter in der Grambauerstraße 8. Das Gebäude der Wobag ist 2014 zum Abriss vorgesehen. 20 000 Einwohner hat die Stadt seit 1990 eingebüßt. Heute leben 31 785 © Foto: Stefan Csévi
Michael Dietrich / 06.06.2013, 23:56 Uhr
Schwedt (MOZ) In der Stadt, in der einst 52 000 Menschen wohnten, leben heute nur noch 27 000. Der Zensus 2011 hat die Bevölkerungszahl korrigiert Inklusive der Ortsteile wurden 31 785 Schwedter ermittelt. Das war im Mai 2011. Heute dürften es nur noch knapp 31000 sein.

Die einst stolze, über 50000 Einwohner große Stadt verliert seit der Wende jährlich an Bevölkerung. Anhaltender Wegzug und mehr Sterbefälle als Geburten haben Schwedt kleiner werden lassen. Mittlerweile haben in der Summe mehr als 21 000 Schwedter die Stadt verlassen. Nur dank der 4000 Einwohner in den eingemeindeten Ortsteilen hat die Stadt die 30000er-Marke noch nicht gerissen.

Die Statistiker im Rathaus hatten schon lange vermutet, dass die vom Land amtlich herausgegebene Bevölkerungszahl von zuletzt noch 33 578 zu hoch bemessen war. Ihr eigenes Melderegister wies schon seit Jahren 1200 Einwohner weniger aus. Doch die Abweichung um mehr als 2000 Einwohner hat die Stadtverwaltung gehörig überrascht. Auf einen Schlag fehlen Schwedt so viele Einwohner, wie die Stadt sonst innerhalb von fünf Jahren verliert. "Die Auswirkungen sind enorm. Die Stadt erhält plötzlich weniger Schlüsselzuweisungen vom Land, hält aber die gleiche Infrastruktur vor. Wir müssen uns beim Land gemeinsam mit anderen Kommunen dafür stark machen, dass es Übergangsregelungen gibt, die die Auswirkungen abfedern", erklärte Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl.

Schwedt rechnet mit einer Schlüsselzuweisung von 13 Millionen im Jahr. Eine um sechs Prozent gesunkene Einwohnerzahl schmälert die Pro-Kopf-Zuweisung erheblich. Noch liegen die Zahlen vom Land zur Berechnung nicht vor, Finanzexperten rechnen jedoch mit mehr als einer Million Euro Einbuße.

Auf das Schrumpfen ist die Stadt seit langem eingerichtet, hat konsequent Leerstand abgerissen, um keine Geisterviertel entstehen zu lassen. Klubs wurden dezimiert, Schulen und Sporthallen abgerissen, Einrichtungen zusammengelegt, Medien zurückgebaut. Doch der Bevölkerungsschwund ist nicht mehr auf die jüngsten DDR-Baugebiete Waldrand und Kastanienallee zu begrenzen. Er kommt im Stadtzentrum an. Schon im nächsten Jahr wollen die Wohnbauten am Marchlewskiring mit dem Abriss beginnen. Die Stadt wird schon bald auf die Hälfte ihrer einstigen Größe ausgeblutet sein. Bei circa 400 Einwohnern, die pro Jahr verloren gehen, werden 2015 weniger als 26 000 Einwohner in der Kernstadt von Schwedt wohnen.

Mit dem deutlichen Einwohnerschwund wird möglicherweise auch ein neues Rathaus kleiner. Eigene Ämter wie das Bauordnungsamt, die Wohngeldstelle oder Ausländerbehörde dürfen nur große kreisangehörige Städte vorhalten. Bedingung: mehr als als 35000 Einwohner. Diese Einwohnergrenze hat Schwedt mit der Bereinigung der amtlichen Einwohnerzahl nun mehr als deutlich gerissen.

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Isenhagen 05.09.2013 - 04:56:09

Schwedt pendelt sich nicht ein,

Schwedt geht runter auf 10000 Einwohner, ob sie wollen oder nicht. Und gnade Gott, dass das PCK erhalten bleibt sonst geht es noch schneller auf noch kleinere Zahlen zu. Es gibt keinen Grund für Menschen dort am Rande der Welt zu leben, wovon denn auch? Und vor eigener aktiver Strukturpolitik hat dieser Staat mehr Angst als vor den Kommunisten.

D. Sch. 07.06.2013 - 23:23:08

@Olaf Viereck

Zustimmung! Genau wie @Leser, nicht weniger selten so gelacht!

Leser 07.06.2013 - 21:06:39

@Olaf

selten so gelacht

Olaf Viereck 07.06.2013 - 19:23:34

Krankschrumpfen

Die Tendenz ist eindeutig, es geht nicht mehr um "gesundschrumpfen", wie man uns noch vor Jahren erzählte. Die unappetitlichen Nazis und die allgemeine Polenphobie schrecken mögliche Zuzügler aus diesem Bereich ab. Ibraimo Alberto und seine Familie sind nicht vergessen, auch nicht die heuchlerische Entrüstung, nachdem er die rassistische Situation hier als Hauptgrund für seinen Weggang benannt hatte. Vielleicht pendeln wir uns in 20 Jahren dank neuer Zuwanderung und dem - dank Alkohol - vorzeitigen Hinscheiden der äußerst rechten Gestalten, bei zehn oder zwölf tausend Menschen ein,

Burkhardt Burmeister 07.06.2013 - 16:44:56

Mehr Aufträge an Schwedter Unternehmen

Lieber Herr Bürgermeister, Vergeben Sie doch mehr Städtische Aufträge an Schwedter Unternehmen.Denn unsere Handwerker mit ihren Familien wollen hier in Schwedt bleiben.Wem nützen sonst die schönen Parks und Häuser.wenn keiner mehr da ist. Bei noch weniger Einwohner hätten auch Ihre Mitarbeiter keine Arbeit mehr. B.B.

Bürger dieser Stadt 07.06.2013 - 14:35:34

zum Thema

es ist doch egal, ob es 1000 oder 2000 Leute weniger sind. Erschreckend ist, dass immer noch Leute aus Schwedt abwandern, weil sie hier keine ausreichend bezahlte Arbeit finden. Beim Bürgermeister vermisse ich da entsprechende Gegenmaßnahmen. Oder, lieber Herr BM, was haben Sie in letzter Zeit getan, um hier neue Arbeitsplätze zu schaffen? Die nächste Wahl kommt bestimmt, und dann.....

Skeptiker 07.06.2013 - 12:26:47

Müllabfuhr

Fragt doch mal die Müllabfuhr, bzw. korrekt muss es heißen, die Abfallentsorgung, die wissen genau wer, wieviele und wo wer wohnt. Ich verstehe den ganzen Zensusquatsch sowieso nicht. Wir sind (fast) alle online und vernetzt, ein paar Mausklicks müßten doch genügen und alle Daten sind parat.

Frank Bornschein 07.06.2013 - 12:14:09

dieser Zensus ist Anzweifelbar

wenn man sich genau vergegenwärtigt, wer überhaupt von diesem Zensus erfasst wurde und wie diese Fragen gestellt wurden und wie sie dann auch beantwortet wurden, muss man diese sog. Volkszählung als eine reine Farce bezeichnen. Denn in Wahrheit diente sie, wo noch nicht einmal 10% aller Mieter in den Wohnungen, aber nahezu alle Eigenheim- und Eigentumswohnungsbesitzer, beteiligt waren, der Vermögenserfassung für die ins Auge gefasste Zwangsabgabe bzw. Zwangshypotheken. Denn anders lassen sich die enormen Staatsschulden nicht mehr abbauen, als über die Enteignung des sog. kleinen Mannes und dem ungenierten Griff ins Portemonnaie bzw. in die Sparguthaben. Es wäre daher ratsam, die jeweiligen Einwohnermeldeämter zählen mal selbst.

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