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Chronist mit Feder und Bleistift

on Künstler zu Künstler: Manfred Neumann mit seiner Kreidezeichnung „Der Bildhauer E. Thoms“
on Künstler zu Künstler: Manfred Neumann mit seiner Kreidezeichnung „Der Bildhauer E. Thoms“ © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Stephanie Lubasch / 12.06.2013, 20:39 Uhr
Beeskow (MOZ) Jung, wild, fast ein bisschen zornig blickt einem der junge Mann auf der Lithografie entgegen. Der kleinformatige Willkommensgruß, platziert neben dem Eingang zur Dachetage der Burg, ist die früheste Arbeit, die Manfred Neumann mit nach Beeskow (Oder-Spree) gebracht hat. 50 Jahre sind seit Entstehung dieses Selbstporträts vergangen; damals, erzählt der Frankfurter Maler und Grafiker, war er 25 und noch Student an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.

Im Oktober dieses Jahres wird Neumann 75. Und aus diesem Anlass gleich mit zwei Ausstellungen in der Region geehrt. Während die Burg Beeskow ab Sonnabend eine Auswahl seiner Zeichnungen, Drucke und Grafiken zeigt, widmet sich die Städtische Galerie Eisenhüttenstadt ab August Neumanns malerischem Werk.

Die gut 30 Arbeiten, die in der Schau "aufgezeichnet ... mit Bleistift, Kreide, Tusche und Druckfarbe" den Reigen eröffnen, liefern dabei nicht nur einen Querschnitt durch Neumanns Schaffen. Sie erlauben gleichzeitig einen Blick in die Geschichte der Region und ihrer Menschen. Ein "Chronist von Frankfurt(Oder)" ist der Maler einmal genannt worden. Immerhin hat er über die Jahre allein 200 bis 300Persönlichkeiten seiner Heimatstadt porträtiert. Den Kantor Hans Stein zum Beispiel, den man jetzt in Beeskow wieder entdecken kann, und den Pfarrer Christian Gehlsen. Gegenseitig Modell gesessen haben sich wiederum Neumann und sein Künstlerkollege Erhard Thoms: Mit Kreide eingefangen, ist es vor allem der Blick des Marxdorfer Bildhauers, der den Betrachter fast magisch anzieht.

"Ich brauche immer einen bestimmten Anlass", erklärt Neumann die Auswahl seiner Modelle. "Mal sind es Begegnungen, bei denen ich plötzlich etwas an meinem Gegenüber entdecke, mal ein Erlebnis, das ich mit ihm habe." So sind auch die Porträts eines Melkerlehrlings und eines mongolischen Ehepaares entstanden.

Mit Kohle festgehaltene Skizzen von Proben im einstigen Frankfurter Kleisttheater, ein Sandhügel bei Mallnow, die Beeskower Kirche St. Marien vor ihrem Wiederaufbau, ein Blick aufs Oderbruch: Viele der ausgestellten Arbeiten zeigen Neumann auch als genauen Beobachter seines unmittelbaren Umfeldes. Und als einen, der gerade in frühen Jahren mit Lust verschiedene Techniken ausprobiert hat. Monotypien hängen neben einer Collage, Rohrfeder- neben Rötel- und Tuschezeichnungen, bei denen er den lockeren, ausladenden Strich ebenso beherrscht wie den fein gesetzten. Dem Betrachter eröffnet die Beeskower Ausstellung so einen spannenden Einblick in Neumanns Kunstuniversum - mit dem schönen Versprechen, dass eine Fortsetzung folgt.

Vernissage: Sonnabend, 15Uhr, dann bis 18.8., Di-So 9-19Uhr, Burg Beeskow; Malerei von Manfred Neumann, ab 17.8., Galerie des Städtischen Museums Eisenhüttenstadt

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