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Am 22. September wird in Märkisch-Oderland der Landrat erstmals direkt gewählt / Bislang gibt es fünf Bewerber

Amtsinhaber startet als Erster

Erster: Bislang wirbt nur Amtsinhaber Gernot Schmidt (SPD) mit Plakaten für die Wahl am 22. September. Mitbewerber sind (von links oben im Uhrzeigersinn) Hartmut Lietsch (FDP), Daniel Tzschentke (Piraten), Norbert Buchholz (CDU) und Bernd Sachse (Linke).
Erster: Bislang wirbt nur Amtsinhaber Gernot Schmidt (SPD) mit Plakaten für die Wahl am 22. September. Mitbewerber sind (von links oben im Uhrzeigersinn) Hartmut Lietsch (FDP), Daniel Tzschentke (Piraten), Norbert Buchholz (CDU) und Bernd Sachse (Linke). © Foto: MOZ Gerd Markert
Detlef Klementz / 02.08.2013, 19:13 Uhr
Strausberg (MOZ) Am 22. September wird im Landkreis Märkisch-Oderland erstmals ein Landrat direkt gewählt. Bislang wollen vier Bewerber den erneut kandidierenden Kreisverwaltungschef Gernot Schmidt (SPD) herausfordern. Bis 13. August ist noch Zeit für weitere Interessenten, ihren Hut in den Ring zu werfen.

Der Landrat weiß, womit man in Wahlkämpfen punktet - mit Präsenz. Also nutzt Gernot Schmidt (51) jede Gelegenheit zum Händeschütteln, Mitdiskutieren und positive Stimmung verbreiten. Bislang läuft es gut für ihn. Er werde von "vielen Leuten angefragt", bisweilen treffe er dabei andere Kandidaten, auch Bernd Sachse, den Bewerber der Linken. "Mit denen haben wir im Kreistag gut zusammengearbeitet", sagt Schmidt. Die Erfolge, die man erreicht habe, würde er sich "nie allein auf seine Fahne schreiben", sagt Schmidt: "Aber im Wahlkampf kämpft jeder für sich."

Immer wieder findet der Landrat den Bogen, um Erfolge aufzulisten. Er lobt die Wirtschaft, die auf gesunden Füßen stehe, nennt die kreisliche Infrastruktur im Bildungsbereich, die erneuert worden sei, und lobt, dass"Privatisierungsgelüsten" widerstanden worden sei - gemeint ist in dem Fall die Fachklinik und Moorbad Bad Freienwalde.

Zu seinen Wahlzielen gehören die Sicherung der Daseinsfürsorge, sprich Infrastruktur, Schulen, Gesundheitsbereich u. a. sowie eine "solide Haushaltswirtschaft". Zudem müsse der Landkreis Imagearbeit für Ostbrandenburg leisten und wie andere den demografischen Wandel meistern.

Entgegen mancher Beobachtermeinung will Bernd Sachse (57) "um jede Stimme kämpfen", wie er sagt. Dabei will der Wahlkreismitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Dagmar Enkelmann gemeinsam mit seiner Chefin den Wahlkampf bestreiten. Bislang war der Kreisparteichef kaum wahrnehmbar. Das soll sich jetzt im August ändern. "Im Juli waren alle Leute ja im Urlaub", sagt er. Persönliche Angriffe lehne er ab. Dass man mit der SPD auf Kreisebene gut zusammengearbeitet hat und dies auch weiter tun wolle, verhehlt Sachse nicht.

Wenn er nach seinen Wahlkampfschwerpunkten gefragt wird, nennt er die kreisliche Nahverkehrsplanung, wendet sich gegen die "Beziehungskultur", wie er es vorsichtig allgemein ausdrückt. Wichtig sei eine hohe Lebensqualität von der Oder bis an den Berliner Rand unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der Kommunen. Die Gesundheitsregion will er offensiver entwickeln, wobei der Kreis seine moderierende Funktion besser ausgestalten sollte. Als Beispiel nennt er das Krankenhaus Seelow, wo er sich ein kommunales Engagement vorstellen könnte. Schließlich sollte der Patientenbus nicht gleich infrage gestellt werden, nur weil die Auslastung nicht den Erwartungen entspreche.

Für die CDU geht der Müncheberger Kreistagsabgeordnete Norbert Buchholz (59) ins Rennen. Der Diplom-Verwaltungswirt, der als Leitender Regierungsdirektor tätig ist, hofft "nach 20 Jahren mit SPD-Landräten" auf einen Wechsel. Der sei allein schon deshalb nötig, weil man sich "eingerichtet hat". Im Falle seines Wahlsiegs will Buchholz im Kreistag die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktion suchen, "mit Ausnahme der Linkspartei".

Der CDU-Bewerber weiß, dass sich seine Schwerpunkte nicht sehr von denen der Mitbewerber unterscheiden. Auch er will den Zusammenhalt zwischen der Berlin fernen und nahen Region fördern, wobei die unterschiedlichen Problemen in den Regionen auch "unterschiedliche Lösungen brauchen". Als zentrales Thema sieht er die innere Sicherheit und spricht von einem "ordnungspolitischen Netzwerk", das er aufbauen würde. Weitere Stichworte sind Straffung der Verwaltung und effektiverer Mitteleinsatz. Vorgehen will Buchholz stärker gegen den Stundenausfall an den Schulen und im ländlichen Raum kleinere Klassen zulassen.

Für die Piratenpartei tritt Daniel Tzschentke (41) an, Kennern der Popmusik-Szene vielleicht als Daniel Colletti geläufig. Der Musiker, der seit fünf Jahren in Fredersdorf-Vogelsdorf wohnt, sieht sich selbst nicht als Politiker: "Ich bin mehr ein Bürger-Unterstützer." Da die Piraten nicht an den vergangenen Landtagswahlen teilgenommen hatten, muss der gebürtige Ostberliner bis zum 13. August 112 Unterstützerunterschriften vorlegen. Er ist da zuversichtlich und tourt derzeit durch die größeren Orte. Dass er keine Chance auf den Wahlsieg hat, ist ihm schon bewusst. "Aber es geht mir nicht um den Posten, sondern um Denkanstöße", sagt der überzeugte Vegetarier. Schwerpunktziele sind für ihn neben einem Grundeinkommen für alle Bürger unter anderem das ABC-Ticket für Arbeitslose, ein Natur schonender Tourismus, ein "vernünftiges Schulessen" und eine "faire Agrarwirtschaft ohne Massentierhaltung".

Der FDP-Kandidat Hartmut Lietsch (60) geht davon aus, dass sich die "beiden Großen" - gemeint sind SPD und Linke - "nicht in die Parade fahren werden". Während der Landrat mit seinem Amtsbonus zu zahlreichen Veranstaltungen eingeladen werde, kenne er einen Großteil dieser Termine gar nicht, bekennt der ehemalige Frankfurter Polizeipräsident. Das will der Falkenhagener Gemeindevertreter über die Ortsvereine seiner Partei ändern. Alle würden denken, dass der amtierenden Landrat "mit 75 Prozent durchmarschiert". Daher wäre für ihn ein zweiter Wahlgang "ein großer Erfolg".

Durch die Direktwahl erhalte der Landrat eine neue politische Rolle. Dementsprechend müsse der künftig stärker als Mittler zwischen Oderbruch und Berliner Speckgürtel auftreten. Zudem sieht Lietsch dessen Möglichkeiten im Zusammenspiel mit den Kommunen noch nicht ausgeschöpft. Wichtig sind ihm auch der Erhalt und die weitere Verbesserung der Infrastruktur, der 20-Minuten-Takt der S-Bahn bis Strausberg-Nord und mehr Freiräume der Kreise bei der weiteren Umsetzung der Polizeireform. Konkret sollten die Kreise selbst vorschlagen, wo das Personal effektiv eingesetzt werden kann.

Am 12. September führt die MOZ im Volkshaus Strausberg-Nord in Strausberg ein Wahlforum mit allen Kandidaten durch. Beginn ist um 18 Uhr.

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Egal 03.08.2013 - 08:53:27

Uhrzeigerrichtung?

Also entweder verstehe ich den Uhrzeigersinn nicht oder die Herren Sachse und Buchholz haben ihre Identität getauscht. Oder hat sic etwa unser Tageszeitung getäuscht?

Hagen Stein 02.08.2013 - 22:39:25

Wir sind dran!

Was wir haben wissen wir, was wir eventuell neu bekommen wissen wir nicht. Wichtig ist dass es eine genügende Wahlbeteiligung der Bürger dazu gibt! Ansonsten kungelt der Kreistag das dann aus. Wie ich den Amtsinhaber kenne, ist es ihm angesichts der Herausforderer nicht unbedingt bange - sicher leicht nervös ob es einen fairen Umgang bis zur Entscheidung gibt. Na denn Gernot mach mal....

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