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Eisenhüttenstadt: Polizei untersagt nach Übergriffen Kundgebung der NPD vor der ZABH

Neonazis greifen Demonstranten an

Frank Groneberg / 04.08.2013, 19:31 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Die Polizei hat am Sonnabend eine Kundgebung der NPD untersagt, nachdem mehrere Rechtsradikale Gegendemonstranten mit Pfefferspray und einem Stock angegriffen hatten.

"Jude!", rufen sie aus ihren Autos, und "Rote Faschisten!" Aus den Blicken und Worten der Neonazis, die da mit fünf Autos nach Eisenhüttenstadt gekommen sind, spricht der blanke Hass. Sie sind nur knapp 25 Leute, und sie sind an diesem Sonnabend nach Eisenhüttenstadt gekommen, um mit einer Kundgebung gegen den vorgeblichen Asylmissbrauch zu demonstrieren. Direkt vor der ZABH, bewohnt von etwa 700 Asylsuchenden, wollen sie ihre Hetztiraden verbreiten. Doch die Polizei hat den Neonazis einen anderen Platz zugewiesen: die kleine Straße Am Waldrand, außer Sicht- und Hörweite. Der Platz vor der ZABH ist bereits von einer kleinen Gruppe Gegendemonstranten besetzt.

Rund um den geplanten Kundgebungsort hängen auffallend viele Plakate: "Vorsicht Falle!", wird mit einer Mausefalle, die ein Hakenkreuz als Köder trägt, gewarnt. "An manchen Orten lässt sich Braun nicht vermeiden", ist über einer großen Rolle Klopapier zu lesen. "Keine Stimme den Nazis - weder im Parlament noch auf der Straße oder im Verein!", wird großflächig aufgerufen. Aufgehängt wurden die Plakate von der IG Metall - als "Gruß" der Stadt an die NPD.

"Es gab Absprachen zwischen der Stadt und der IG Metall", sagt Bürgermeisterin Dagmar Püschel. "Wir wollten nur mit Plakaten zeigen, was wir von diesem Spuk halten. Und wir haben absichtlich nicht zu Gegendemonstrationen aufgerufen." Denn es sei besser, die Neonazis einfach zu ignorieren, statt ihnen Aufmerksamkeit zu zeigen.

Auch Thomas Nord, Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke, ist vor Ort. "Ich wehre mich gegen den politischen Missbrauch des Themas Asyl durch die Nazis", betont er. "Und ich demonstriere heute gegen die NPD, denn diese Partei hat spätestens seit den Enthüllungen der Hintergründe der NSU-Morde jedes Recht verwirkt, in Deutschland politisch aktiv zu sein."

Um 10 Uhr soll die Kundgebung beginnen, von den NPD-Leuten ist nichts zu sehen. Fünf Minuten später sind sie plötzlich da: Nicht an der Straße Am Waldrand, sondern auf der Poststraße, am Abzweig zur ZABH. In fünf Autos kommen sie an. Spontan stellen sich ihnen mehrere Gegendemonstranten in den Weg. Und die Neonazis fackeln nicht lange: Wutentbrannt springen sie aus den Autos, sprühen den Protestlern Pfefferspray ins Gesicht, schlagen sie mit Fäusten und einer Fahnenstange. Ein Demonstrant wird so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus gebracht werden muss. Auch ein Rechtsradikaler erleidet Augenreizungen - offenbar besprüht von seinen eigenen Leuten.

Die Polizei trennt die Gruppen. Die Neonazis in ihren Autos werden festgesetzt, die Personalien aufgenommen, Anzeigen geschrieben. Als um 10.15 Uhr ein Reisebus mit weiteren Gegendemonstranten aus Berlin eintrifft, ist die Nazi-Kundgebung bereits gestorben: Zwei Minuten später teilt Mathias Bröse, Einsatzleiter der Polizei, dem NPD-Landesvorsitzenden Klaus Beier mit: Die Kundgebung wird untersagt. "Es wurden von den Versammlungsteilnehmern waffenähnliche Gegenstände mitgeführt und eingesetzt", sagt er zur Begründung. Beier will spontan eine Demonstration durch die Stadt anmelden - doch das, so der Einsatzleiter, müsse er bei der Polizeiinspektion in Fürstenwalde tun. Zu der Spontan-Demo kommt es nicht mehr. Um 11 Uhr fahren die Neonazis ab, begleitet von der Polizei. Der Bus der Gegendemonstranten folgt ihnen nach Fürstenwalde, wo eine weitere Kundgebung geplant ist.

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Berta 07.08.2013 - 16:29:18

@ Fran

Warum gehst du eigentlich dann auf diese Webseite? Das ist aber inkonsequent: Druck-Ausgabe nicht mehr kaufen, aber anonym auf der Webseite rummeckern. Kommst wohl doch nicht ohne MOZ aus? Einen schönen Tag noch!

Frank Groneberg 07.08.2013 - 13:35:09

Unterstellungen

Sehr geehrte Kommentatoren, die MOZ hat die Meldung über die islamistischen Übergriffe im Wohnheim der ZABH weder vertuscht noch "erst nach Hinweisen anderer Leser" veröffentlicht. Meldungen über Übergriffe in der ZABH werden auch nicht unter der Decke gehalten, nur weil sie angeblich nicht in das Bild unserer Redakteure passen. Ich darf an die umfassende Berichterstattung über die Massenschlägerei in der ZABH vor einigen Monaten erinnern und an die Berichte über die Eskalation einer Demonstration vor der Abschiebehaftanstalt. Bitte unterlassen Sie also künftig solche Unterstellungen. Die Meldung über die islamistischen Übergriffe ist erst am Wochenende über eine Nachrichtenagentur bekannt gemacht worden und dann auch sofort in der MOZ veröffentlicht worden, in der Ausgabe am Montag. Es ist nun mal so, dass das Innenministerium die Medien über solche Vorfälle meist nicht informiert, sondern erst auf konkrete Nachfrage reagiert. Wir als Zeitung sind auch nicht ständig in der ZABH vor Ort und darauf angewiesen, Informationen von Zeugen oder aus anderen Quellen zu bekommen. Seien Sie versichert, dass wir stets objektiv, unabhängig und unvoreingenommen berichten - auch über Vorfälle in der ZABH. Mit freundlichen Grüßen Frank Groneberg MOZ-Redaktion Eisenhüttenstadt

Die Unschuld vom Lande 06.08.2013 - 20:23:37

Stand schon drinn ...

http://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1182365/ ... aber erst nach Hinweisen anderer Leser ;-) und kein leichter Schritt für die MOZ-Redakteure, passt halt nicht ins geliebte Bild dieser Religion des ewigen Friedens.

abo 06.08.2013 - 20:09:24

abo

moz ist und bleibt ein "linkes" blatt ...sowas darf doch nicht drin stehen

J.L 06.08.2013 - 19:55:17

Das steht nicht in der MOZ

Welche zustände herrschen dort eigentlich, Lese hier http://www.tagesspiegel.de/berlin/brandenburg/brutaler-angriff-islamisten-attackieren-ehepaar-in-brandenburger-fluechtlingsheim/8591676.html

noch ein Hüttenstädter 06.08.2013 - 16:08:04

@Florian

Ich denke mit Ihrem Kommentar haben Sie die Meinung von sehr vielen Eisenhüttenstädtern geäußert und vertreten.

Rosa Linde 05.08.2013 - 18:22:32

Wenn ich das eine will,

muss ich das andere mögen?! Wie lange besteht das ZABH? Ca. 20 Jahre.?! Wie oft war in dieser Zeit die NPD zur Demo vor Ort? Vier Jahre bin ich Eisenhüttenstädter, in dieser Zeit kein einziges mal (und meines Wissens nach, vorher auch nicht). Man hat mit den vorhergehenden Demonstrationen für die Asylbewerber schlafende Hunde geweckt...und meiner Meinung nach den Asylbewerbern damit wahrlich keinen Gefallen getan, sowie dem ZABH und auch der Stadt nicht. Weshalb erhitz(t)en sich die Gemüter in Fürstenwalde weniger, als hier in EH? Weshalb verlief die Demo dort ruhig, trotz des Aufeinandertreffens beider Richtungen(Linke und NPD)? Aus dem Bericht in der MOZ geht hervor, dass es sich um die selben Leute handelte. Fragen, die mich bewegen. Ich denke nicht, dass das ZABH schon immer eine negative Werbung für EH war. Im Gegenteil, denn es ging doch trotz der vielen Flüchtlinge immer relativ ruhig und gesittet hier in EH zu. So jedenfalls aus meiner Sicht als unmittelbarer Anwohner. Bis zu den vergangenen drei Demonstrationen war es für mich überhaupt kein Problem hier neben dem ZABH zu wohnen. Doch wenn ich meinen Ausweis zeigen muss um in meine Wohnung zu gelangen...bekommt auch EH von mir negative Werbung. Denn was erzähle ich meinem nächsten Besuch , der vllt. in so eine Demo gerät und dann nicht zu mir kommen darf, weil er hier nicht wohnt ?

Bürger 05.08.2013 - 13:17:02

Leider ist die

ZAST ist die beste, leider Negative Werbung für die Stadt. Am besten man schließt das Lager.

Florian 05.08.2013 - 12:13:38

ZAST - Man kann es nicht mehr hören

Auf keinen Fall kann man es gutheißen, wenn Waffen oder Gas zum Angriff auf (Gegen)Demonstrierende eingesetzt wird. Warum darf aber eine NPD nicht vor den Toren der ZAST eine Veranstaltung durchführen? Eine Unterstützerinitiative darf fast 2 Wochen mit Erlaubnis der Stadtverwaltung dort campieren. Lärm und unhygienische Zustände wurden den Anwohnern in der Poststraße um die Hausnummer 88 zugebilligt. Eine Doppelmoral, die nicht zu verstehen ist. Wenn alles so schlimm ist, dann schließt doch die Institution. An dieser Stelle sollte mehr darauf hingewiesen werden, warum Asylsuchende abgewiesen werden müssen: meistens ist es doch so, das das Asylbegehren gegenstandslos ist. Und dafür gibt es Gesetze in unserem Land, die umso konsequenter durchgesetzt werden müssen. Ich hoffe, das dies in Zukunft mehr denn je geschieht. Eigenes Erleben in der ZAST: So wurden mit Steuergeldern die Häuser instandgesetzt (oder werden es oder werden neu gebaut) und schon nach einem Jahr sind sie im Zustand wie vor der Sanierung. Sanitäranlagen werden mit einer Hingabe zerstört, als ob es darum geht, den schnellen Service von Sanitärfirmen zu testen. Man bedenke, das viele der hier wohnenden Asylbewerber ihre Notdurft "zuhause" im Strauch oder auf dem Feld in der Nähe ihrer Behausung machen. Oder da wird auch mal das Essen, welches gekocht und ausgegeben wird, durch die Luke in die Küche in hohem Bogen zurückbefördert. Ich erwarte, das mit Respekt dem mit meinen Steuergeldern geschaffenen Eigentum umgegangen wird. Dann können auch die Bewohner der ZAST, nachdem alle abgeschoben wurden, deren Asylantrag abgelehnt wurden, Respekt von mir erwarten.

xoxo 05.08.2013 - 08:29:59

xoxo

Und wo ist der Bericht zur Schlägerei im AZBH? Von den eigenen Bewohner die ihre Werte durchsetzen wollen...

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