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Gemeinsame Gedenkveranstaltung von Stadt und Landkreis an den Aufstand in der DDR vor 60 Jahren

"Wir wollen freie Menschen sein"

Ehrendes Gedenken: Zuerst legten Landrat Gernot Schmidt, die Vorsitzende der Stadtverordneten Cornelia Stark und Bürgermeisterin Elke Stadeler am Montag am Gedenkstein für die Opfer des DDR-Aufstands vom 17. Juni 1953 vor der Barnim-Kaserne Blumen nieder
Ehrendes Gedenken: Zuerst legten Landrat Gernot Schmidt, die Vorsitzende der Stadtverordneten Cornelia Stark und Bürgermeisterin Elke Stadeler am Montag am Gedenkstein für die Opfer des DDR-Aufstands vom 17. Juni 1953 vor der Barnim-Kaserne Blumen nieder © Foto: MOZ Gerd Markert
Detlef Klementz / 18.06.2013, 07:19 Uhr
Strausberg (MOZ) Unter dem Titel "Wir wollen freie Menschen sein" haben die Stadt Strausberg und der Landkreis Märkisch-Oderland am Montag mit einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung an den Aufstand in der DDR vor 60 Jahren erinnert. Auch eine Plakatausstellung und ein Dokumentarfilm tragen diesen Titel.

Es begann am Nachmittag mit einer feierlichen Kranzniederlegung am Gedenkstein für die Opfer des Aufstands in der DDR am 17. Juni 1953 vor der Barnim-Kaserne, Hennickendorfer Chaussee. Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) konnte neben anderen den CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz und Landrat Gernot Schmidt (SPD) sowie Vertreter aller Kreistagsfraktionen und von Kommunen begrüßen.

Nicht gekommen war die Familie von Heinz Grünhagen, der für seine Mitarbeit im damaligen Streikkomitee eine mehrjährige Haftstrafe absitzen musste. Ehefrau Irene und Sohn Uwe Grünhagen hatten bereits am Vortag ein Blumengebinde niedergelegt. Die Familie wollte ihre Nichtteilnahme am Montag als Protest dagegen verstanden wissen, dass kein Vertreter der Stadt an der Beisetzung von Heinz Grünhagen am 27. Juli 2012 teilgenommen habe.

Am Abend dann konnte die Bürgermeisterin die meisten der Teilnehmer an der Kranzniederlegung und einige neue Gäste im Heimatmuseum begrüßen. Landrat Gernot Schmidt sprach davon, dass das Thema im Kreis "seit mehreren Monaten kontrovers diskutiert" werde. Der 17. Juni "ist für uns Ostdeutsche ein Tag, an dem Menschen für Demokratie, Tarifautonomie und politische Selbstbestimmung auf die Straße gingen". Das seien im Endeffekt "Märtyrer" gewesen, denn die "weltpolitischen Rahmenbedingungen, der Zustand unseres eigenen Volkes ließen keine Vision und Optionen zu". Gernot Schmidt machte deutlich, dass man den 17. Juni nicht losgelöst von der "Hitler-Diktatur, den Folgen des Krieges und der mentalen Verfassung der Menschen trennen" könne. Dass jemand, der die Lager des Nationalsozialismus durchlitten hat, dies anders sah, als jemand, der nur unter den schwierigen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen litt, sei in der Natur der Sache begründet.

Egal, in welcher Diktatur - wer Widerstand geleistet habe, "gehört zu den edelsten unseres Volkes", betonte Schmidt unter Beifall und fuhr fort: "Wir haben die Pflicht, ihrer zu gedenken, und wir haben die Pflicht, die Opfer zu ehren."

Regionalhistoriker Horst Klein stellte sich dann als Moderator vor und verdeutlichte anhand verschiedener Schriften, dass Strausberg "die Geschichte gründlich aufgearbeitet hat". Auf Zwischenrufe wie "Otto-Grotewohl-Ring" und "Peter-Göring-Straße" ging er nicht weiter ein. Dafür verwies er auf Buch "Strausbergs heißer Juni" von Reiner Schwarze aus dem Jahre 1998. Schwarze erklärte, er habe ab 1993 für seine "Begebenheitsanalyse" Akten studiert und Zeitzeugen befragt. Schwarze kommt darin zu dem Schluss: "Der 17. Juni hat in Strausberg stattgefunden." Er nennt Heinz Grünhagen seinen wichtigsten Zeitzeugen und spricht von "genügend Material: Aber es gibt niemand, der das liest." Aber wenn man über Geschichte rede, "muss das Hand und Fuß haben". Den Zwischenruf, "Was soll diese Belehrung?", übergeht er.

Später berichten mit Kurt Schornsheim und Horst Fröhlich zwei Zeitzeugen, wie sie die Tage um den 17. Juni erlebt haben. Vor dem abschließenden kleinen Empfang wurde noch der Dokumentarfilm "Wir wollen freie Menschen sein" gezeigt. In dem Film von Freya Klier, der am 14. Mai in Leipzig Premiere hatte, kommen Familienangehörige und Beteiligte des Aufstands von 1953 zu Wort.

Zwischendurch hatte die Bürgermeisterin die Plakatausstellung "Wir wollen freie Menschen sein" eröffnet, die sich gleichfalls um Volksaufstand von 1953 dreht und von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erarbeitet worden ist. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 3. Oktober.

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