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Heiße Werkschau am Grimnitzer Glasofen / Künstler aus Deutschland und Südkorea verarbeiten täglich über 50 Kilogramm Glas

Atelierplatz bei 1200 Grad Hitze

Ellen Werner / 10.08.2013, 04:06 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Tag und Nacht bullert der Ofen zur Zeit. Zum sechsten Mal beweisen Glasgestalter in der Joachimsthaler Glashütte, wie wandelbar ihr Werkstoff ist. Noch bis Sonntag können Gäste den Glasmachern über die Schulter sehen.

Wie Honig wickelt sich die heiße Masse um das Stahlrohr. Dann taucht Hyeong Min Yoo den fast noch glühenden Pfropfen an der Glasmacherpfeife in einige Scherben in dunklem Orange. Wiedererhitzt kommt so die Farbe ins transparente Material. Mit Riesenpinzetten, Einschnürscheren und auch mal Küchenwerkzeugen wie Hackebeilchen bringt der 33-jährige Südkoreaner das Glas anschließend in Form.

Abwechselnd gehen ihm seine Frau Eunmi Chae, ebenfalls Künstlerin, und Glasmacherin Barbara Ebner von Eschenbach zur Hand. "Es ist immer eine schöne Atmosphäre, mit anderen Glasmachern arbeiten zu können", sagt die Berliner Glasmacherin, die am liebsten schönes Gebrauchsglas erzeugt.

"Überhaupt ist es schön, mal mit Assistenten zu arbeiten", erklärt die 34-Jährige Ebner von Eschenbach, die ihren Beruf vor zehn Jahren erlernt hat, zwischenzeitlich unter anderem in Dänemark und Luxemburg arbeitete und sich mit dem Handwerk vor zwei Jahren selbstständig machte. Im Arbeitsalltag in der Museumsglashütte bei Baruth ist sie meist auf sich gestellt. "So kann man ganz andere Sachen realisieren", sagt sie.

Seit Dienstagabend kommen die acht Künstler und Kunsthandwerker aus verschiedenen Bundesländern und erstmals eben auch Südkorea am Glasschmelzofen zusammen. Seither läuft der Ofen Tag und Nacht. "Man kann ihn nicht abstellen", sagt Norbert Knabenbauer, der Vorsitzende des Grimnitzer Glashüttenvereins. Der geschmolzene Werkstoff in der Ofenwanne würde sonst verklumpen.

Ein Absperrband markiert die heiße Zone. Dahinter bleiben immer wieder Zuschauer stehen oder richten sich auf den Sitzplätzen ein, bis wieder ein neues Stück fertig ist. Die Veranstalter zeigen sich zufrieden. Am ersten kompletten Produktionstag, am Mittwoch, seien knapp 100 Besucher vorbeigekommen. "Es sind keine Ferien mehr und mitten in der Woche ist das doch beachtlich", so Knabenbauer. Auf rund 1200 Grad ist der Ofen in diesem Jahr angeheizt. Die Temperatur ist abhängig vom Material, erläutert Knabenbauer. So verwendeten die Glasmacher im vorigen Jahr ein Granulat aus Schweden. Für das Rohmaterial in einem Zwischenzustand von Quarzsand und Glas musste der Ofen noch 200 Grad heißer laufen. Diesmal sind es Glasnuggets aus Österreich. Mit einhundert Kilogramm ließe sich der Glasofen füttern. "Pro Tag werden etwas über 50 Kilogramm verarbeitet", sagt Knabenbauer.

Seit 2008 schlägt der vor 13 Jahren gegründete Verein mit den "Grimnitzer Glastagen" an historischer Stätte eine Brücke in die Vergangenheit. Auf der Burg Grimnitz wurde im Jahr 1575 die erste brandenburgische Glashütte gebaut. Im nächsten Jahr will der Glashütte-Verein, der den langen Namenszusatz "Kultur- und Kommunikationsforum Schorfheide" (KuKS) führt, sein ehemaliges Büro auf der Burg zum Museum ausbauen. Im vorigen Jahr hatten die KuKS-Leute den Galeriestandort Neugrimnitz aufgegeben.

Während der Glastage dient die neue Glashütte als Galerie. Gearbeitet wird nicht nur am Schmelzofen, sondern unter anderem auch vor der Glasmacherlampe. Die Ergebnisse unterschiedlichster Techniken der anwesenden Glasgestalter sind zu sehen. "Die Teilnehmerliste ist wieder interessant", sagt Knabenbauer. So zeigt der Neulewiner Norbert Horenk, gelernter Apparatebläser, kaltglasgearbeitete Werke. Wie zum Beispiel "Perforation" - in einem schwarz gebeizten Holzblock erzeugen angeleuchtete Glasröhrchen ein vieldeutiges Gefüge. Christian Breßler aus Angermünde stellt außer Bleiverglasungen in Sand gegossene Glasplastiken aus.

Eunmi Chae hat unter anderem Glasschmuck mitgebracht. Für gewöhnlich arbeitet die 33-Jährige sehr viel großformatiger. Zu sehen ist das auch an ihrem "Norwegian Wood Glass", einem Flügel, den sie als Symbol für verlorene Identität sieht.

Wie ihr Mann Hyeong Min Yoo hat sie Kunst mit dem Schwerpunkt Glas und Keramik studiert. Vor zwei Jahren zog das Paar nach Berlin. "Dort trifft man auf viele Künstler und internationale Kultur", sagt Eunmi Chae. An Joachimsthal dagegen interessiert sie etwas anderes. "Es ist klein, aber viele Leute sind interessiert an den Glasarbeiten und sehen begeistert zu."

Noch am Sonnabend und Sonntag, jeweils zwischen 11 und 17 Uhr zeigen die Glasgestalter ihr Können. Die Grimnitzer Glashütte befindet sich in Joachimsthal, Grimnitzer Straße.

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