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Holzfelgen gab's bei der Spowa

Lutz Kühnam Donnerstag: Ohne Fahrrad geht es auch mit Ende 70 nicht. Die Siegerschleifen aus den 50er-Jahren hat der Frankfurter für die MOZ hervorgekramt.
Lutz Kühnam Donnerstag: Ohne Fahrrad geht es auch mit Ende 70 nicht. Die Siegerschleifen aus den 50er-Jahren hat der Frankfurter für die MOZ hervorgekramt. © Foto: FOTO Michael Benk
Jörg Kotterba / 27.06.2013, 18:03 Uhr
Frankfurt (MOZ) Die 34. Oderrundfahrt startet Freitag in den zweiten Renntag. 98 Elite-Fahrer nehmen ab 14 Uhr einen 162 Kilometer langen Rundkurs nahe Ziltendorf in Angriff. Einer, der vor mehr als 50 Jahren in den Rennsattel stieg, war Lutz Kühn von Einheit Frankfurt.

Natürlich interessiert er sich noch immer für den Radsport. Selbstverständlich verfolgt er in der MOZ, ob Nils Plötner, Vorjahressieger der Oderrundfahrt, bis Sonntag wieder weit vorn landet - oder seine Jäger im Peloton erfolgreicher sind. Lutz Kühn, heute Ende 70, hat als junger Mann ein Stück Frankfurter Radsport-Geschichte geschrieben. Damals, nach dem Krieg, als sich auch das Sport-Frankfurt aufrappelte, zur Normalität überzugehen - soweit das in der völlig zerstörten Stadt überhaupt möglich war.

Das erste Radrennen nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt ist mit dem 7. September 1946 datiert. Da ging es den Goepelberg 'runter zum Marktplatz am Rathaus - "auf geborgten und zusammengebastelten Tourenrädern", wie im Buch "Sportstadt Frankfurt (Oder)" nachzulesen ist. Fünf Wochen später schon ist von einem 15-Runden-Rennen rund um den Wildenbruchteich die Rede.

Lutz Kühn fuhr ab 1953 bis 1956 für die BSG Einheit Frankfurt - mit der Lizenz-Nummer 2919. Im Land der Mangelwirtschaft "gab es nicht das allerbeste Material und Reifen nur auf Zuteilung. Die Holzfelgen waren bei der Spowa zu haben", erinnert er sich. Spowa - DDR-Kürzel für Sportwaren. Ein Akronym von SPOrt- und WAnderartikel, da in diesen HO-Fachgeschäften neben Sportausrüstung aller Art auch Campingartikel verkauft wurden.

Kühn hat auch das nicht vergessen: Dynamo Frankfurt, als Polizei-Sportverein schon in den Anfangsjahren der DDR privilegiert, köderte die besten Renner der Region mit besserem Material. Bei Kühn bissen sie sich die Zähne aus.

Nur zu gut erinnert sich der gelernte Maschinenschlosser an seine erfolgreiche Rennfahrer-Zeit. So lockte vom 8. bis 10. Juli 1955 in Frankfurt das 1. Bezirks-Turn- und Sportfest. Und eingebettet in diesen Höhepunkt war eine 371 Kilometer lange Bezirks-Etappenfahrt für Völkerfreundschaft an der Oder-Neiße-Friedensgrenze - so der Endlosname. Dieses Rennen, vom Bezirksfachausschuss Radsport organisiert, gilt als Vorgänger der Oderrundfahrt. Bis 1964 war sie den BSG- und SG-Sportlern vorbehalten. Dann nahmen auch polnische Fahrer am Rennen teil. 1964 bereitete sich die Bahn-Nationalmannschaft der DDR mit Wolfgang Schmelzer, Jürgen Hauschild, Jürgen Kissner und Bernd Barleben bei dieser Vier-Etappen-Tour auf die Qualifikation für die letzte gemeinsame deutsche Olympia-Mannschaft vor. Der DDR-Vierer verlor jedoch später den Ausscheid für Tokio gegen das Quartett aus der Bundesrepublik.

"Wir von Einheit mit dem rot-grün-weißen Brustring auf dem Trikot stellten bei der Bezirks-Etappenfahrt die Mannschaft IV. Mit mir gehörten Horst Fuchs, Georg Mehnert und Otto Schillert zum Team. Etappenziele waren damals Eberswalde, Rüdersdorf und Frankfurt." Kühn wurde damals Rundfahrt-Neunter. Nur zwei Wochen nach diesem Rennen, am 23. Juli 1955, erkämpfte er den Kreismeistertitel im 1000-m-Zeitfahren. Und wurde einen Tag später Zweiter in der 400-m-Mannschaftsverfolgung. Die Titelkämpfe fanden auf der Aschenbahn im Stadion der Freundschaft statt. Damals konnte Kühn Joachim Sanne bezwingen - der erste Frankfurter DDR-Meister nach dem Zweiten Weltkrieg. Im September 1951 hatte sich Sanne, damals 17-jährig, in Halle/Saale den DDR-Jugendmeistertitel im Sprint geholt.

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