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Fünf Malstile in der Heckelberger Kirche ausgestellt / Lesung mit Heinrich von der Haar thematisiert Gewalterfahrungen

Landgang mit künstlerischem Tiefgang

Jens Sell / 07.07.2013, 18:11 Uhr
Heckelberg (js) Fünf Maler, fünf Handschriften zwischen abstrakt und gegenständlich. Mit größerer Distanz wirken die Sommerbilder von Christian Nowak wie Aquarelle oder mit leichter Hand hingetuschte Impressionen. Es sind aber Ölbilder, die abstrakt die Luftigkeit und Leichtigkeit des Sommers vermitteln. "Solche Bilder stimmen mich heiter", sagt Heckelbergs Bürgermeister Michael Busch. "Obwohl sie aus abstrakten Einzelteilen bestehen, fügt sich doch jedes Bild zu einem harmonischen Ganzen", sagt Pfarrerin Jutta Biering-Sieberhein, die zur Eröffnung der Ausstellung der Künstlergruppe Landgang - sie eint, dass alle dereinst bei Rosel und Otto Schack auf dem Kunsthof Ackermannshof in die Lehre gingen - die Laudatio spricht.

Schon zwischen den Ehepartnern Tobias Biering und Gabriele Biering bestehen große stilistische Unterschiede. Während die Frau Menschen malt, breitet der Mann einen geheimnisvollen Teppich von Symbolen vor dem Betrachterauge aus: Kreuze, Augen, Gebetstafeln. "Der ab-strakte Maler überlässt dem Betrachter die Deutung seiner Bilder, jeder mache sich daraus vor seinem Hintergrund sein eigenes Bild", sagt Jutta Biering-Sieberhein. Neu dabei ist Jonas Grawert, der sich für sein ausgestelltes Bild vom gotischen Ornamentrahmen des Altars der Heckelberger Kirche inspirieren ließ. Das quadratische, an die Kleeblatt-Ornamentik aufgreifende Gemälde hängt dem Altar gegenüber an der Empore.

Abstrakte Gemälde von Jan Schack komplettieren die aktuelle Exposition. Sie hängen neben dem dauerhaft der Kirche entliehenen gewaltigen Rundgemälde seines verstorbenen Bruders Philipp Schack.

Der Kurmarkverein beschränkt sich nicht darauf, bildende Kunst in die Dörfer der Barnimer Höhe zu bringen, sondern auch Musik und Literatur. So nehmen denn die Vernissage-Gäste in den Kirchenbänken Platz, um Auszüge aus dem autobiografisch inspirierten Roman "Mein Himmel brennt" von Heinrich von der Haar zu hören. Er berichtet von der Kindheit als eines von zehn Geschwistern auf einem kleinen Bauernhof im Münsterland, der ständig um seine Existenz kämpft, auf dem die Kinder früh arbeiten müssen und mit dem Segen der katholischen Kirche harte Prügel als selbstverständliches Erziehungsinstrument kennen. Für die zumeist ostdeutsch sozialisierten Zuhörer klingt es wie Nachrichten aus einer fernen Welt, als der Autor im anschließenden Gespräch berichtet, dass der Rohrstock erst in den 1970er-Jahren aus westdeutschen Klassenzimmern verbannt wurde. Selbst kam der frühere Hochschullehrer erst zum Schreiben, nachdem er in Berlin niedergeschlagen wurde und seine Gewalterfahrungen schreibend verarbeitete.

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