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Bürgerversammlung zum Schallschutz am Großflughafen

Kommunale Lärmpläne als politische Druckmittel

Joachim Eggers / 26.06.2013, 07:54 Uhr
Gosen (MOZ) Mit eigenen Lärm-Aktionsplänen könnten die Gemeinden im Umfeld des künftigen Großflughafens BER Druck auf die Landesregierung aufbauen - dazu hat Christine Dorn, Schallschutzexpertin und BER-Gegnerin, am Montagabend auf einer Bürgerversammlung in Gosen geraten.

Etwa 100 Zuhörer waren zu der Veranstaltung im großen Saal des Märkischen Hofs gekommen, zu der Bürgerinitiativen aus Gosen, Wernsdorf und Erkner eingeladen hatten. Die Ausgangslage, was Ansprüche auf Schallschutzmaßnahmen angeht, ist in Gosen, Neu Zittau und Erkner nicht sehr günstig: Gosen liegt etwa zur Hälfte, ungefähr ab der Eichwalder Straße, in der sogenannten Nachtschutzzone, in der Anspruch auf Schallschutzmaßnahmen besteht; für die Tagschutzzone verläuft die Grenze deutlich näher beim Flughafen, etwa in Schmöckwitz.

Auf Nachfragen eines Neu Zittauers warnte Christine Dorn davor, darauf zu hoffen, dass die Zonen vielleicht noch erweitert werden. Wer jetzt Schallschutzfenster einbaue, dürfe nicht hoffen, "dass der Flughafen zahlen wird". Zu befürchten sei eher das Gegenteil. Denn festgeschrieben sei, dass nach zwei vollen Flugperioden die Schutzgebiete noch einmal neu ausgewiesen werden sollten, und zwar im Licht der tatsächlichen Flugzeugbewegungen. Weil die Flieger inzwischen merklich leiser geworden sind, sei mit kleineren Schutzgebieten zu rechnen. Ins Tagschutzgebiet kommen Gegenden, in denen zwischen 6 und 22 Uhr ein Dauerschallpegel von 60 Dezibel und mehr herrscht; nachts ist die Grenze bei 50 Dezibel, dazu kann es sechs Mal pro Nacht Krach bis zu 70 Dezibel geben.

Manfred Albrecht und Peter Schulz aus Erkner kritisierten mit scharfen Worten die Rechengrundlagen, die die Belastung systematisch nach unten rechnen würden. Auch nach Auffassung von Christine Dorn ist das Kriterium Dauerlärmpegel nicht geeignet, die störende und gesundheitsschädliche Wirkung von Fluglärm angemessen zu berücksichtigen. Ein Lärmpegel, der aufgrund des ständigen Rauschens einer Autobahn zu Stande komme, sei leichter zu ertragen als die kurzzeitige, aber sehr intensive Störung durch ein Flugzeug.

Ein geeignetes Instrument, das die tatsächliche Belastung zeigen und die Diskussion objektivieren könne, sei eine gemeindliche Lärm-Aktionsplanung, sagte Christine Dorn. Thomas Schölzchen vom Sprecherrat der Bürgerinitiative Gosener Wiesen wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Gemeinde schon Geld für die Anschaffung einer eigenen Lärm-Messstation bereitgestellt hat. Allerdings wird sie von der Flughafen-Gesellschaft bislang nicht anerkannt.

Bürgermeister Horst Buch (SPD), der von sich selbst sagte, er sei nicht unbedingt als Gegner des Flughafens Schönefeld bekannt, sagte, man sollte vor allem darauf pochen, dass die Flugrouten auch eingehalten würden. Er habe jetzt oft den Eindruck, dass die Maschinen entgegen der Routen unmittelbar über das Dorf flögen. Auch da gebe es Beschwerdemöglichkeiten - ähnlich wie im Straßenverkehr, sagte Christine Dorn. Sie mahnte die Initiativen sich dafür einzusetzen, dass die Flughöhe, ab der Piloten ihren Kurs frei wählen dürfen, möglichst hoch gesetzt werde.

Schulz erinnerte daran, dass Erkner und Gosen vorrangig vom Landeverkehr getroffen werden. Um den politischen Druck zu erhöhen, müsse man "Bedrohungsszenarien entwickeln", forderte der Erkneraner.

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Tony 26.06.2013 - 19:04:28

Nicht nur Fluglärm....

Ich weiß, man darf es nicht sagen. Der meiste Krach und Dreck wird von den Leuten selbst produziert. Nicht nur Fluglärm ist gesundheitsschädlich, jeden Tag kreischen bei uns die Kreissägen, Trennjäger, Kettensägen. Der Krach ist so laut, dass man sich nicht mehr draußen aufhalten kann und das bei schönstem Wetter. Oft hat man den Eindruck auf einer Großbaustelle zu leben, wenn wieder die Staubwolken vom Schleifen, durch das Wohngebiet fliegen. Da zu kommt die massive Luftverschmutzung durch immer mehr Holzöfen und Kamine. Im Winter fliegt alles Brennbare durch die Öfen, oft ist ganztägig kein Lüften mehr möglich. Wir haben wieder Ruß auf den Fensterbänken, wie zu DDR-Zeiten. Ich will sagen, wir haben viele Umweltprobleme, die ignoriert werden, aber genau so krank machen!

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