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Bibliothek des Botanischen Vereins zieht auf den Stadtcampus

Berliner Schatzkammer in Eberswalde geöffnet

Neue Schätze in der Hochschule: Bibliotheksleiterin Claudia Adler (l.) und der Vorsitzende des Botanischen Vereins Hans Sonnenberg (r.) präsentieren die Sammlung.
Neue Schätze in der Hochschule: Bibliotheksleiterin Claudia Adler (l.) und der Vorsitzende des Botanischen Vereins Hans Sonnenberg (r.) präsentieren die Sammlung. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 18.06.2013, 07:57 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Bibliothek des Botanischen Vereins von Berlin-Brandenburg ist vom Botanischen Museum in Berlin-Dahlem nach Eberswalde gezogen. An der Hochschulbibliothek ist die vor 154 Jahren gegründete Sammlung nun öffentlich zugänglich.

Seit 1859 gibt es die Bibliothek des Botanischen Vereins. Ihre Anfänge dürften mit der Gründung des Vereins zusammenfallen, der Umzug nach Eberswalde damit eine Heimkehr sein: Der Gründungsort des Vereins ist ebenfalls hier zu finden - "wo die Bibliothek zuerst wahrscheinlich auch gewesen ist", wie der Vereinsvorsitzende Hans Sonnenberg mutmaßt.

Für die rund 750 Titel, darunter neben Monografien zahlreiche Periodika, beziehungsweise rund hundert laufende Meter Bücher und Zeitschriften, hat der Verein seit November eine neue Herberge in der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE). In der Hochschulbibliothek auf dem Stadtcampus wird sie nun als eigenständige Sammlung präsentiert. Gestern haben Vertreter beider Bibliotheken, der Hochschule und des Vereins die Sondersammlung eingeweiht. "Ich bin glücklich, dass wir heute hier zusammengekommen sind", sagte Vereinschef Sonnenberg. "Als vor anderthalb Jahren der neue Vorstand gewählt wurde, hing eine der ersten Aufgaben wie ein Hammer über uns." Schon länger hieß es, die Vereinsbibliothek platze aus allen Nähten. Gleichzeitig wurde sie kaum noch genutzt. Und es gab niemanden mehr, der sie betreute.

Nach der Anfrage des Vereins vor einem Jahr und vielen Gesprächen konnte Bibliotheksleiterin Claudia Adler diese nun "praktikable, wenn nicht sogar ideale Lösung" präsentieren. Im Freihandbestand der Eberswalder Hochschulbibliothek waren ohnehin neue Strukturen geplant. Daher sei der Zeitpunkt, die Sammlung zu integrieren, ideal. "Aus unserer Sicht ist sie einzigartig und ergänzt unseren Bestand sehr gut." Marlies Böttner, die seit dem Frühjahr im Ruhestand ist, hat die Sammlung aufgearbeitet. Wie viele Druckwerke genau dazugehören, weiß niemand. "Ich habe angefangen zu zählen, aber das war nicht machbar", sagt sie.

Die Hochschulbibliothek hat die Eröffnung außerdem genutzt, eine kleine Dauerausstellung in drei Vitrinen neu zu bestücken. Unter den Themen Botanik und Nachhaltigkeit liegen historische Schätze der Bibliothek aus, beispielsweise Mitschriften von Mineralogie-Vorlesungen im Wintersemester 1840/41.

Auf das Ende des 19. Jahrhunderts gehen die Bestände des Botanikvereins zurück. So ist die "Flora des nordostdeutschen Flachlandes" von 1898/99 - mit persönlicher Widmung vom Vereinsgründer Paul Ascherson - einer der ältesten Originalbände. Selbstverständlich ist das nicht. Zusammen mit Teilen des Botanischen Museums ging die Vereinsbibliothek 1943 bei einem Luftangriff in Flammen auf. Durch Tausch, Schenkungen und Nachlässe wurden die Bestände wieder aufgebaut.

Generell gingen sie auf den Austausch von Schriften mit naturwissenschaftlichen Vereinen und Bibliotheken aus aller Welt zurück. Das Pfund des Botanischen Vereins dabei war seine Jahresschrift. In Dahlem betreute die Biologin Ilse Scholz (81) die Sammlung 45 Jahre lang ehrenamtlich. "Mein Mann war am Botanischen Museum tätig und damals fehlte eine Nachfolger für die Bibliothek", erzählt sie in Eberswalde. Ihn inspirierte der Tauschverkehr unter anderem wegen "der schönen Briefmarken". Sie selbst erhielt über die Bibliothek Zugang zum Botanischen Museum.

"Für uns als Botanischer Verein ist das kein Abschluss, sondern ein Anfang", sagt Hans Sonnenberg bei der Wiedereinweihung der Vereinsbibliothek in Eberswalde. "Mit dem Umzug haben wir die Bestände sozusagen aus dieser geschlossenen Schatzkammer herausgeholt."

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Holger Ackermann 18.06.2013 - 08:53:55

Holger Ackermann

Eine sehr gute Entscheidung! Das hat die wohl "Grünste Hochschule Deutschlands" und deren Studenten auch verdient. Ich were mir das auch einmal anschauen.

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