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Ex-Staatssekretär wurde mit einem Empfang und einer Ausstellung verabschiedet

"Kein Ablaß-Museum"

Rückblick: Am 2. Oktober 1990 wurde die NVA aufgelöst. Auch darüber informiert die Ausstellung "Auf dem Weg zur Armee der Einheit - Das letzte Jahr der NVA".
Rückblick: Am 2. Oktober 1990 wurde die NVA aufgelöst. Auch darüber informiert die Ausstellung "Auf dem Weg zur Armee der Einheit - Das letzte Jahr der NVA". © Foto: MOZ Gerd Markert
Detlef Klementz / 27.06.2013, 07:45 Uhr - Aktualisiert 01.07.2013, 09:56
Strausberg (MOZ) Mit einemEmpfang und der Eröffnung einer ständigen Ausstellung hat die Bundeswehr am Mittwoch Werner E. Ablaß verabschiedet. Der frühere DDR-Staatssekretär war zuletzt von 1997 bis 2011 Beauftragter für Sonderaufgaben der Bundeswehr in den Neuen Ländern und danach als Berater tätig.

Werner E. Ablaß hat wahr gemacht, was er gegenüber der MOZ schon vor Jahren angekündigt hatte: Er hat einen Teil seines militärpolitischen Traditionskabinetts in eine ständige Ausstellung zum Thema "Auf dem Weg zur Armee der Einheit - Das letzte Jahr der NVA" eingebracht. Dass dabei nicht alle seine Vorstellungen umgesetzt worden sind, lag an den Historikern, die "kein Ablaß-Museum" einrichten wollten. "Aber das ist es auch nicht geworden", findet er und dankt Torsten Diedrich und dessen Mitstreitern vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt für ihre intensive Arbeit.

Abschied in der AIK Strausberg
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Verabschiedung Werner E. Ablaß

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Schließlich sei die Ausstellung innerhalb von nur fünf Wochen aus dem Boden gestampft worden. "Die fünf Wochen waren die Hölle", sagt er rückblickend und schwächt dann ab: "Oder wenigstens der Vorhof der Hölle."

Zu Beginn hatte der Inspekteur der Streitkräftebasis Vizeadmiral Manfred Nielson die kleine Gästeschar willkommen geheißen. Gekommen waren neben anderen der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maiziére, die seinerzeitige Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl, General a. D. Hans-Peter von Kirchbach und Gerd-Albrecht Engelmann, der bis zur offiziellen Auflösung der Wehrbereichsverwaltung Ost zum 30. Juni noch als deren Präsident fungiert.

Vizeadmiral Nielson erinnerte an verschiedene Lebensstationen von Ablaß, der unter anderem als Pfleger in Züssow, im Buchhandel in Potsdam und bei der staatlichen Versicherung der DDR tätig gewesen war. Der Mitbegründer der Partei Demokratischer Aufbruch war dann Mitglied der letzten DDR-Regierung, 178 Tage lang. Als Staatssekretär im Ministerium für Abrüstung und Verteidigung war er mit der Auflösung der Nationalen Volksarmee (NVA) befasst. Es war der 2. Oktober 1990, als am Ministeriumssitz in Strausberg letztmalig die DDR-Nationalhymne erklang.

Die damaligen Reden kann man nun in der Ausstellung hören. Auch andere Dokumente geben Auskunft über diesen gewichtigen Zeitabschnitt. Insgesamt haben die Historiker um Kurator Stefan Laszlo Kontra gut 60 Exponate zusammengetragen - Plakate, Schriftstücke, Fotos, Tondokumente und anderes mehr. Ergänzt wird die Schau in den früheren Diensträumen von Ablaß durch persönliche Erinnerungsstücke. Abgesehen von Infotafeln wurde im eigentlichen Dienstzimmer nichts verändert. Es sei nur wesentlich aufgeräumter, urteilten Kenner der Räumlichkeiten.

Die einstige Suite mit drei Zimmern und zwei Bädern war übrigens Mitte der 1980er-Jahre für den Oberkommandierenden der Warschauer Vertragsstaaten eingerichtet worden.

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ewidissi 27.06.2013 - 10:56:25

Ablassmuseum - Eine rote Socke weniger

Verehrter Verfasser des Beitrags, die Entlassung in die Arbeitslosigkeit wäre m. E. zu viel an Humanität für das Tun der DDR-Obrigkeit gewesen. Mielke hat das Wort auch ausgesprochen, kannte aber die Bedeutung des Wortes gar nicht. Ich vermute, dass die klassifizierten Feinde des Volkes der DDR/SED/STASI in die geplanten Internierungslager (Hinweis: KZ) gekommen wären. Der große Bruder, Vorbild aller Genossen, hat diese Verfahrensweise jahrzehntelang vorgemacht.

ewidissi 27.06.2013 - 10:56:15

Ablassmuseum - Eine rote Socke weniger

Verehrter Verfasser des Beitrags, die Entlassung in die Arbeitslosigkeit wäre m. E. zu viel an Humanität für das Tun der DDR-Obrigkeit gewesen. Mielke hat das Wort auch ausgesprochen, kannte aber die Bedeutung des Wortes gar nicht. Ich vermute, dass die klassifizierten Feinde des Volkes der DDR/SED/STASI in die geplanten Internierungslager (Hinweis: KZ) gekommen wären. Der große Bruder, Vorbild aller Genossen, hat diese Verfahrensweise jahrzehntelang vorgemacht.

Hagen Stein 27.06.2013 - 10:12:47

Na toll...

Das sind eben Erscheinungen, die eine politische Veränderung nach oben spült. Als einer der Staatssekretäre von Minister Eppelmann waren sie mit Eppelmann wahrlich überhaupt nicht die Fachleute für das Militär - es war politisch so gekommen in dieser Zeit. Jeder der vermeintlichen Oberrevoluzzer sollte einen Posten bekommen. Die Auflösung der NVA, so wie es gemacht wurde, ist keine Ruhmestat der neuen Oberen. An anderer Stelle bei der Polizei wurde auch aufgelöst, das hat ein damaliger Minister Distel durchaus besser, menschlicher hinbekommen. Deshalb ist es keine Glanztat von Eppelmann und seinen Staatsekretären gewesen, zumal sich einer seiner Staatssekretäre mehr im "privaten Grundstücksmanagement" eines NVA-Grundstückes strafrechtlich beschäftigte. Lasst die Kirche im Dorf, in der DDR war mir kein Widerstandskämpfer aus dieser Riege bekannt gewesen. Dann waren es die anderen 70% der Bevölkerung auch.

der Holgo 27.06.2013 - 09:50:22

@Westen

Viele wurden übernommen, weil sie einfach mal Fachkräfte waren. Wenn man einen Fuhrbetrieb übernimmt und da sind Top-Kraftfahrer angestellt, dann behält man die doch und wenn die nicht mehr fahren dürfen, dann geben sie immer noch gute Berater ab. Solche Fachgräfte gibts nun eben nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Verwaltung, beim Militär oder beim Geheimdienst.

Westen 27.06.2013 - 09:17:18

Wieder eine rote Socke weniger !

Habe es nie begriffen.warum solche Leute nach der Wende in den Staatsdienst übernommen wurden. Bei uns ,in der Behörde wurde auch viele der Hauptabteilung 6 der Stasi übernommen. Hätte die DDR die Bundesrepublik übernommen,wären wir alle in die Arbeitlosigkeit entlassen worden.

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