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Bürgerinitiative protestiert gegen Verdreifachung des Gebiets

Crussower entsetzt über Windkraftpläne

Cornelia Hendrich / 09.07.2013, 21:05 Uhr
Crussow (MOZ) Laut neuem Entwurf soll die Windkraftfläche in Crussow verdreifacht werden. Eine Bürgerinitiative protestiert heftig.

Jeder, der nach Crussow fährt, sieht das große, gelbe Plakat am Ortseingang: "Keine neuen Windkrafträder für Crussow" steht da. Zuerst seien 140 Hektar neue Windeignungsfläche um Crussow geplant gewesen, nun seien es sogar schon 174 Hektar, erzählt Jenner Zimmermann, Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Windräder. Das sind umgerechnet 234 Fußballfelder.

13 Leute des 500-Einwohner-Dorfes haben sich zur der Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Die Hälfte von ihnen sind Zugezogene. "Aber wir haben das Dorf hinter uns, 50 Prozent der Erwachsenen Crussows haben gegen die neue Windräder unterschrieben", sagt Jenner Zimmermann. Zudem stehe der Ortsbeirat hinter der Bürgerinitiative.

Den früheren Windrädern habe man in Crussow sogar zugestimmt, damals waren acht geplant, nun stehen 13. Das reicht, sagen die Crussower. Denn es wäre schade, diese schöne Landschaft mit neuen Windrädern völlig zuzustellen, so Jenner Zimmermann.

Es sei ja schon fast ein geschlossenes Windräder-Netz zwischen Parstein, Crussow und Pinnow, argumentiert er. Die Hälfte von Crussow liege zudem im Nationalpark. Man beraube sich des touristischen Potenzials. "Wir befürchten, dass wir kein Landschaftsbild mehr haben, sondern aussehen wie eine Industriezone", sagt er. "Unsere schönen Seen, Hügel, Alleen, was bleibt davon dann?" Die Bürgerinitiative weist zum Beispiel auf den touristischen Aussichtspunkt Fuchsberg hin. Ein Blick von dort auf Windräder würde die Aussicht nicht gerade verschönern.

Die Crussower befürchten darüber hinaus noch mehr Schlagschatten und Lärm. Schon jetzt müssen die vorhandenen Windräder oft abgeschaltet werden. Denn sie stehen im Osten und wenn im Westen die Sonne untergeht, gebe es im Dorf ein "Feuerwerk aus rotierenden Schatten". Jetzt im Sommer sei dies besonders schlimm. Der Lärm erreiche bei Westwind mehr als 45 Dezibel, durch das Brummen der Motoren und das Luftzerteilen der Flügel.

Den Leuten, die ihre Felder für die Windräder zur Verfügung stellen, könne man ja nicht böse sein, so Zimmermann. Der Verdienst sei ja wie ein Lottogewinn.

Die Bürgerinitiative habe bestimmt schon 15 Eingaben eingereicht, alle verhallen beinahe ungehört. "Wir haben uns schon die Finger wund geschrieben", so Zimmermann. Auch von Bürgermeister Wolfgang Krakow wünscht sich die Bürgerinitiative mehr Unterstützung.

Die Windkraftgegner weisen auf den reichen Vogelbestand hin und haben eigene Zählungen von Vogelsichtungen durchgeführt. Martin Flade vom Landesumweltamt, der in Brodowin wohnt, gab eine Beurteilung ab. Er wies auf die vielen rastenden Gänse und auch einige Kranichen in diesem Gebiet hin und regte genauere Untersuchungen an.

"Wir fordern endlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung", so Sprecher Jenner Zimmermann. Auch die neue 1000 Meter Abstandsregelung reiche nicht, die Initiative fordert das Zehnfache der Windradhöhe als Abstand.

Ende des Jahrwes werde der neue Entwurf veröffentlicht, dann werden die Crussower ihre Stellungnahmen gegen das Windgebiet wieder einreichen.

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Rainer Ebeling 10.07.2013 - 21:41:44

Planungschaos bei der Ausweisung von Windfeldern

Die Planungsgemeinschaft hatte eigentlich die ursprüngliche gewaltige Ausweitung (von 58 auf 197 Hektar) des Windfeldes bei Crussow deutlich reduziert. Bei der Sitzung des Planungsausschusses im März 2013 wurde das Windfeld mit immer noch beachtlichen 140ha vorgestellt, aus tierökologischen Belangen. Plötzlich erfolgte dann die Rolle rückwärts. Plötzlich sind diese Belange nicht mehr relevant. Weitere vorgebrachte tierökologische Gutachten und Beobachtungen werden als unzureichend deklariert. Warum wird diesen Beobachtungen nicht durch weitere Untersuchungen nachgegangen? Stellungnahmen der Stadt werden missachtet, die von der Regionalplanung jüngst initiierten Verfahren zur Bürgerbeteiligung, etwa durch Arbeitsberatungen mit den betroffenen Kommunen, gerät dadurch zur Farce. Die Bürgerinitiative wurde vom Brandenburgischen Wirtschaftsminister bereits zu mehreren Gesprächsrunden zur Erhöhung der Bürgerbeteiligung und Transparenz nach Potsdam eingeladen und hat daran konstruktiv mitgewirkt Die Gespräche bei Wirtschaftsminister Christoffers erscheinen in diesem Licht eher als eine Farce. Wenn nicht mal Belange der Kommunen berücksichtigt werden können, brauchen wir auch keine Bürgerbeteiligung, dann wird einfach beschlossen. Und was das Land, der Bund und die Europäische Union an monetärer Förderung zur Stärkung der Attraktivität der Region investiert, wird durch die Damen und Herren der Planungsgemeinschaft und die Windkraftlobby wieder zerstört - durch die völlige Überlastung der Uckermark mit Windkraftanlagen. Wir sind entsetzt über dieses Vorgehen.

BI "Hände weg vom Liepnitzwald" 10.07.2013 - 18:30:03

Beteiligung und Akzeptanz...

Der v.g. Titel ist einer Veranstaltung der IHK in Potsdam entlehnt. In einem Inhaltsbericht schreibt Waltraud Plarre von der BI Kloster-Lehnen aus dem Vorstand der Volksinitiative "Rettet Brandenburg" zu einem Redner aus der Brandenburger Landesregierung folgendes: "Dritter Redner war Staatssekretär Heidemanns, MWE, Land Brandenburg. Seine Rede hatte endlich mal das Negativranking eines Leitsterns zum Inhalt. Er bestätigte offiziell, dass vor frühestens 10 Jahren nicht mit einer wirtschaftlich einsetzbaren Speicherung zu rechnen ist. Mitglieder der BI hatten ja die Werke in Falkenhagen und Dauerthal besucht und dort dasselbe zu hören bekommen bzw. mit der Einschränkung, wenn es überhaupt jemals möglich wird. Er hat offen alle Probleme genannt: - Stromangebot ist 3-4 mal höher als die Nachfrage - Strompreise sind in Brandenburg am höchsten auf Grund der Netzentgelte für Ern.Energie, durch hohe Dichte der Erneuerbaren Energieerzeugung entstehen dem Land hohe Kosten - Börsenpreis beträgt 3 cent und im NO Brandenburgs werden dem EE-Erzeuger 33 cent gezahlt - Brandenburg ist für energieintensive Betriebe als Standort wegen der Preise uninteressant, obwohl hier Energie produziert wird - Investitionen werden durch falsche Preise verhindert z.B. bei Gaskraftwerken - alte KKW und ÖlKW laufen sehr CO2 intensiv, werden aber weiterhin unbedingt gebraucht - viel Netzausbau könnte eingespart werden, wenn Standortnachteile nicht so groß wären, wo Strom produziert wird, müssen Produktionsstätten angesiedelt werden - zu viel Solaranlagen haben keinen Sinn, aber Batterien für Dachmodule für 24 Std.Speicherung (Eigenverbrauch) reduzieren Preis auf 22 Cent/ KWh - Bioäthanol zum Tanken hat zu hohen Landverbrauch bei einer Anzahl von 16 KFZ - Elektromobilität – es wird zu wenig Kapazität dadurch eingespart - dezentrale Energieerzeugung erfordert zu viel Netze - schwankende Einspeisung EE birgt Black-out Gefahr!!!!! Herr Heidemanns vertrat die Meinung, dass es ehrlich besprochen werden muss, wenn die Ökobilanz negativ wird und die Förderung teils sinnlos ist. Er sagte: ”Die Preispolitik ist das Gegenteil von dem, was wir brauchen. Die Forderung kann nur heißen: mehr Energieeffizienz!” Herr Kuhnert, wäre es nicht eine Möglichkeit, die Forderungen nach einem Energiekonzept dahin zu lenken, Fördermittel für Batteriespeicher für Dachmodule zum Eigenverbrauch zu beantragen? Da könnte man doch mit öffentlichen Gebäuden anfangen. Auch der letzte der mit Vernunft begabten Abgeordneten, muss doch akzeptieren, dass Windkraftausbau unter o.g. Erkenntnissen zum Schaden für das Land und die Bürger wäre! Welcher Abgeordnete kann mit egoistischer Absicht zur Abschöpfung von Fördermitteln, einen zu erwartenden späteren Schaden für alle in Kauf nehmen?" WIr fragen daher alle Abgeordneten in den Gemeinden sowie dem Kreis- und Landtag, was muß man Ihnen noch alles vortragen, um Ihr Urteilsvermögen wieder der Realität anzupassen? Wir fordern ein sofortiges Aufstellungsmoratorium für weitere Windkraftwerke in Brandenburg!

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