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Bundesamt ordnet Rückführung an

Vater mit vier Kindern von Mutter getrennt

Olav Schröder / 17.07.2013, 23:44 Uhr
Wandlitz (MOZ) Ein tschetschenischer Vater und seine vier Kinder sind Montag früh aus dem Übergangswohnheim in Wandlitz nach Polen rückgeführt worden, obwohl die Mutter im Bernauer Krankenhaus liegt. Der Runde Tisch für Toleranz protestiert dagegen.

"Wir waren fassungslos, als wir davon erfahren haben", sagt Mathis Oberhof vom Runden Tisch. "Alle unsere Aktivitäten für eine menschliche Willkommenskultur in Wandlitz stoßen damit an ihre Grenzen." Vor allem die 14-jährige Linda und ihr jüngerer Bruder Magomed hätten sich in Wandlitz gut eingewöhnt. Magomed habe zum Beispiel beim Fußballverein 1. FC Wandlitz mittrainiert und Linda habe sich mit den Schülerinnen, die das Heim ehrenamtlich regelmäßig besuchen, angefreundet. Für die Familie sei die Trennung ein Schock.

Die Rückführung in ein gesichertes EU-Land sei vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf Grundlage des Dublin-II-Abkommens angeordnet worden, sagt Jana Zelle vom Landkreis Barnim. Der Kreis sei lediglich die ausführende Behörde. Das Abkommen regelt, dass das Erstaufnahme-Land eines Flüchtlings auch das Asylverfahren durchführt. Es handele sich also nicht um eine Abschiebung. Im Barnim habe es in diesem Jahr bislang sieben Rückführungen gegeben.

Das Dublin-II-Abkommen sehe jedoch Ermessensspielräume vor, sagt Oberhof. So sollten Familien bei Rückführungen nicht getrennt werden. Er vermutet, dass der Krankenhausaufenthalt von Zainab B. gar nicht bekannt war, da die Mutter der vier Kinder am Freitag aus der Klinik zunächst entlassen worden war. Am Sonntag musste sie jedoch aufgrund von Beschwerden erneut im Krankenhaus aufgenommen werden. Und am Montag um 5 Uhr früh sei die Rückführung bereits durchgeführt worden.

Der Runde Tisch für Toleranz habe nicht nur die Barnimer Landtags- und Bundestagsabgeordneten um Unterstützung gebeten. Er habe die Hoffnung, sagt Oberhof, dass die Rückführung nach Polen wieder rückgängig gemacht werden könne und der Landkreis sein "zu recht erworbenes humanitäres Image im Umgang mit Asylbewerbern" jetzt nicht verliere.

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