Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Frankfurt (O) oder doch Kleiststadt

Knapper geht es nicht: Besucher, die ³ber die Stadtbr³cke kommen, werden in Frankfurt (O) begr³▀t. Auch auf einigen anderen Ortseingangsschildern ist offenbar kein Platz f³r den offiziellen Stadtnamen. Foto: GMD/Dietmar Horn
Knapper geht es nicht: Besucher, die ³ber die Stadtbr³cke kommen, werden in Frankfurt (O) begr³▀t. Auch auf einigen anderen Ortseingangsschildern ist offenbar kein Platz f³r den offiziellen Stadtnamen. Foto: GMD/Dietmar Horn © Foto:
OGARDTN / 13.05.2008, 07:36 Uhr
Seit 1999 darf sich Frankfurt ganz offiziell Kleiststadt nennen. So hatte es im Jahr zuvor das Land bestätigt. Mit der Umsetzung des Beschlusses über den Namenszusatz tut man sich noch immer schwer. Ein Beispiel dafür sind die Ortseingangsschilder.

Eigentlich wäre im Rathaus mal wieder Post aus dem Landesinfrastrukturministerium fällig. Minister Reinhold Dellmann müsste die Stadt darauf hinweisen, dass sie für die Ortseingangsschilder den amtlichen Namen der Stadt zu verwenden habe - eben Frankfurt (Oder).

Denn schon damit hat man im Rathaus Schwierigkeiten. Selbst wer aus dem polnischen Slubice über die Stadtbrücke kommt, wird lediglich in "Frankfurt (O)" begrüßt. Noch aussichtsloser scheint das Vorhaben, den Zusatz Kleiststadt auf die gelben Tafeln zu bringen.

Im Jahr 2003, anlässlich des 750. Stadtgeburtstages, hatte die Märkische Oderzeitung in einer Sonderbeilage an den Beschluss der Stadtverordneten, dass Frankfurt den Zusatznamen Kleiststadt tragen soll, erinnert. Damit kam Bewegung in die Sache und die "Kleiststadt" auf das städtische Briefpapier und den Internetauftritt der Kommune. Im Dezember 2003 warb OB Martin Patzelt bei den Geschäftsführern der städtischen Unternehmen, es der Verwaltung gleich zu tun. Außerdem wies er an, die Zusatzbezeichnung auf neu aufzustellende Ortseingangsschilder zu drucken. Zu dieser Zeit verschwanden immer wieder einige der Schilder. Wahrscheinlich hängen sie als Erinnerungsstücke in Wohnzimmern ehemaliger Frankfurter.

Doch die deutschen Gesetze machten Patzelt einen Strich durch die Rechnung. Weil "Kleiststadt" nicht als Teil des amtlichen Stadtnamens gilt, darf die Bezeichnung nicht auf die Ortstafeln. Der OB kündigte an, eine Sondergenehmigung zu beantragen und, sollte die nicht erteilt werden, zumindest Zusatzschilder aufstellen zu lassen.

Rund zwei Jahre später war es soweit. 1000 Euro waren bei einer Tombola, die das City-Park-Hotel an einem Galaabend veranstaltet hatte, als Erlös zusammen gekommen. Dafür wurden die ersten Schilder angefertigt. Weiß mit grüner Schrift waren sie bald an jedem Ortsteingangsschild der Frankfurter Ortsteile zu finden. In der "Kleiststadt Lossow" verschwanden sie immer mal oder wurden verbogen, aus der "Kleiststadt Hohenwalde" wurde auf Initiative einiger Einwohner für kurze Zeit das "Pferdedorf Hohenwalde".

Vor fast genau einem Jahr musste die Verwaltung die Zusatzschilder dann generell abnehmen lassen. Diese waren ohne Genehmigung zusätzlich an die Ortseingangsschilder geschraubt worden. Oberbürgermeister Martin Patzelt ließ wieder mitteilen, dass er nicht lockerlassen werde und um eine Ausnahmegenehmigung ringe, den Zusatz Kleiststadt anbringen zu dürfen. Das Land, so die Hoffnung, müsse nur den Hinweis von 1999, dass die Bezeichnung "Kleiststadt" nicht auf den Ortstafeln geführt werden dürfe, zurücknehmen.

Doch genau das macht das Land nicht. Zwei Möglichkeiten hatte Minister Dellmann schon im vergangenen Jahr genannt. Entweder die Stadt stelle innerörtlich Werbeschilder auf, um auf ihre Verbindung zu Heinrich von Kleist hinzuweisen oder sie ändert den amtlichen Namen in "Kleiststadt Frankfurt (Oder)".

Passiert ist aber offenbar weder in die eine noch in die andere Richtung etwas. "Wir sammeln Beispiele, um gegenüber dem Ministerium zu zeigen, dass anderswo Zusatzbezeichnungen möglich sind", so Rathaussprecher Sven Henrik Häseker in der vergangenen Woche. Das hatte sein Vorgänger Heinz-Dieter Walter vor einem Jahr auch schon getan. Und im Infrastrukturministerium ist auch kein neuer Antrag aus Frankfurt bekannt. Sprecherin Petra Dribbisch verweist nach wie vor auf die Dellmann-Vorschläge vom vergangenen Sommer.

Dass sich Zusätze zum offiziellen Namen auf Ortsteingangsschildern durchaus finden, sieht man in der ganzen Bundesrepublik. Die BezeichnungenLandeshauptstadt, Große Kreisstadt und Kreisstadt haben dabei sogar gesetzlichen Segen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bei vielen Orten nicht nur den Hinweis auf den Status "Ostseebad", sondern auch Zusatzsschilder.

Rostock weist auf die Tradition als Hansestadt hin. Würzburg und Ilmenau betonen auf den Ortseingangsschildern, Universitätsstadt zu sein. Beides wäre auch eine Option für Frankfurt. Nordhausen weist auf die eigene Hochschule hin. Bad Lauterberg betont, eine Stadt "im" Harz zu sein. Wichtig für den Fremdenverkehr. Vielleicht fragt die Frankfurter Stadtverwaltung ja dort mal nach, wie man es geschafft hat, die Genehmigung für die Zusatzbezeichnung zu bekommen. Denn mit Frankfurt hat Bad Lauterberg noch eines gemeinsam. Das Städtchen liegt auch an einem Fluss namens Oder.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG