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Fürstengräber mit reichen Beigaben / Silberschatz aus dem 11. Jahrhundert

Sensationsfund am Stolper Turm

Beeindruckender Silberschatz: Die Münzen, die gefunden wurden, stammen aus vielen Ländern. Der Schatz wurde im 11. Jahrhundert vergraben.
Beeindruckender Silberschatz: Die Münzen, die gefunden wurden, stammen aus vielen Ländern. Der Schatz wurde im 11. Jahrhundert vergraben. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Cornelia Hendrich / 04.07.2013, 21:21 Uhr
Stolpe (MOZ) Spektakuläre Funde stellten Archäologen am Donnerstag in Stolpe vor. In Fürstengräbern nahe des Stolper Turms entdeckten sie unter anderem das Skelett eines 14-jährigen Jungen, das eine beeindruckende Geschichte erzählt. Zudem wurde ein riesiger Schatz aus 900 Silberteilen gefunden.

Von "bemerkenswert" bis "spektakulär" reichten die Aussagen der Experten. Man merkte ihnen an, wie begeistert sie waren. Solch guterhaltene, wertvolle Funde haben sie selten.

Acht Gräber hatten sie nahe des Stolper Turms gefunden. Besonders beeindruckte die Archäologen das Grab eines 14-jährigen Jungen. Neben ihm habe sich eine reiche Ausstattung befunden, die zeige, dass er zur Herrscherfamilie gehörte, so der Grabungsleiter Professor Felix Biermann. Man fand ein zweischneidiges Schwert neben seiner Hand, darunter ein Messer. Am Becken lag eine reich verzierte Gürtelschnalle mit Nieten und Schlangenköpfen am Ende. Zudem lag eine Metallschale neben ihm. Diese habe man wohl zur rituellen Reinigung vor Gelagen genutzt. Die Aufnahmen der Knochen und des Schädels zeigen heftige Verletzungen. Lanzeneinstiche und Schwerthiebe, so vermuten die Forscher. Große Schnitte ziehen sich auch über den Schädel. Zwei gebrochene Rippen deuten auf einen Sturz von einem Pferd. "Er war ein Krieger und hat viel gekämpft", sagt der Grabungsleiter. Woran er gestorben ist, konnten die Forscher nicht feststellen. Der 14-jährige Krieger wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts begraben. Dies sei deshalb so interessant, so Professor Biermann, weil diese Zeit der Übergang von der heidnisch-slawischen Stammeswelt ins christliche Mittelalter war. Der junge Krieger gehörte den Slawen an, die eigentlich als friedlich galten. Die Slawen, so haben es Mönche überliefert, waren monogam, friedlich, gute Schwimmer und Fischer und für ihre Gastfreundschaft bekannt. Umgeben von christlichen Völkern lebten am Stolper Turm offenbar die letzten heidnischen Slawen.

Entfernt von den Gräbern wurde in einem Wald bei Stolpe ein Silberschatz gefunden. Insgesamt besteht er aus 900 Stücken. Es sind Münzen aus vielen Ländern und zerhackte Schmuckstücke. Das Geschmeide sei einmal wunderschön gewesen, so Felix Biermann, doch damals habe sein Wert leider nur in seinem Silbergewicht bestanden und sei als Zahlungsmittel wie eine Münze eingesetzt worden. Es sind drei einzelne Schätze, die jedoch nah beieinander liegen. "Es ist ein Mysterium für uns, warum drei so große Schätze binnen 50 Jahren gerade hier vergraben wurden", so Professor Biermann. "Was prädestiniert diesen Ort dafür?", fragte er. Es sei nur klar, dass der Besitzer den Schatz nicht wiederholen konnte, weil ihm etwas zugestoßen war.

Den Anstoß zu den Grabungen, deren Funde die Archäologen in solche Begeisterung versetzten, hatte der Stolper Bildhauer Lars Wilhelm gegeben. Er wohnt am Fuße des Stolper Turms und hatte bei einem Spaziergang die ersten Münzen gefunden und sie gemeldet. Der Bildhauer hatte sich zum ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger ausbilden lassen. Als Dank für seine Leistung wurde er am Donnerstag mit dem Titel "Ehrenamtler des Monats" ausgezeichnet und erhielt eine Urkunde des Ministerpräsidenten.

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Schwe67 05.07.2013 - 16:24:57

Man kann ja nicht alles wissen.

Zitat:"Umgeben von christlichen Völkern lebten am Stolper Turm offenbar die letzten heidnischen Slawen." Was für ein unsinniger Satz. Er ist nicht einmal als hypothetische Frage nachzuvollziehen und ist historisch völliger Quatsch. Auch der Zusatz "offenbar" macht die Sache nicht besser. Abgegrenzt lebende Slawen sind bis weit ins 18. Jahrhundert in der Region nachweisbar. So gibt es dazu Aussagen und Anweisungen der schwedter Markgrafen. Ehen zwischen Deutschen und Slawen wurden zu dieser Zeit immer noch nicht geduldet. Slawen zählten nicht zur Bürgerschaft und wohnten außerhalb der Stadtmauern. Und wer behauptet, daß am Beginn des 12. Jhd. schon zahlreiche christliche Siedlungen den Slawen gegenüber standen, der hat entweder nicht zugehört oder lebt in seiner eigenen Welt. Über den zeitlichen Ablauf der Besiedlung durch Deutsche gibt es nur Mutmaßungen und keine bestätigten Angaben. Wie sonst kam es 1147 zum Wendenkreuzzug ? Man kann ja nicht alles wissen, aber ne gründliche Recherche oder weniger dick auftragen im Artikel wäre angebracht. Das ist ja nah an der Geschichtsfälschung.

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