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Bald sprudelt es vor der Villa Hahn

Halbzeit: Da die Pflanzen gerade in ihrer Wachstumsphase sind, darf Jens Kroll den Brunnen erst ab Mitte August weiter ausgraben. 2014 soll er nach vier Jahrzehnten wieder sprudeln
Halbzeit: Da die Pflanzen gerade in ihrer Wachstumsphase sind, darf Jens Kroll den Brunnen erst ab Mitte August weiter ausgraben. 2014 soll er nach vier Jahrzehnten wieder sprudeln © Foto: FOTO Michael Benk
Martin Stralau / 15.07.2013, 17:57 Uhr
Frankfurt (MOZ) Im Vorgarten der Villa Hahn in der Heilbronner Straße 19 könnte schon im nächsten Jahr ein Springbrunnen sprudeln. Freigelegt hat ihn Jens Kroll von der dort ansässigen Rechtsanwaltskanzlei kbz nach einem Tipp von älteren Frankfurtern. Momentan ruhen die Grabungsarbeiten.

Er steht keine 400 Meter Luftlinie vom Comic-Brunnen in der Innenstadt entfernt und könnte dem kitschig bunten Bauwerk, das noch immer nicht sprudelt, schon bald den Rang ablaufen. Die Rede ist von einem 120 Jahre alten Brunnen in der Heilbronner Straße 19, der sich im Vorgarten der Villa befindet, die den Frankfurtern als Villa Hahn und Villa Trowitzsch bekannt ist. Hedwig Hahn war eine Frankfurter Ärztin und die letzte private Bewohnerin, die in dem Gebäude lebte und praktizierte. Zuvor war die Villa im Besitz von Eugen Trowitzsch. Der Frankfurter Hofbuchdruckereibesitzer hatte das damals noch unter der Adresse Wilhelmsplatz 21 geführte Grundstück 1887 gekauft und dort die Villa und im Vorgarten einen Brunnen errichten lassen.

Viele ältere Frankfurter erinnern sich noch an das Bauwerk, das immerhin 80 Jahre funktionstüchtig war, wie Jens Kroll von der Rechtsanwaltskanzlei kbz berichtet, die heute in der Villa ihren Sitz hat. "Anfang Juni sind wir von einigen Leuten darüber informiert worden, dass es hier im Vorgarten einen Brunnen gibt ", sagt Kroll. Er habe dann noch am selben Tag eine Probeschachtung gemacht. In den Wochen danach ging es dann mit dem Spaten zur Sache. "Damit der Brunnen wieder sichtbar wird, muss die Fläche drumherum um etwa 50 Zentimeter tiefergelegt werden", erzählt Kroll. Die Hälfte habe er bereits ausgegraben. "Der Brunnen ist in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand", freut sich Kroll, "und das, obwohl er mehr als 40 Jahre stillgelegt war."

Bis der komplette Brunnen freigelegt ist, werden allerdings noch gut zweieinhalb Monate vergehen. Denn momentan muss Kroll seinen Spaten ruhen lassen. "Das Umweltamt hat es verboten, derzeit zu graben. Die Pflanzen im Garten befinden sich gerade in der Wachstumsphase, der Wurzelbereich könnte beschädigt werden", sagt Kroll. Mitte August dürfe er weiterbuddeln. Kroll hofft, dass sich die Frankfurter und ihre Gäste dann schon im kommenden Jahr am sprudelnden Brunnen erfreuen können.

Gerade für die Gäste der Stadt, aber auch für die von ihren vielen trockenen Brunnen genervten Frankfurter wäre das ein schöner Anblick und ein weiterer Anreiz, der Villa mal einen Besuch abzustatten. Das Gebäude zieht nach wie vor viele Neugierige an. Es ist zwar nicht mehr öffentlich zugängig. Doch wenn sie gefragt werden, zeigen Kroll und seine Kollegen aus der Kanzlei Besuchern gerne die unter Denkmalschutz stehende Villa.

Dessen einstiger Besitzer Eugen Trowitzsch hatte auf dem Grundstück aber nicht nur ein pompöses Gebäude errichten lassen. Auf dem Eigentum des Besitzers der Königlichen Hofbuchdruckerei Trowitzsch & Sohn entstanden bis 1888 außerdem ein Redaktions- und Wirtschaftsgebäude und eine Druckerei. Seit 1949 hat dort die Glaubensgemeinschaft Apostelamt Jesu Christi ihr Domizil.

Schon seit Anfang der 1920er Jahre wohnte das Ärzte-Ehepaar Rudolf und Hedwig Hahn im Obergeschoss der Villa. Beide praktizierten bis in die 1960er Jahre im ehemaligen Redaktionsgebäude. 1965 zog das Museum Junge Kunst mit seinem Kabinett in die Villa Hahn. Von 1983 bis 1985 wurden die Ausstellungsräume erweitert und neu gestaltet, eine Bibliothek eingerichtet und die Heizungsanlage modernisiert. Vom Brunnen im Vorgarten war in diesen Jahren schon nichts mehr zu sehen.

Anfang des neuen Jahrtausends endete die Ära der Villa Hahn als Kunstkabinett. Das Haus ist inzwischen renoviert worden. Ein sprudelnder Springbrunnen wäre die perfekte Ergänzung des Ensembles.

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Ilona B. 17.07.2013 - 09:07:00

Hallo Jens

Das ist wirklich ein schönes Beispiel von gelebter Stadtgeschichte. Es sind nicht nur die großen Sachen die das Leben in einer Stadt ausmachen, sondern zum Glück auch die vielen kleinen Geschichten der Bürger. Deinem stetigen Tatendrang wird es zu verdanken sein, wenn wir den Brunnen bald wieder in voller Schönheit bewundern können. Bis dahin lass Dich nicht unterkriegen.

Berndchen 16.07.2013 - 20:03:28

Eigentümer

Diese alte Kinogebäude im Frankfurter Zentrum hat einen Eigentümer. Eigentum verpflichtet bekanntlich. Warum geht hier nicht das Ordnungsamt energisch vor und verhängt drastische Strafen? Bei den Falschparkern geht es doch auch. So lange das Ordnungsamt die Unordnung duldet, sollten die Damen und Herren als erste den Spaten in die Hand nehmen. Die Eigeninitiative ist aller Ehre wert. Wir kämen in Frankfurt (Oder) mit dem freiwilligen Aufräumen gar nicht hinterher. Dafür klatscht sich die Verwaltung um 15:30 Uhr auf den Bauch und geht nach Hause.

Freiwillig 16.07.2013 - 19:06:16

Meckern, meckern, meckern

.. wer wär dabei das Kino von Wildkraut zu befreien am 20.7. ??? um 9 Uhr?

Armin Heberlein 15.07.2013 - 18:52:18

Es geht doch !

Während am Comic-Brunnen alle paar Wochen Bedienstete der Frankfurter Abwasser-und Wasserwirtschaft in den Schacht am Comic-Brunnen ohne Erfolg ein - und aussteigen, gräbt ein Frankfurter mal ganz locker vor seiner Kanzlei und schon wird im kommenden Jahr ein alter Brunnen zum Leben erweckt. Wenn nun noch zumindest das Umfeld und die Fassade des alten Kinos in einen würdigen Zustand versetzt werden, gäbe es ein schönes Bild. Warum spricht hier nicht das Umweltamt ein "Machtwort" ? So könnte man alternativ glatt den Comic-Brunnen mit Blumen bepflanzen oder gar die kitschige Figur abbauen und versteigern. Natürlich hätte dann der "Brunnenplatz" seine Bedeutung und seinen Namen verloren. Es ist schon anmaßend, einen Zentrumsplatz als Brunnenplatz zu bezeichnen, obwohl ein funktionierender Brunnen fehlt. Diese "Brunneninsolvenz" fällt doch in dieser Stadt nicht mehr auf. Eine Umwidmung des Brunnenplatzes in Marienplatz wäre doch eine Lösung. Schon hätte wir Ruhe!

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