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Trommelalarm für Klimaschutz

Protest in Letschin: 350 Mal lõuteten am Sonntag die Glocken des Schinkelturms. Pfarrer Frank Schneider (Mitte) und Akteure des Vereins Bruchkultur hatten aufgerufen an einer konfessions³bergreifenden Aktion der Kirchen teilzunehmen.Foto: Johann M³ll
Protest in Letschin: 350 Mal lõuteten am Sonntag die Glocken des Schinkelturms. Pfarrer Frank Schneider (Mitte) und Akteure des Vereins Bruchkultur hatten aufgerufen an einer konfessions³bergreifenden Aktion der Kirchen teilzunehmen.Foto: Johann M³ll © Foto:
Mandy Timm / 14.12.2009, 07:57 Uhr
Letschin/Kienitz

Sie alle vereint das gemeinsame Ziel, etwas in Sachen Klimaschutz zu bewegen. Darum haben in Kienitz Umweltschützer mit Trommeln eine halbe Stunde lang Rabatz gemacht. Die Kirchengemeinde Letschin läutete am Adventssonntag 350 Mal die Kirchglocken - die Aktion soll jetzt jeden Sonntag stattfinden.

Die klirrend-kalten Temperaturen schreckten die Umweltschützer nicht ab. Sie trafen sich trotzdem am Sonnabendabend in Kienitz auf dem Naturerlebnishof Uferloos der Familie Bartel. Dort wärmte ein klimaneutrales Lagerfeuer die Gäste. Ein erleuchteter Globus thronte auf einem Holzstamm, um deutlich zu machen, worum es an diesem Abend ging: um den weltweiten Klimaschutz. "Wir wollen nicht einfach abwarten", erklärte Norbert Bartel, "sondern gute Energie nach Kopenhagen senden, in der Hoffnung, dass der Klimagipfel nicht ergebnislos scheitert." In der dänischen Hauptstadt treffen sich zurzeit Vertreter aus 190 Staaten, um sich auf Regeln zur Eindämmung der Erderwärmung zu einigen. Bartel und seine Frau Steffi gehören zur Regionalgruppe des BUND-Lebuser Land-Oderbruch und hatten zu einer ungewöhnlichen Aktion eingeladen. Jeder sollte Trommeln, Rasseln, Kochtöpfe oder Pfannen mitbringen - um eine halbe Stunde lang darauf Rabatz zu machen. Thomas Förder gehörte zu den wenigen Kienitzern, die gekommen waren. Die meisten waren, wie der Bürgermeister von Vierlinden Dirk Ilgenstein, aus den umliegenden Dörfern oder von weiter weg.

Aktionen wie diese, sagte Förder, stimmen optimistisch. Er hob besonders die Anstrengungen von Steffi Bartel hervor. "Sie versucht mit viel Fantasie, dass Kinder hier eine Beziehung zur Natur aufbauen. Dass solche Aktionen wie das Trommeln im Oderbruch überhaupt stattfinden, ist Menschen wie ihr zu verdanken."

Klimaschutz war am dritten Adventssonntag auch das Thema der Kirchengemeinde Letschin. Viele Leute auch aus den umliegenden Dörfern waren gekommen, fast alle mit Kerzen. Die Letschiner Feuerwehrleute kamen in Montur und mit Löschfahrzeug. Auch sie wollten zeigen, dass ihnen Klimaschutz wichtig ist. Der Verein Bruchkultur, deren Mitglieder gegen die geplante CO 2 -Verpressung im Oderbruch protestieren und Betroffene auf die Gefahren hinweisen, war mit einem Infomobil und einer Weihnachtsfrau vor Ort. "Kein Test nach dem Fest", stand auf einem Schild, das der Frau in roter Kutte um den Hals baumelte. Um 15 Uhr läuteten dann 350 Mal die Kirchenglocken. Damit hatte sich die Kirchengemeinde an einer Aktion beteiligt, die gestern weltweit stattfand. Denn: In Kopenhagen beginnt in diesen Tagen die heiße Phase der Klimaverhandlungen. Pfarrer Frank Schneider zeigte sich zufrieden mit dem großen Anklang, den sein Aufruf fand. Gut 100 Bürger nahmen teil. Er verheimlichte aber nicht, dass er sich besonders im Hinblick auf die geplante CO 2 -Verpressung des Energiekonzerns Vattenfall noch mehr Leute gewünscht hätte. "Ich träume davon", sagt er, "dass irgendwann der gesamte Marktplatz voll mit Menschen ist." Vielen Bürgern sei vermutlich noch immer nicht klar, was auf dem Spiel steht, wenn der Vattenfall-Plan Wirklichkeit wird.

Die Glockenaktion soll nicht einmalig in Letschin bleiben. Jeden Sonntag um 15 Uhr werden sie künftig läuten. Einmal im Monat ist außerdem eine größere Aktion der Kirchengemeinde in der Dorfmitte geplant. Sie soll zeigen, dass die Bürger für den Erhalt des Oderbruches stehen.

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