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Abflug verpasst

Sitzenbleiber: Um sich einen Platz in einem Storchenhorst zu sichern, harren einzelne Tiere auch im Winter in Brandenburg aus. Sein Gefieder sch³tzt den Storch vor Kõlte. Foto: MOZ/Hannelore Siebenhaar
Sitzenbleiber: Um sich einen Platz in einem Storchenhorst zu sichern, harren einzelne Tiere auch im Winter in Brandenburg aus. Sein Gefieder sch³tzt den Storch vor Kõlte. Foto: MOZ/Hannelore Siebenhaar © Foto:
Alexander Kempf / 28.12.2009, 18:47 Uhr
Frankfurt (Oder) Klimawandel konkret: Den Störchen macht das neue Weltwetter zu schaffen. Die Hälfte der Tiere überwintert in Spanien, die andere in Afrika. Brutplätze in der Mark sind unter den rivalisierenden Heimkehrern schwer umkämpft. Einzelne Tiere versuchen, im Land Brandenburg zu überwintern.

Noch Mitte Dezember erhielt Michael Kaatz vom Storchenhof Loburg in Sachsen-Anhalt besorgte Anrufe aus Brandenburg. In den Landkreisen Oberhavel und Teltow-Fläming hatten Menschen Störche gesichtet. Normalerweise zieht es die Zugvögel Ende September in den Süden. Mindestens zwei Tiere, so scheint es, hatten den Abflug verpasst.

Kaatz konnte die Anrufer beruhigen. "Wenn die Bachläufe nicht zugefroren sind, finden Störche auch im Winter ohne Probleme Nahrung", sagt er. Zwar bekommen die Vögel im Eiswasser kalte Füße, erfrieren können sie nicht. "Der Storch hat eine Schranke im Körper, die dafür sorgt, dass die Beine trotzdem durchblutet werden." Mit seinem langen Schnabel jagt Adebar im Dezember auch Feldmäuse im Schnee. Störche sind zäh, weiß Kaatz. "Die Tiere können ohne Probleme bis zu zwei Wochen hungern." Und das Federkleid schütze den Vogel sehr gut vor Kälte.

Laut Kaatz häufen sich Fälle von Störchen, die versuchen in Deutschland zu überwintern. Er schätzt ihre Zahl auf 50 bis 100 bundesweit. Sein Telefon klingelt immer häufiger im Dezember. Er macht den Klimawandel für das Ausharren der Tiere verantwortlich.

"Zugvögel können sich sehr viel schneller umstellen als gedacht", so Kaatz. Innerhalb nur einer Generation könnten die Tiere ihre Flugrouten verändern. Zehn bis 15 Jahre alt werden Störche durchschnittlich, einzelne Tiere erreichen sogar ihren 30. Geburtstag.

Seit Jahren ist zu beobachten, dass die Vögel immer näher an ihren Brutgebieten überwintern. Längst fliegen nicht mehr alle Tiere bis in das Gebiet südlich der Sahara. "Etwa die Hälfte der Vögel bleibt inzwischen in Spanien", so Kaatz.

Der kürzere Flugweg spart nicht nur Kraft, er garantiert auch die besten Brutplätze.

Westzieher nennt Bernd Ludwig, Chef der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch, jene Störche, die in Spanien überwintern. Vor der globalen Erwärmung zogen sie nach einem Zwischenstopp in Spanien bis in das Gebiet südlich der Sahara. In Brandenburg hingegen leben überwiegend Ostzieher. Sie fliegen im Winter über die Türkei nach Afrika. Jetzt aber kehren sie immer häufiger zu spät in die Mark zurück. Die Westzieher sitzen schneller im Storchenhorst. Revierstreitigkeiten, sogenannte Horstkämpfe, sind die Folge. Sie sind ein Grund für den zurückgehenden Storchennachwuchs.

"Wenn die Störche zu spät kommen, schaffen sie es nicht mehr Junge auszubrüten", erklärt Bernd Ludwig. Von 1190 Brutpaaren in Brandenburg blieben in diesem Jahr 308 kinderlos. "Über 25 Prozent ohne Nachwuchs ist ein schlechter Wert", stellt Ludwig fest. Gewöhnlich liege die Quote bei zwölf Prozent.

Auch der trockene April und der kühle Mai seien den Vögeln nicht gut bekommen. Weniger Insekten bedeuten weniger Futter. "Das durch die Landesregierung verordnete Umbrechen von Brachflächen sorgte ebenfalls dafür, dass die Störche weniger Nahrung fanden", sagt Ludwig. Zwischen Raps und Mais findet Adebar keine Mäuse.

Brandenburg gilt bundesweit als das Storchenland. Ein Viertel der deutschen Störche nistet in der Mark. Doch die Anzahl von Brutpaaren geht zurück. Im Vergleich zum Jahr 2004 um rund 15 Prozent. Dieses Jahr wurden in den Brandenburger Storchenhorsten durchschnittlich nur 1,8 Junge geboren. Das sind zu wenig. "Mindestens zwei Junge sind nötig, damit sich die Population auch langfristig halten kann", erklärt Ludwig.

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