Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Affäre Kundus und die Armee im Einsatz

Uwe Kr³ger Foto: MOZ
Uwe Kr³ger Foto: MOZ © Foto:
16.12.2009, 20:44 Uhr
Seit Wochen dringen immer neue Details über den von einem deutschen Oberst angeordneten Luftschlag bei Kundus an die Öffentlichkeit. Ein Minister und der oberste Soldat mussten bereits gehen. Ein weiterer Minister steht unter Dauerbeschuss, und für die Kanzlerin wird mühsam eine Verteidigungslinie aufgebaut.

Die Opposition will daraus Kapital schlagen, indem sie in einem Untersuchungsausschuss die Regierung vor sich her treibt. Dabei ist namentlich seitens der SPD viel Heuchelei mit im Spiel. Diese stellte zum Zeitpunkt des Angriffs den Außenminister und sollte nicht so tun, als wäre sie in den vergangenen Jahren mit der Afghanistan-Strategie nur am Rande befasst gewesen.

Die Entsendung der Bundeswehr an den Hindukusch wurde von einer rot-grünen Koalition beschlossen und von einer breiten Parlamentsmehrheit getragen. Zuvor hatte Regierungschef Schröder die militärische Rolle Deutschlands in der Weltpolitik betont. Parallel dazu wurde der Umbau der Bundeswehr zu einer Armee im Einsatz forciert.

Aber an einer Debatte darüber bestand stets wenig Interesse, weil die absehbare Verwicklung in kriegerische Auseinandersetzungen hierzulande auch aus geschichtlichen Erfahrungen auf weitgehende Ablehnung stößt. Da inzwischen das gern transportierte Bild von den uniformierten Entwicklungshelfern in sich zusammengebrochen ist, rückt verstärkt die Sinnfrage in den Vordergrund. Sollen etwa junge Frauen und Männer in einem Konflikt verheizt werden, der militärisch nicht zu gewinnen ist?

Vor einer Antwort drückt sich auch die aktuelle Regierung, die mit der Affäre Kundus eine schwere Hypothek mit sich herumschleppt. Verteidigungsminister war damals ein CDU-Mann. Und es verwundert schon, dass sein Nachfolger von der CSU forsch weitere Interventionen ins Auge fasst und die Streitkräfte noch mehr auf Auslandseinsätze trimmen will.

Wie es aussieht, hat Guttenberg wenig aus den desaströsen Vorgängen in Afghanistan gelernt. Eine Armee im Einsatz nutzt gar nichts, wenn der Kampf um die Herzen und Hirne der Menschen verloren geht.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG